Dem Abzug wird der Riegel geschoben

STEUERN ⋅ Wer täglich zur Arbeit pendelt, kann bei der Bundessteuer höchstens noch 3000 Franken für die Fahrkosten abziehen. Auch in den Kantonen Nidwalden und Schwyz gelten neue Obergrenzen. Weitere Kantone dürften folgen.
10. März 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Für viele Pendler fällt die Rechnung mit der direkten Bundessteuer im nächsten Jahr höher aus. Der Grund: Ab diesem Jahr dürfen höchstens noch 3000 Franken für die Arbeitsweg-Fahrkosten in Abzug gebracht werden. Bisher gab es bei der Bundessteuer keine Limite nach oben. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Pendler mit ihrem Privatauto, dem Zug oder einem Velo unterwegs sind. Die Limite gegen oben gilt für alle, unabhängig vom Verkehrsmittel.

Ursache für das neue Pendler-Steuerregime ist das Gesetz zur Finanzierung und zum Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (Fabi). Die Stimmberechtigten hatten ihm 2014 zugestimmt. Die Regelung wird nun für die Steuerperiode 2016 gültig, für die in diesem Jahr die Steuererklärung auszufüllen ist. Der Sinn des neuen Gesetzes: Die Arbeitsweg-Pendler zahlen mehr Steuern, und die zusätzlichen Steuereinnahmen kommen den Milliarden zugute, die der Bund und die Kantone den SBB für den Ausbau ihrer Infrastrukturanlagen zur Verfügung stellen.

Mehr als 3000 Franken Fahrkosten erreichen Pendler mit einem Auto schnell einmal. Nach Berechnungen des Luzerner Beratungsunternehmens Balmer-Etienne kann ein Autopendler mit einem Ganzjahresjob und normalen Arbeitszeiten seine Fahrkosten nicht mal dann vollumfänglich absetzen, wenn er täglich einen Arbeitsweg von nur 10 Kilometern zu bewältigen hat.

Das Beispiel ist zwar hypothetisch, weil Steuerbehörden nur in Ausnahmefällen Autokilometer-Abzüge bei einem derart kurzen Arbeitsweg gestatten. Es macht aber deutlich, wie tief die Limite angesetzt ist: Bei einem Arbeitsweg von 10 Kilometern würden in einem Jahr bereits 3080 Franken Fahrkosten anfallen (siehe Hinweis am Schluss des Textes). Mit der Begrenzung bei der Bundessteuer lässt sich also nicht einmal ein kurzer Arbeitsweg bei den Steuerabzügen voll und ganz abziehen. Auch ein SBB-Generalabonnement zweite Klasse übersteigt mit 3860 Franken die Abzugsgrenze. Vollumfänglich lassen sich hingegen weiterhin Abos für regional begrenzte Verkehrsverbünde wie den Passepartout abziehen.

Die neue Begrenzung der Fahrkosten bei der Bundessteuer fällt für die Normalverdiener indes nicht so stark ins Gewicht, weil in den unteren und mittleren Lohnklassen tiefe Steuerrechnungen zu berappen sind. Anders sieht es bei den Kantons- und Gemeindesteuern aus; sie können je nach Wohnort einen Fünftel bis einen Viertel des Jahreslohnes ausmachen. Bei ihnen fallen folgerichtig steuerliche Fahrkostenbeschränkungen für Pendler ungleich stärker ins Gewicht.

Bislang haben die Kantone Schwyz und Nidwalden es dem Bund gleichgemacht und ebenfalls Obergrenzen für Pendlerspesen eingeführt. Im Kanton Schwyz liegt die Limite in der Steuerperiode 2016 bei höchstens 10000 Franken, im Kanton Nidwalden bei maximal 6000 Franken.

Hergiswil–Zürich: über 1000 Franken mehr Steuern

Die Nidwaldner stimmten im November 2015 der neuen Fahrkosten-Obergrenze zu. Nun wird sie angewendet. Balmer-Etienne hat ausgerechnet, wie sie sich für einen autofahrenden Pendler bei der Steuerrechnung des Kantons und der Gemeinde auswirkt, der in Hergiswil wohnt und in Zürich arbeitet (siehe Hinweis am Schluss des Textes). Bei einem steuerbaren Jahreseinkommen von 60000 Franken zahlt er ab diesem Jahr 1085 Franken mehr an Kantons- und Gemeindesteuern, weil er nur noch den kleineren Teil der Fahrkosten in der Steuererklärung als Abzüge geltend machen kann. Bei einem steuerbaren Einkommen von 80000 Franken werden die Steuern um 1121 Franken mehr, bei 120000 Franken steigt die nächste Steuerrechnung um 1157 Franken. Hinzu kommen höhere Bundessteuern von 332 bis 985 Franken. Für Geschäftsautos gelten spezielle Regeln.

Es ist eine Frage der Zeit, bis auch die übrigen Zentralschweizer Kantone die Fahrkostenabzüge begrenzen. «Der Bund hat es vorgemacht, und die Kantone brauchen Geld», sagt Ruth Stadelmann, Steuerfachfrau bei Balmer-Etienne. In Luzern und Zug ist von einer Fahrkostenbegrenzung in der Höhe von 6000 Franken die Rede, entschieden ist das aber noch nicht. Im Kanton Schwyz sinkt die Obergrenze in der nächsten Steuerperiode von heute 10000 auf neu 8000 Franken.

Hinweis

Berechnungsmodell: 220 Tage, 10 beziehungsweise 58 Kilometer (Hergiswil bis Zürich), zwei Fahrten täglich bei 70 Rappen pro Kilometer.


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