Ungewöhnlicher Pianist berührt

15. April 2017, 00:00

KKL Unmittelbar nach dem letzten Ton von «Rach 3», dem 3. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninow, erhoben sich die vielen Besucher am Donnerstag im KKL jubelnd, um den Ausnahmepianisten David Helfgott zu feiern. Man erlebte hautnah, wie er erstaunt und berührt. Einmal mit seiner ausdrucksstarken Technik, aber auch mit seiner Freude am eigenen Spiel und daran, die Musik mit anderen zu teilen.

So mag es am Anfang irri­tieren, wie er sein Spiel mit Murmeln, Singen und Pusten begleitet. Aber dann ist es einfach passend, wie er in Mimik und Gestik auf besondere Wendungen in Chopins Ballade Nr. 1 g-Moll aufmerksam zu machen scheint, wie er mit seinen Fingern zu sprechen scheint und bis in kleinste Facetten hinreissend musiziert. Und den ersten Beifall stoppt er nach vielen Verbeugungen rund in den Saal liebenswürdig deutlich, denn er möchte weiterspielen.

Sein Murmeln klingt wie das einer kleinen Quelle

Dann interpretiert er die Konzertetüde Nr. 3 von Liszt mit weich perlenden Arpeggien, sein Murmeln klingt dazu wie das einer kleinen Quelle, aus dieser zaubert Helfgott dann auch Liszts Ballade Nr. 2 h-Moll im steten Wechsel von donnernden Klangkaskaden und feinstem Piano.

Nach der Pause, in der man allerorten heitere Gesichter sieht, spielt Helfgott das Werk, nach dem die Tournee zu seinem 70. Geburtstag benannt ist: Rachmaninows 3. Klavierkonzert in der Version für zwei Klaviere. Und wie er hier Rhodri Clarke, der den Orchesterpart farbenreich ausreizt, zuhört, gar manchmal aufsteht, um ihm noch näher zu sein und dann wieder seinen Solopart nuancenreich und in vollkommener Übereinstimmung mit dem Partner interpretiert, das ist faszinierend und beglückend.

Man freut sich mit dem Pianisten über seine ungewöhnliche Interpretation. Und als er nach langen Standing Ovations mit dem Säbeltanz von Khatschaturian nochmals seine Brillanz zeigt und mit jugendlichem Elan von der Bühne läuft, fast hüpft, geht man beschwingt nach Hause. (gn)


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