Roman

Kalkutta poetisch

12. September 2016, 00:00

ak. Mit ihrem Buch «Erschlagt die Armen!» hatte die Inderin Shumona Sinha für einen Skandal gesorgt. Nachdem sie als Dolmetscherin bei der französischen Einwanderungsbehörde gearbeitet hatte, schilderte sie, wie Migranten aus Indien, Bangladesch oder Pakistan lügen müssen, um eine Chance auf Asyl zu haben. So machen sie mafiöse zu religiösen Organisationen, Naturkatastrophen zu Bürgerkriegen. Das ist tragisch, mitunter aber auch komisch. Das Buch wurde ein Beststeller.

Nun ist ihr neuer Roman «Kalkutta» auf Deutsch erschienen. Wider die Klischees von dramatischer Armut bietet sie ein poetisches Porträt ihrer Heimatstadt: halb privat – halb politisch, halb heutig – halb historisch. Und auch die opulent-orientalischen Bilder, die jedes ihrer Bücher ein besonderes Buch werden lassen. «Wahrscheinlich bin ich eine verhinderte Dichterin», bekennt Sinha schalkhaft, «ich kann einfach keinen normalen Satz schreiben.» •••••

Shumona Sinha: Kalkutta. Nautilus, 191 Seiten, ca. 29.–. Sinha liest am 6. 10. im Literaturhaus Zürich.


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: