Instrumente beflügeln junge Stimmen

KONZERT ⋅ Bach pur mit jungen Solisten, motiviertem Chor und spielfreudigem Orchester: Das Bach-Ensemble Luzern zeigte im ersten Teil der h-Moll-Messe seine Qualitäten.
13. Juni 2017, 00:00

Das Bach-Ensemble Luzern hat sich diese Saison unter dem Motto «Grosses von Johann Sebastian Bach» ganz seinem Namensgeber verschrieben. Nach der Aufführung der Johannespassion im März wurde am Sonntag mit dem Kyrie und dem Gloria aus der h-Moll-Messe der erste Teil dieser grossen Komposition aufgeführt. Und er bewies, dass der Chor des Bach-Ensembles unter Franz Schaffner jeweils auch schwierigsten Partituren gerecht wird.

Portioniertes Meisterwerk

Die weiteren Teile der h-Moll-Messe werden am 24. September in der Franziskanerkirche aufgeführt. Mit dieser Aufteilung geht Franz Schaffner einen Weg, der zunächst ungewöhnlich scheint, der aber dem Chor und den Zuhörern die Möglichkeit gibt, dieses komplexe Werk sicher nicht als zu lang zu empfinden.

Dazu gibt es jeweils eine Orchestersuite von Bach als Einstimmung – diesmal als Einleitung jene in h-Moll. Schon darin zeigte sich das Orchester spielfreudig und klangstark, die Flötistin Gabriela Schüpfer meisterte ihren Part auch in der virtuosen Badinerie mühelos.

Junge Solisten, grosser Chorklang

Mit im Zentrum stehen aber im Junikonzert unter dem Motto «Wir fördern junge Solisten» jeweils junge Sänger. Die h-Moll-Messe gab je zwei Sängerinnen und Sängern die Chance, sich in einem grossen Werk zu beweisen.

Mit klarer Artikulation und sicher geführter Stimme interpretierte Ursina Patzen sowohl die Arie «Laudamus te», die für den zweiten Sopran ausgelegt ist, als auch die Alt-Arie «Qui sedes». Sie passte ihr Timbre der Solo­violine (stilsicher und klangschön Konzertmeisterin Naomi Lozano-Tolsdorf) ebenso an wie der ausdrucksvoll gespielten Oboe d’amore von Barbara Zumthurm.

Alexandre Beuchat, in der Region schon bekannt durch Projekte unter anderem am Luzerner Theater, liess seinen weit tragenden Bass im «Quoniam tu solus sanctus» über das konzertierende Corno da caccia und die beiden Fagotte in den Raum steigen. Die hier tief geführten Instrumente mischten sich in der Akustik der Kirche eindrucksvoll mit dem sonoren Klang der Singstimme. Mit kernigem Tenor sang Livio Schmid, während die Sopranistin Sabrina Hintermann nicht ganz intonationssicher agierte.

Etwas unsicher wirkten im Kyrie auch die ersten heiklen Einsätze der Chorstimmen. Aber im Tutti entfaltete sich ein grosser Klang, der das Flehen um Erbarmen grossflächig aufblühen liess. Als im Gloria Pauken und Trompeten dazukamen, schien es, als zauberten diese Instrumente auch im Chor neue Klangfarben hervor, die im jubelnden «Gloria in excelsis deo» Zuversicht und Freude hörbar machten.

Zweierlei Bach-Traditionen

Dass der Chor sich im darauf folgenden «Et in terra pax» exakt und leicht geführt auch im Piano behauptete, zeigte, wie intensiv er sich auf dieses Werk vorbereitet hatte. Und seine Qualität erwies sich auch darin, dass im «Qui tollis» die ständig durchlaufenden Sechzehntel der beiden Flöten genau zu hören waren. Strahlend endete die virtuos durchgehaltene Schlussfuge, und nach kurzem Innehalten brandete der Beifall auf.

Mit der hier erreichten Transparenz verfolgt das Bach-Ensemble mit anderen Mitteln ähnliche Ziele wie die junge Bach-Akademie Luzern, die mit Kleinstbesetzungen und auf historischen Instrumenten neuerdings ebenfalls Bach in den Fokus stellt. Dass gleich zwei Ensembles zeigen, wie verschieden und gleichberechtigt diese Musik interpretiert werden kann, setzt quasi ausserhalb des KKL ein weiteres Zeichen für die Musikstadt Luzern.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch


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