Opernklassiker mit Überraschungen

KKL ⋅ Ausschnitte aus bekannten Opern wurden vom Konzertchor Klangwerk Luzern, vom Chor Santa Lucia Wolhusen, vom Orchester aus Piacenza sowie von Solisten herrlich dargeboten. Doch nicht immer erklang das Erwartete.
20. März 2017, 00:00

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Was sind die schönsten Opern mit Chören? Sind es die bekannten, die man am liebsten mitsingen würde? Sind es die lustigen, dramatischen, romantischen oder die poetischen?

Aus dem riesigen Repertoire der Opern eine Auswahl für ein Konzert zu treffen, ist sicher nicht einfach, aber im ausverkauften Konzertsaal des KKL am Samstag war für jeden Zuhörer etwas dabei: Melodien zum Schwelgen, Themen, die im Ohr bleiben und die man immer wieder hören kann, weil sie so einprägsam, dabei einzigartig und einfach schön sind, wurden im Programm «Die schönsten Opernchöre» präsentiert. Das Publikum wurde von den über hundert Sängerinnen und Sängern vom Konzertchor Klangwerk Luzern und vom Chor Santa Lucia Wolhusen sowie vom Orchestra Filarmonica Italiana Piacenza für zwei Stunden in die Wunderwelt der Oper entführt.

Schwebendes Aufsteigen und kriegerische Stimmung

Mit der Polonaise aus Peter I. Tschaikowskys «Eugen Onegin», von Manfred Obrecht schwungvoll und zupackend dirigiert, war man sofort mitten in der Opernatmosphäre, ganz ohne Bühnenbild und Requisiten. Von jeder Oper, aus der Ausschnitte zu hören waren, erfuhr man das Wichtigste der Handlung in Moderator Kilian Rosenbergs prägnanten Einführungen.

Wie die Chöre «O süsser Mond» aus Otto Nicolais Oper «Die lustigen Weiber von Windsor» aus dem leisen Beginn des Orchesters schwebend aufsteigen liessen – mit durchgängig klangvollem Legato steigerten und wieder zurücknahmen –, dies zeigte die Qualität dieser beiden Chöre. Moana N. Labate, Chorleiterin des Konzertchors Klangwerk Luzern, und René Limacher (Chor Santa Lucia Wolhusen) hatten ihre Chöre nun im Konzert zusammengeführt, und dass sie nicht chorweise, sondern gemischt auf Bühne und Chorempore standen, war beeindruckend.

Die Sänger trafen die kriegerische Stimmung aus Giuseppe Verdis «Il trovatore» treffend, da glänzten die Männerstimmen mit Klangstärke und exakter Aussprache ebenso wie der ganze Chor in den langen Unisono-Passagen in «O Signore, dal tetto natio» aus Verdis «I Lombardi». Verdi war der Komponist, aus dessen Schaffen die meisten Ausschnitte zu hören waren. Schön, dass aus «Nabucco» einmal nicht der berühmte Gefangenenchor erklang, sondern die Ouvertüre. Der Chor konnte mit «Gli arredi festivi» aus der gleichen Oper seine auch im Fortissimo klangvollen Stärken zeigen, um dann im vielstimmigen Frauenchor mit fein ausgewogener Dynamik zu überzeugen.

Plötzlich erstrahlte auch schauspielerisches Können

Ein Höhepunkt waren vier Szenen aus Verdis «La traviata». Nach der hervorragend interpretierten Ouvertüre, die in den Streichern ausdrucksvoll zart begann, wechselte die Stimmung in das kokette Duett mit Chor «Brindisi». Da spielten die Solisten ihr schauspielerisches Können ebenso aus wie ihre Stimmen. Tenor Thomas Sanchez umgarnte die Sopranistin Ivana Rusko mit einschmeichelnden Gesten, sie antwortete mit ausdrucksvoller Anmut, und die Einwürfe der Chöre liessen den (nicht vorhandenen!) Champa­gner lustig perlen.

In «Di Madride noi siam mattadori» trafen die Chöre die tänzerischen Weisen ausgesprochen spritzig, Ivana Rusko sang darauf «Addio del passato» zu Herzen gehend – ihr warmes Timbre reichte bis in den höchsten Ton, den sie am Ende wunderbar zurücknahm. Ihre Stimme betörte auch in «Merché, dilette amiche» aus Verdis «I Vesperi Siciliana» durchwegs, während Thomas Sanchez in seinen Arien bisweilen etwas forcierte.

Das Orchester begleitete Chöre und Solisten einfühlsam und zeigte sein grosses Klangspektrum mit vielen kleinen Soli, klangschönen Holzbläsern, variablem Blech und meist homogenen Streichern auch in den Ouvertüren. Gioacchino Rossinis «Wilhelm Tell» begeisterte besonders. Nach der kammermusikalischen Einleitung des Solo-Cellos und der tiefen Streicher entfachte Manfred Obrecht mit seinen Musikern aus den ängstlich klingenden Vorahnungen den Gewittersturm heftig und prachtvoll. Am Ende des Opernabends, nach dem triumphalen «Gloria all’Egitto» aus Verdis «Aida», in dem neben Chören und Orchester drei Schweizer Trompeter von der Orgel aus das Signal spielten, spendete das begeisterte Publikum tosenden Beifall mit Standing Ovations.


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