21 Banken wegen Geldwäscherei im roten Bereich

05. April 2017, 00:00

Kontrollen Internationale Korruptionsskandale, bei denen Gelder auf dem Finanzplatz Schweiz gewaschen werden, gehören nach wie vor zu den Hauptsorgen der Finma. Wegen eines hohen Geldwäschereirisikos waren Ende 2016 21 Banken unter spezieller Beobachtung der Finanzmarktaufsicht. Das sind sieben Institute mehr als ein Jahr zuvor. Diese Banken müssen mit Vor-Ort-Kontrollen und mit fallbezogenen Prüfungen rechnen.

Die Veröffentlichung der Panama Papers, die die Machenschaften der Kanzlei Mossack Fonseca bei der Betreuung von Offshore-Finanztransaktionen zeigten, löste vertiefte Abklärungen der Finma bei rund 20 Instituten aus. In einem Fall eröffnete die Finma ein sogenanntes Enforcement-Verfahren, also ein Verwaltungsverfahren mit Zwangsmitteln. Um welche Bank es sich handelt, gibt die Finma nicht bekannt.

Viel Arbeit hatten die Bankenaufseher auch letztes Jahr mit den Banken, die in grosse Korruptionsskandale in Brasilien und Malaysia verwickelt sind. Im Falle des malaysischen Staatsfonds 1MDB wurden vier von sieben Enforcement-Verfahren inzwischen abgeschlossen, mit Sanktionen gegen die Bank BSI, die Falcon Private Bank und die Bank Coutts sowie mit einer Rüge an die UBS. In der Affäre um den staatlichen brasilianischen Ölkonzern Petrobras sind drei von vier Enforcement-Verfahren noch hängig; abgeschlossen ist das Verfahren gegen die BSI. Die Finma will ihre Anstrengungen im Kampf gegen die Geldwäscherei weiter verstärken. So sind auch dieses Jahr Vor-Ort-Kontrollen geplant. «Für die Reputation und Integrität des Schweizer Finanzplatzes ist es zentral, dass schweizerische Finanzintermediäre keine Gelder krimineller Herkunft entgegennehmen und verwalten», so die Finma im Jahresbericht.

Neuer Rekord bei Verdachtsmeldungen

Finma-Direktor Mark Branson wünscht sich nach wie vor auch Verbesserungen im Meldewesen, wenn bei Banken und anderen Akteuren auf dem Finanzplatz Geldwäschereiverdacht aufkommt. Dies betrifft sowohl die Zahl wie auch das Tempo der Meldungen. Die Geldwäscherei-Meldestelle des Bundes (MROS) veröffentlichte gestern ebenfalls ihren Jahresbericht. Daraus geht hervor, dass die Zahl der Verdachtsmeldungen auf einen Höchststand gestiegen ist (siehe Grafik). «Es scheint in die richtige Richtung zu gehen», so Branson. Wenig Spuren haben die Anfang 2016 in Kraft getretenen Vorschriften über die Steuerdelikte als Geldwäscherei-Vortat und über die Meldepflicht für Händler in der Statistik hinterlassen. Verdacht auf Geldwäscherei im Zusammenhang mit schweren Steuervergehen wurde in 34 Fällen gemeldet. Meldungen von Händlern, die mehr als 100000 Franken in bar entgegengenommen haben, gingen gar keine ein.

Balz Bruppacher

balz.bruppacher@luzernerzeitung.ch


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