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KONZERT ⋅ Am Ostersamstag trafen tibetisch-spirituelle und westliche klassische Musik im wunderschönen Klangraum des KKL aufeinander. Das Zürcher Kammerorchester und Sängerin Dechen Shak-Dagsay begeisterten.
18. April 2017, 00:00

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Tibetische Mantras und ein klassisches Kammerorchester im grossen Saal des KKL. Eine Sängerin mit sanfter Stimme – und gleichwertig dazu ihr Jewel ­Ensemble, bestehend aus Piano, Gitarre, Sitar, Bass und Drums. Klassische Violinen, rockige Gitarren und spirituelle asiatische Klänge via Stimme und Bambusflöte – geht das gut?

Eine Zuhörerin und langjährige Verehrerin der tibetisch-schweizerischen Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay meinte zwar in der Pause des Konzerts vom Ostersamstag, bisweilen werde die Sängerin vom Orchester etwas verschluckt. Musste aber sogleich anfügen: «Doch das ganze Arrangement klingt ­supertoll in diesem Saal.»

Grossartig klassische Note zum sanften Zauber

Der Schlussapplaus und die begeisterten Pfiffe nach dem Konzert sollten ihr Recht geben. Speziell die Streicher des Zürcher Kammerorchesters unter Leitung von Dieter Dyk hatten sich dem sanften Zauber in der Stimme der Sängerin angepasst. Und ihm eine grossartig klassische Note hinzugefügt. Dechens Ensemble wiederum, mit Percussion, Piano, Bass und Gitarre, hatte für rockig-poppige Klänge gesorgt. War das gerade aus dem Intro von Pink Floyds «Wish You Were Here»? So fragte man einmal sogar.

Doch von vorne: Dechen Shak-Dagsay, geboren 1959 in Kathmandu, Nepal, geflüchtet aus Tibet und mit drei Jahren in die Schweiz gekommen, ist eine durch und durch positive Erscheinung und betritt als solche die Bühne. Mit Sanftmut in der Stimme und in den Bewegungen. Es ist ihr erster Auftritt im KKL Luzern. In einem Interview mit der Zeitschrift «Tibetfocus» sagte sie im März, sie freue sich, im KKL mit dem Zürcher Kammerorchester eine neue Form der Mantra-Musik zu schaffen und darüber hinaus eine Verschmelzung von Klassik und Pop.

Sehr spirituell beginnt das Konzert: Die japanische Bambusflöte Shakuhachi, gespielt von Jürg Fuyuzui Zurmühle, legt den Klangteppich für Dechens helle Stimme. Diese begrüsst sodann zum «Call For Peace» genannten Ereignis. Es soll eine schöne ­Oster-Einstimmung werden, mit einer Musik, die wiederholt Druck macht und dazwischen auf subtile Weise dem eigenen Herzschlag zu entsprechen scheint. Ob man die spirituelle Kraft asiatischer Mantras, dieser heiligen Verse, kennt und mag oder nicht – Dechens Botschaft für Frieden und Liebe ist wohl für jeden im grossen Saal zu spüren.

Immer wieder flotter ­ flitzen die Bögen

Ein Motto könnte lauten: Mit Tempo für den Frieden. Immer wieder flotter flitzen die Bögen der Streicher auf und ab und gibt der Stab des Percussionisten schneller den Takt. Helge van Dyk, auch zuständig für Komposition und Arrangement, entlockt dem Piano hellste Klänge. Das Jewel Ensemble improvisiert: Das klingt wie Jazz auf Asiatisch.

Für ganz grosse Gefühle sorgt das Zürcher Kammerorchester mit Philip Glass’ meditativem Werk «Echorus 1995» – für zwei Soloviolinen und Streichorchester. Rhythmisch-rockig, mit starker Gitarre, präsentiert sich das Mantra «Shine Of Lapislazuli», das die Heilkraft des Körpers aktivieren soll. Dass Musik heilsam ist, scheint hier keine Frage zu sein. Sie hoffe, für gute Energie gesorgt zu haben, verabschiedet die Sängerin ihre faszinierten Zuhörer. Aus Ost und West.


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