Das Problem von Samsung liegt in der Familie

12. Oktober 2016, 00:00

Firmenstruktur Lee Kun-hee meidet das Scheinwerferlicht. Und trotzdem ist der 72-jährige Firmenpatriarch im gesamten Samsung-Konzern omnipräsent – gefühlt zumindest. Denn er und seine Familie regieren den Konzern wie ein Fürstentum. Das Sagen habe stets der Lee-Clan, kritisiert Bruce Lee, von Zebra Investment Management in Seoul, der Samsung-Aktionäre vertritt und trotz des gleichen Nachnamens nicht mit dem Clan verwandt oder verschwägert ist. «Alles ist auf die Familie ausgerichtet, die Interessen der Aktionäre und der Mitarbeiter werden ignoriert.»

Im konfuzianisch geprägten Südkorea erwarten Firmenleitungen von den Angestellten Gehorsam. Doch der Samsung-Konzern gilt als besonders autoritär. Eher werde er sein Unternehmen schliessen, als freie Gewerkschaften zu akzeptieren, hatte schon Lee Kun-Hees Vater, der Samsung-Gründer Lee Byung-Chull, in den 80er-Jahren gesagt. Sein Sohn steht ihm diesbezüglich kaum nach.

Dieser patriarchalische Führungsstil der Gründerfamilie erklärt durchaus Samsungs Erfolg. Expansion und der Aufstieg zur Nummer eins um jeden Preis – mit diesem Ziel vor Augen katapultierte der ehrgeizige Lee-Clan den Konzern gleich mehrfach an die Weltspitze: Samsung ist der weltgrösste Smartphone-, Fernsehgeräte- und FlashChip-Hersteller.

Doch nun brennt es bei Samsung. Der Produktionsstopp nach der gescheiterten Rückrufaktion von 2,5 Millionen Geräten wird die Firma teuer zu stehen kommen. Die aktuelle Krise offenbart ein viel gravierenderes Problem: der zu grosse Einfluss der Gründerfamilie Lee. Dabei musste Lee Ku-Hee wegen Steuerhinterziehung schon 2008 als Vorsitzender von all seinen Posten zurücktreten. Die Samsung-Gruppe wurde ­zwischenzeitlich offiziell von den CEOs der einzelnen Sparten geführt. Doch der mächtige Lee-Clan behielt die Fäden in der Hand. Denn auch dafür ist Samsung in Südkorea berüchtigt: die Nähe zur Regierung. Mithilfe einer Begnadigung des damaligen Präsidenten stand Lee zwei Jahre später wieder an der Spitze des Konzerns. 2014 erlitt er einen Herz­infarkt. Seitdem ist sein Sohn Lee Jae-Yong der Vorstandschef.

Das Problem mit dieser Familie: Sie steht in dem Ruf, dass es ihr weder um das Wohl der Arbeitnehmer geht, noch um möglichst hohe Renditen der Aktionäre. Ihr gehe es allein darum, dass die Familie weiter die Kontrolle über den Mischkonzern behält. Dieser betätigt sich in der Schwerindustrie, baut Schiffe, betreibt eigene Banken, Versicherungen, Hotels und Einkaufszentren. So sehr Mischkonzerne wie Samsung einst zu Südkoreas wirtschaftlichen Aufstieg beigetragen haben – diese Riesen erweisen sich inzwischen als zu gross und unflexibel. Viele Geschäftszweige sind unprofitabel. Sie werden dennoch querfinanziert. Das geht auf Kosten der Effizienz und auch der Kreativität. Die Folge: Filz und mangelnde Transparenz.

Aktionärsschützer wie Bruce Lee fordern darum eine Entflechtung von Samsung, vor allem aber eine Trennung der Finanzsparte und der unprofitablen Schwerindustrie. Stattdessen soll sich Samsung auf die Bereiche konzentrieren, in denen das Unternehmen stark ist: etwa die Elektronik. Doch das ist dem Lee-Clan zu wenig.

Felix Lee/Peking wirtschaft@luzernerzeitung.ch


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