Bestseller-Thriller

Jussi Adler-Olsen bleibt an der Oberfläche

20. März 2017, 00:00

Es ist fast schon ein bisschen ironisch, dass sich «Selfies» von Jussi Adler-Olsen vor allem mit der Oberflächlichkeit von Menschen beschäftigt und dabei selber stets sehr oberflächlich bleibt. Der siebte Fall für Carl Moerck und seine Kollegen (die in diesem Buch arg unter Druck kommen) verbindet mehrere Handlungsstränge, die anfänglich kaum etwas miteinander zu tun haben. Da ist der Mord an einer alten Frau, da der Rachefeldzug einer gefrusteten Sozialarbeiterin, da das Streben nach Geld einer Unterschichtclique. Am Schluss hängen alle Fäden dann natürlich zusammen, aber bis dahin ist es ein langer Weg.

Vor allem die erste Hälfte des Buches ist mit behäbig noch nett beschrieben. Erst danach baut sich die Spannung auf – alles durchaus typisch für die Moerck-Bücher. Vielleicht wollte Adler-Olsen einfach ein bisschen zu viel. Es werden durchaus wichtige Themen angeschnitten, und die Figurenzeichnungen sind liebevoll. Nur: Die Geschichte plätschert einfach so dahin, vieles passiert ganz beiläufig, und man ist eher gelangweilt als atemlos vor Spannung. Drei weitere Fälle um das Sonderdezernats Q sollen noch erscheinen, diese dann bitte wieder mit etwas mehr Tiefe und etwas mehr Spannung. (mg)

Jussi Adler-Olsen: Selfies. dtv, 592 Seiten, ca. Fr. 27.–.

Auch Sebastian Fitzek war schon besser

Angenommen, man dürfte in einer Lotterie einen Menschen als Freiwild nominieren. Wessen Name gezogen wird, der ist für ein Kopfgeld in Millionenhöhe eine Nacht lang straflos zum Abschuss freigegeben. In «Achtnacht» spielt der wohl erfolgreichste deutsche Krimiautor Sebastian Fitzek dieses Gedankenexperiment durch.

Der erfolglose Musiker Ben Rühmann findet sich plötzlich in den Medien und im Internet als vogelfreies Beutetier wieder. Gerüchte gehen viral, er sei ein Kinderschänder und seine Tötung folglich legitim. Als ob Ben nicht schon genug Sorgen hätte: Seine Tochter hat durch einen von ihm verursachten Unfall die Beine verloren und liegt nach einem Suizidversuch im Koma. Im Kummer hat Ben zu oft zur Flasche gegriffen, ist arbeitslos und pleite. Mit einer ebenfalls gejagten Leidensgefährtin versucht er, die Nacht zu überleben.

Die Idee verdankte Fitzek, wie er zugibt, der Filmreihe «The Purge», in der zwecks «Reinigung» der Gesellschaft eine Nacht lang alle Verbrechen legal sind. Aber anders als dort spielt «Achtnacht» nicht in der Zukunft. Nachrichten verbreiten sich dank den sozialen Medien in Windeseile, die Bereitschaft zur unkritischen Empörung ist hoch. Abgesehen von diesem bedenkenswerten Ansatz hat Fitzeks neuer Psychothriller nicht die Qualitäten seiner früheren Bücher. Wohl gibt es viele Wendungen, aber nicht alle sind wirklich überraschend. Die Pointe sieht man schon von weitem kommen. Der Autor hat sich diesmal statt wie üblich ein ganzes Jahr nur ein halbes Zeit genommen. Man merkt es. (sda)

Sebastian Fitzek: Achtnacht. Knaur, 400 Seiten, ca. Fr. 18.–.


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