Wenn die Liebe verwirrt und beflügelt

HORW ⋅ Mit der selten gespielten Rossini-Oper «L’occasione fa il ladro» begeisterte ein junges Ensemble am Sonntag das Publikum. Zu verdanken ist dies vor allem der Spielfreude.

29. März 2016, 00:00

Stefan Degen

Zwei Männer, zwei Frauen – und alle im heiratsfähigen Alter. Dazu zwei vertauschte Koffer und ein Kleidertausch zwischen Braut und Cousine. Dies sind die Ingredienzien für Gioacchino Rossinis komische Oper in einem Akt, «L’occasione fa il ladro» (auf Deutsch: «Gelegenheit macht Diebe»), uraufgeführt im Jahr 1812. Die Produktion von «Die Konzertschneiderei – haute couture» erlebte in der Zwischenbühne Horw Premiere und bot als Opernspass 90 Minuten beste Unterhaltung.

Sparsame Requisiten

Die Regie und die Dialogfassung besorgte Christian Kipper, langjähriger Dramaturg am Luzerner Theater. Er zeigt für beides ein gutes Händchen: Die Rezitative und Dialoge werden auf Deutsch gesprochen, die Arien, Duette und Ensembles in der italienischen Originalsprache gesungen. Die Mischung stimmt, es entsteht eine flüssige Abfolge der Szenen. Die Bühneneinrichtung ist mehr als spartanisch: fünf Stühle, zwei Koffer, ein Buch und ein Apfel, den wohl Amors Pfeil treffen soll.

Kippers Personenführung ist präzise und setzt auch auf viele kleine Gesten, wie etwa Augenbewegungen im Takt der Musik, aber auch auf subtile Komik. Die sechs Protagonisten entwickeln ein schönes Ensemblespiel, sie zeigen Spielfreude und dazu gesanglich ausgezeichnete Leistungen – auch in schnellen Parlando-Passagen. Optisch zum guten Gelingen tragen auch die adretten Kostüme von Margot Gadient-Rossel bei.

Bekannte Gesichter

Beinahe wäre die Premiere ins Wasser gefallen. Der Sänger des Conte Alberto, Aljaž Vesel, war schwer erkältet und konnte über weite Strecken lediglich markieren. Immerhin rettete der Tenor so die Premiere. Drei der Sänger sind vom Luzerner Theater her bekannt: Simone Stock verleiht der Ernestina mit warm tönendem Sopran und einnehmendem Spiel Charakter. Der Bariton Alexandre Beuchat gibt den Don Parmenione mit viel Charme und sonorer Stimme. Der Bassbariton Flurin Caduff verkörpert dessen Diener Martino mit satten Tönen und komischem Talent.

Als Berenice bringt die Sopranistin Rebekka Bräm Schalk und perlende Koloraturen ins turbulente Geschehen ein. Der junge Luzerner Tenor Livio Schmid gibt rollendeckend ihren Bruder Don Eusebio. Das Stück spielt insgesamt gekonnt mit dem Tausch von Identitäten. Die Regie hat dies geschickt umgesetzt, und die Darsteller überraschen immer wieder mit Situationskomik.

Nicht nur szenisch, auch musikalisch kann die Produktion punkten. Das Kammerensemble Opera Taschino Luzern spielt unter der musikalischen Leitung von Florian Pestell. Das gelungene Orchesterarrangement stammt von Daniel Sundy. Das kurze Vorspiel geht nahtlos in eine Gewittermusik über, wie sie Rossini gerne verwendete. Das Kammerensemble spielt süffig und mit der nötigen Portion Brio. Und dies mit kleiner Besetzung: Ina Dimitrova (Violine I und Konzertmeisterin), Nenad Milos (Violine II), Lukas Kmit (Viola), Anne-Christine Vandewalle (Violoncello), Daniel Sundy (Kontrabass), Lana Milos (Flöte), Markus Boppart (Fagott) und Bosiljka Kulisic (Akkordeon). Die Burletta per musica endet mit dem wirbligen Sextett «D’un si placido contento». Nach dem Happy End der Liebeswirren feiert das Publikum die Ausführenden mit grossem Applaus.

Die Konzertschneiderei übrigens ist ein junges Start-up-Unternehmen mit Sitz in Zürich, geleitet von Rebekka Bräm. Es bietet Musikerlebnisse zu jedem Anlass, die gebucht werden können.

Hinweis

Weitere Aufführung in der Zwischenbühne Horw am 3. April, 18 Uhr, und am 9. April in Luzern.

Infos: www.diekonzertschneiderei.ch


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