Nachgefragt

«Zeitgemässe Meditationsform»

19. Mai 2017, 00:00

Ein Jahr nach dem Tod von Bruder Klaus 1487 komponierte ein Kleriker des Stifts Beromünster ein «Officium» zu seinen Ehren. Die Schola Romana Lucernensis kombiniert Auszüge daraus mit Saxofon-Improvisationen von John Voirol, Ludwig Wicki führt mit der Schola der Hofkirche Luzern daraus die Vesper auf – gefolgt von einer Uraufführung.

Ludwig Wicki, gregorianische Gesänge klingen für heutige Ohren meistens sehr ähnlich. Was ist für dieses «Officium» charakteristisch?

Heinrich von Gundelfingen schrieb diese Gesänge 1488, als die Gregorianik schon Geschichte war. Die Melodien sind deshalb unter dem Einfluss der Frührenaissance individueller und uns vertrauter. Vor allem beziehen sich die Texte auf Leben und Wirken von Bruder Klaus.

Wieso wählten Sie von den Stundengebeten des Officiums die Vesper aus?

Vespern, also Andachten am Nachmittag, sind eine zeitgemässe Form der Meditation, weshalb solche in der Hofkirche jeden Sonntag gesungen werden. ­Anders als etwa in einer Messe wird kaum gesprochen, ständig schwingen Töne im Raum. Wie bei anderen Meditationsformen kann da jeder für sich eintauchen und zu sich selber finden.

Die Schola Romana integriert in die Gregorianik Saxofon-Improvisationen. Machen Sie mit dem Werk des jungen Komponisten Nathanael Gubler Ähnliches?

Nein, wir singen die Vesper im uralten, vorliturgischen Ablauf. Gublers «Fünf Visionen von Bruder Klaus» für Oboe und 7 Kontrabässe erklingen anschliessend separat. (mat)

Hinweis

Schola Romana Lucernensis: Sa, 20. Mai, 19.30, Franziskanerkirche, Luzern. Schola der Hofkirche ­Luzern: Do, 25. Mai, 19 Uhr, Pfarrkirche Sachseln; So, 4. Juni, 16.30, Hofkirche, Luzern. Weitere Konzerte: www.mehr-ranft.ch


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