Demonstration mit Beethoven

20. Juni 2017, 00:00

Sinfonieorchester Mit dem dritten Teil seines Beethoven-Projekts beschloss das Luzerner Sinfonieorchester unter James Gaffigan am Sonntag eines seiner aufwendigsten Projekte. Rund 4500 Besucher zählte die Aufführung aller Klavierkonzerte und Ouvertüren von Beethoven. Daneben absolvierte das Orchester Zusatzproben für die CD-Aufnahme. Und Oliver Schnyder spielte einen Bechstein-Flügel von 1921, der das kernig-klare Klangbild eines Hammerflügels mit der Klangkraft eines modernen Instruments verband.

Im fünften Klavierkonzert wurde dieses nochmals auf die Probe gestellt. Wie sich der Pianist über die ganze – damals erweiterte – Tastatur aufspreizt, war eine Demonstration der Möglichkeiten der damaligen Instrumente. Diese erlaubten Beethoven, auch die sinfonischen Dimensionen des Werks zu erweitern.

Farbpalette ohne Klumpenrisiko

Wie spannend die Wahl des Bechsteins war, zeigte sich gleich zu Beginn. Das Instrument behauptete sich problemlos gegen das federnd, sensibel und auch mächtig begleitende Orchester. Und ein Vorzug – charakteristische Register von den resonanzreichen Bässen bis zum schlanken Diskantsilber – zeigte sich darin, wie beim Arpeggieren über die Tastatur die Farben ineinanderflossen wie auf der Mischpalette eines Malers.

Nur an wenigen Stellen hätte man den Bässen mehr Biss gewünscht. Ansonsten erlaubte es Schnyder, im Wechsel von trockener Artikulation und kantablem Schmelz auch romantische Vorahnungen in dieser Musik auszukosten. Und selbst für Beethovens Monumentalstil bot der Flügel beste Voraussetzungen, wenn Schnyder die geballten Akkorde in voller Attacke und dennoch ohne klangliches Klumpenrisiko in die Tasten hämmerte.

Zuvor zeigten sich im Klavierkonzert Nr. 2 und im Vergleich mit jüngeren Aufführungen im KKL auch die Grenzen des Instruments. Wer etwa den Tastendonner im Ohr hat, mit dem unlängst Katja Buniatishvili die nachkomponierte Kadenz spektakulär aus dem Werk heraushob, konnte je nach Geschmack enttäuscht oder erfreut sein, wie Schnyder hier das Drama aus kontrapunktischen Spannungen heraus aufbaute.

Nicht zuletzt in der intensiven Zusammenarbeit mit einem so hochkarätigen wie experimentierfreudigen Pianisten setzte dieses Beethoven-Projekt ein Zeichen gegen oberflächlichen Jetset. Beste Voraussetzungen also für die CD-Aufnahmen, die im Herbst erscheinen. (mat)


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