Banknoten sollen ewig gültig sein

GELD ⋅ Der Bundesrat vollzieht eine Kehrtwende bei der Umtauschfrist für alte Banknoten. Für den Fonds, der in den letzten Jahren regelmässig Geld von der Nationalbank erhalten hat, wird das Folgen haben.
06. April 2017, 00:00

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Zwanzig Jahre nach dem Datum ihres Rückrufs werden Schweizer Banknoten ungültig. Wer es in den zwei Jahrzehnten versäumt, die alten Noten bei der Schweizerischen Nationalbank in neue Geldscheine umzutauschen, besitzt nur noch Altpapier (Ausgabe vom 3. April). Das war hierzulande über Jahrzehnte so – nun bahnt sich aber eine Änderung dieser Praxis an. Der Bundesrat hat an seiner gestrigen Sitzung entschieden, die Umtauschfrist für alte Banknotenserien aufzuheben.

In Absprache mit der Nationalbank schlägt er die Aufhebung der Frist von zwanzig Jahren vor. Das Eidgenössische Finanzdepartement wurde beauftragt, bis Ende August 2017 eine Vernehmlassungsvorlage mit den erforderlichen Gesetzesänderungen auszuarbeiten. Für den Genfer SP-Nationalrat Manuel Tornare ist der Entscheid ein persönlicher Erfolg. Er hatte die Aufhebung der Umtauschfrist bereits vor einem Jahr in einer Interpellation gefordert. Gegenüber unserer Zeitung sagte Tornare, die Schweiz müsse sich den internationalen Standards angleichen. Tatsächlich gibt es in den meisten Euroländern, in Grossbritannien und in den USA keine Umtauschfrist. «Personen, die ihre Ersparnisse zur Seite gelegt haben, dürfen nicht bestraft werden», sagt Manuel Tornare.

In seiner ablehnenden Antwort hatte der Bundesrat im August 2016 unter anderem noch argumentiert, dass durch die technologische Entwicklung die Gefahr bestehe, dass künftig alte Banknoten einfacher gefälscht werden könnten.

Nun folgt aus Bundesbern also die Kehrtwende. Die Aufhebung der Umtauschfrist werde verhindern, dass jemand Banknoten besitze, die plötzlich ihren Wert verlieren, schwenkt der Bundesrat nun um. Potenzielle Opfer seien die Erbinnen und Erben eines Vermögens, das Banknoten enthalte, die nicht mehr umgetauscht werden könnten. Auch ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in ihr Herkunftsland zurückkehren und Banknoten alter Serien aufbewahrt haben, könnten betroffen sein. Die Schweiz stelle sich damit auf die in den wichtigsten Industrieländern übliche Praxis ein, teilte die Regierung gestern mit.

Fälschungsrisiko «überschaubar»

Philipp Rohr von der Eidgenössischen Finanzverwaltung erklärt den Meinungsumschwung in Bundesbern so: «Im Vordergrund stehen die Anpassung an internationale Standards sowie die Sicherstellung, dass durch Aufhebung der Umtauschfrist niemand mit alten Banknoten einen Wertverlust erleiden muss.» Das Risiko von Fälschungen existiere zwar weiterhin, doch sei es «überschaubar». Philipp Rohr führt weiter aus: «Allenfalls nimmt der Aufwand der Nationalbank zur Überprüfung älterer Banknoten etwas zu.» Kritiker argumentieren allerdings, dass Geldwäscher nun unbeschränkt Zeit haben werden, um ihre alten Tausendernoten gestaffelt in neue Geldscheine umzutauschen.

Die Aufhebung der Umtauschfrist werde nicht rückwirkend für alle alten Notenserien gelten, heisst es bei der Finanzverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung. Sie soll für die aktuellen Serien sowie für die sechste Banknotenserie gelten, für die bisher eine Umtauschfrist bis im Mai 2020 galt.

Aktuell sind noch 1,12 Milliarden Franken dieser Serie im Umlauf. Die bekannteste Banknote dieser Serie ist der Hunderter mit dem Antlitz des Architekten Francesco Borromini.


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