Burger, Rockmusik und T-Shirts

HARD ROCK CAFE ⋅ Die Lokale der Restaurantkette sind nicht mehr die grosse Attraktion, die sie einst waren. Die Mischung aus Gastronomie und Musikmuseum trotzt jedoch erfolgreich allen Krisen und neuen Trends.

13. Oktober 2016, 00:00

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Es galt in den 80er- und 90er-Jahren als ultimatives Feriensouvenir: das T-Shirt aus einem Hard Rock Cafe einer Weltmetropole. Wer seinen Oberkörper mit dem Klassiker aus London, Los Angeles oder Berlin bedeckte, konnte zeigen, dass er oder sie eine Person von Welt ist; jemand, der die trendigsten Orte auf dem Globus und ein ganz cooles Restaurant persönlich besucht hat. Meist gab es auch noch ein, zwei Anekdoten dazu: «Hey, da waren die Original-Lederjacke von Michael Jackson und die Sonnenbrille von Roy Orbison ausgestellt!» oder «Neben mir an der Bar sass Jon Bon Jovi».

Mittlerweile ist der Hype um die weltumspannende Restaurantkette hierzulande abgeflacht. T-Shirts, Pins oder Kaffeetassen mit dem markanten Logo sind längst keine «Must-haves» mehr. Auch die Kulinarik in den Musikrestaurants gilt nicht mehr als aussergewöhnlich (siehe Text rechts oben).

Gegründet von zwei Amerikanern in London

Die Geburtsstunde der Hard Rock Cafes geht auf das Jahr 1971 zurück. Die beiden US-Bürger Peter Morton und Isaac Tigrett – die zwei Jahre zuvor nach London gezogen sind – vermissten ein Burger-Restaurant so sehr, dass sie selber ein solches am 14. Juni 1971 im Londoner Stadtteil Mayfair eröffneten. Es wurde schnell mal zum Treffpunkt von Musikern. Der Legende nach soll Eric Clapton einer der ersten Stammgäste ge­wesen sein. Ihm habe es so gut gefallen, dass er eines Tages seine Gitarre als Erinnerung an die Wand hängte. Musikerkollege Pete Townshend (The Who) macht es ihm nach – und so war die Idee geboren, das Restaurant mit Erinnerungsstücken aus der Welt der Rock-Musik zu schmücken.

Die Kombination aus American Food, Rockmusik und Museum wurde in London ein so grosser Hit, dass die Besitzer nach zehn Jahren die internationale Expansion wagten. Innerhalb von zwei Jahrzehnten exportierten Morton und Tigrett ihr Konzept in zahlreiche Grossstädte auf allen Kontinenten. Besonders einträchtig neben der Gastronomie erwies sich der Verkauf von Merchandise-Artikeln. 1995 öffnete das erste Hard Rock Hotel & Casino in Las Vegas. Heute gibt es unter der Dachmarke Hard Rock Cafe weltweit 168 Restaurants, 23 Hotels und 11 Casinos in 71 Ländern. Jährlich finden in den Lokalen über 15000 Live-Konzerte statt.

Die beiden Gründer sind längst aus dem Geschäft ausgestiegen. Die Besitzer des Gastro- und Unterhaltungsimperiums wechselten mehrere Male. 2006 kauften schliesslich die Seminole-Indianer aus Florida (siehe Text rechts unten) die Hard Rock Cafe International – für 965 Millionen Dollar. Ausgenommen waren dabei jedoch einige Betriebe wie das Hotel-Casino in Las Vegas. Den geschäftstüchtigen Nachkommen der Ureinwohner Floridas gelang es, den Konzern durch die zahlreichen weltwirtschaftlichen Krisen der letzten zehn Jahre zu führen und sich gegen neue Trends in der schnelllebigen Gastronomiebranche zu behaupten. Keine Selbstverständlichkeit, denn andere Konzepte, die es den Hard Rock Cafes gleichmachen wollten, scheiterten kläglich.

Ähnliche Konzepte scheiterten kläglich

Die Restaurantkette Planet Hollywood (mit Stars wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone als Investoren), die in den 90er-Jahren innert Kürze knapp 100 Lokale eröffnete, ging zwei Mal in Konkurs. Heute gibt es offiziell noch sechs solche Restaurants. Auch die Fashion Cafés – für die Naomi Campbell und Claudia Schiffer Mitte der 90er-Jahre einst zur Eröffnung erschienen – verschwanden nach nicht einmal fünf Jahren wieder von der Bildfläche. Ein Marketingexperte meinte zum schnellen Aus: «Solche Top-Models sind alles andere als geeignet, um für Essen zu werben.» Hard Rock Cafe überlebte bis heute alle Nachahmer.

Letzte Woche gab Hard Rock International bekannt, dass man nun auch die Casino- und Hotelbetriebe sowie Markenrechte, die noch nicht zum Konzern gehörten, aufkaufte. «Damit wird das globale Territorium an Casinos und Hotel-Casinos von Hard Rock International wiedervereint», teilte das Unternehmen der Seminole-Indianer erfreut mit. Man sei überzeugt, «dass der Gastro- und Unterhaltungskonzern damit für noch nie da gewesene Wachstumschancen aufgestellt ist».

Überhaupt scheinen die Nachkommen der Florida-Ureinwohner ungebrochen an den nachhaltigen Erfolg der US-Musiklokale zu glauben. «Neue Hard Rock Cafes sind in Reykjavik, Schanghai, Yangon und San Juan angekündigt», teilt der Konzern weiter mit. «Neue Hard- Rock-Hotel-Projekte sind in Abu Dhabi, Atlanta, Berlin, Dubai, Itapema, London, Los Cabos, New York City, Teneriffa sowie in Shenzhen, Dalian und Haikou in China geplant.»

Allen Unkenrufen zum Trotz, die Seminole-Indianer führen die Erfolgsgeschichte des 45-jährigen Konzepts weiter. Sie scheinen sich dabei das Motto zahlreicher Altrocker von AC/DC bis hin zu den Rolling Stones zum Vorbild zu nehmen, welches besagt: «Still rocking after all these years».


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