«James Bond? Es gibt viel Wichtigeres»

KINO ⋅ Keiner hat James Bond so oft gespielt wie er. Gestern ist Roger Moore mit 89 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Sein schauspielerisches Können war überschaubar, doch als 007 war er etwas Besonderes. Noch mehr Grösse zeigte er danach.
24. Mai 2017, 00:00

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Wenn man alle sieben James-Bond-Filme mit Roger Moore gesehen hat, ist es schon speziell, ihm dann persönlich zu begegnen. So geschehen 2004, als er im Rahmen der Rose d’Or als Unicef-Botschafter in Luzern weilt. Gross und breitschultrig ist er auch in der Realität. Die Stimme ist unverkennbar (auch wenn man sich vom Fernsehen her auch an die kongeniale Synchronstimme des 2014 verstorbenen Niels Clausnitzer gewöhnt ist), die britische Coolness auch, und die Augenbrauen gehen immer noch hoch, wenn Moore seinen berühmten leicht ironischen Blick hervorzaubert.

Natürlich ist man in einer solchen Situation versucht, mit ihm über James Bond zu sprechen. Er wehrt ab, in aller Höflichkeit: «James Bond? Das ist lange her. Und eigentlich völlig bedeutungslos. Es gibt viel Wichtigeres.» Und dann spricht er über sein Engagement für das UNO-Kinderhilfswerk Unicef. Das ist es, was wichtig ist, was ihm am Herzen liegt. Wie ist er eigentlich zur Unicef gekommen? «Audrey Hepburn hat mich gefragt», grinst er. «Und zu Audrey Hepburn sagst du nicht Nein.»

Der älteste, aber wohl nicht der beste Bond

Auch wenn Roger Moore in späteren Jahren seine Rolle als James Bond bagatellisierte, bleibt er doch wohl ewig mit ihr verbunden. Erstmals spielte er sie 1973 in «Live And Let Die». Damals genoss er schon ziemliche Berühmtheit dank der TV-Serien «Ivanhoe», «Maverick», «Simon Templar» und «Die Zwei». Neckisches Detail: Er war damals fünf Jahre älter als sein Vorgänger Sean Connery bei dessen letztem Bond-Auftritt. Dieses «Manko» machte sich spätestens in seinen beiden letzten Bond-Filmen bemerkbar, als das Alter doch recht sichtbar wurde. 1985, in «A View To A Kill», war er 58-jährig und bis heute der mit Abstand älteste Bond. «Das war der Tiefpunkt meines Lebens», meinte er später dazu.

War er auch der beste Bond? Die meisten Experten und Filmfans würden dies verneinen und Sean Connery sowie wohl auch Daniel Craig höher einschätzen. Moore räumte selber einmal ein, dass Connery besser gewesen sei. Und lobte auch Daniel Craig. Indes verlieh Moore der Rolle etwas ganz Besonderes. Während Connery nur davon gesprochen hatte, dass er Bond eigentlich als komödiantische Figur sah, spielte sie Moore so. Die Ironie, die er in die Rolle einbrachte, vermittelte gerade seinen frühen Filmen zusammen mit dem bunt-flippigen Seventies-Style einen ganz besonderen Unterhaltungswert.

Nicht überraschend wurde Bond für Roger Moore dann zum Karrierekiller. Er spielte danach noch einiges, aber kaum etwas von Bedeutung. Dies ganz im Unterschied etwa zu Sean Connery, dem nach Bond eine zweite grosse Schauspielerlaufbahn gelang, die 1988 sogar mit einem Oscar gekrönt wurde («Die Unbestechlichen»). War es, weil Connery rechtzeitig den Absprung von 007 geschafft und sich gezielt als älterer Mann ein neues Rollenprofil verliehen hatte? Oder agierte Roger Moore einfach schauspielerisch nicht in Connerys Liga? Alles mag ein bisschen stimmen, vielleicht aber auch, dass Moore auf diese Karriere nicht so grossen Wert legte.

Wahlschweizer und Werbeträger

Liest man etwa seine letztes Jahr auf Deutsch erschienenen Memoiren «Last Man Standing», gewinnt man den Eindruck eines alles andere als erfolgsversessenen Stars. Vielmehr eines Mannes, der das Leben genoss. Und vor allem viele Freundschaften pflegte, auch mit zahllosen Kollegen wie Gregory Peck, David Niven, Frank Sinatra und vielen anderen, darunter natürlich auch Frauen. Und der sich selber sowie das Showbusiness nicht allzu ernst nahm, sondern gerne mit viel Humor Anekdoten zum Besten gab.

Als Heimat hatte Roger Moore, der 2003 von der Queen geadelt wurde, vor vielen Jahren die Schweiz gewählt. Er besass ein Chalet in Gstaad, bis zu seinem Tod lebte er in Crans-Montana. Gerne liess er sich auch als Zugpferd für grosse Schweizer Konzerne einspannen. So machte er etwa Werbung für die SBB und die Swiss. Zuletzt kämpfte er mit gesundheitlichen Problemen: Er überwand eine Prostata-Krebserkrankung und schwere Herzrhythmusstörungen. Seinen Herzschrittmacher bezeichnete er einmal als sein wertvollstes Besitztum.

«Leidenschaftlicher Kämpfer für die Kinder»

Gestern ist er als Erster der bisher sechs Bond-Darsteller gestorben, in einem «kurzen, aber mutigen Kampf», wie seine Kinder Deborah, Geoffrey und Christian mitteilten. Die drei stammen aus Moores Ehe mit Luisa Mattioli, seiner dritten von insgesamt vier Ehen. Die Beerdigung soll in Monaco stattfinden, dies sei Moores eigener Wunsch gewesen.

Unter den vielen Trauerreaktionen gestern war auch eine der Organisation, die ihm so viel bedeutete. Unicef schrieb: «In seiner berühmten Schauspielrolle war Roger der Inbegriff von cooler Kultiviertheit, aber in seiner Arbeit als Botschafter des guten Willens für Unicef war er ein leidenschaftlicher Kämpfer für Kinder. Zusammen mit seinen vielen Freunden und Bewunderern auf der ganzen Welt trauern wir um ihn.»

www. Bilder und Filme zu Roger Moore: luzernerzeitung.ch/bonus

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