Geburtstag der Woche

«Ich habe es abgelehnt, mich auszuziehen»

03. Juli 2017, 00:00

Lange war «La Lollo» das Sexsymbol des italienischen Kinos und trug mit Konkurrentin Sophia Loren das «Duell der Diven» aus. In ausgefallenen Roben, grell geschminkt und mit schriller Haarpracht ist Gina Lollobrigida, die morgen 90 wird, immer noch gern gesehener Gast bei Galas und anderen Promi-Anlässen. Auch wenn zuletzt ihr Gesundheitszustand Sorgen bereitete.

1927 östlich von Rom geboren, wird Gina schon als Dreijährige in einem Wettbewerb zum schönsten Kleinkind gekürt. Nach dem Weltkrieg will sie Malerei und Bildhauerei studieren und schlägt sich mit Statistenrollen und Kohlezeichnungen von Bargästen durch. 1947 wird sie vom Produzenten Mario Costa für den Film «Opernrausch» engagiert.

Zweite Karriere – und dann noch eine dritte

Lange galt sie in Anlehnung an ­einen ihrer Filmtitel als «die schönste Frau der Welt». In über 60 Filmen wirkte sie mit. Bereits Anfang der 70er-Jahre entschied sich «Gina nazionale» zum Rollenwechsel vom Film zur Fotografie: «Ich habe es abgelehnt, mich auszuziehen», erklärte sie später. Daraufhin hätten die Filmproduzenten sie links liegen lassen. Sie lichtet Prominente wie Fidel Castro, das brasilianische Fussballidol Pelé, Ronald Reagan, Paul Newman und Salvador Dalí ab.

In den 90er-Jahren folgt die dritte Karriere. Sie nimmt Unterricht beim bekannten Bildhauer Giacomo Manzu. Später arbeitet sie in ihrem Atelier in der Toskana, stellt Skulpturen in Moskau und Sevilla aus. Nebenbei engagiert sie sich als Unicef- und FAO-Botschafterin.

Zu Lollobrigidas Welterfolgen zählen Filme wie «Fanfan, der Husar» und «Die Schönen der Nacht» sowie «Der Glöckner von Notre Dame», wo sie an der Seite von «Quasimodo» Anthony Quinn die umschwärmte Esmeralda spielte. Einen Oscar, wie ihn ihre «Busenfeindin» Sophia Loren errang, hat die Lollobrigida aber nie bekommen.

Turbulenzen mit den Männern

«Weniger Glück als andere» hatte sie nach eigenen Angaben «in Herzensangelegenheiten». Man sagte ihr viele Affären nach, etwa mit Milliardär Howard Hughes und dem Politiker Henry Kissinger. 1949 heiratete sie den jugoslawischen Arzt Milko Skofic. Aus der Ehe, die 1971 geschieden wurde, ging Sohn Milko jr. hervor. Der wollte sie zuletzt entmündigen lassen, weil seine Mutter sich mit windigen Männern umgebe, die an ihr Geld wollten.

2006, mit 79 Jahren, macht sie Schlagzeilen, als sie den 34 Jahre jüngeren Spanier Javier ­Rigau heiraten will. «Lollo» überlegt es sich noch anders, nicht aber Rigau. Der mutmassliche Heiratsschwindler soll sich 2010 mit einer gefälschten Vollmacht eigenhändig zum Ehemann gemacht und daraus unrechtmässige Vorteile gezogen haben. Ihr turbulentes Privatleben hat Lollobrigida einmal so erklärt: «Es ist leichter, einen Mann zu finden, als ihn wieder loszuwerden.»

Carola Frentzen und Annette Reuther (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch


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