«Der starke Wettbewerb hilft uns»

WOHNEN ⋅ Möbel Märki behauptet sich im umkämpften Einrichtungsmarkt als eigenständiges Unternehmen. Inhaber Roger Märki spricht über die Herausforderungen der Branche und verrät, weshalb er an den Standort Dierikon glaubt.

22. November 2016, 00:00

Interview: Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Roger Märki, Sie haben kräftig in den Umbau Ihrer Filiale in Dierikon investiert. Ganz schön mutig in einer Zeit, in der viele über Frankenstärke, Onlinekonkurrenz und Auslandshopping klagen.

Ich sehe das nicht als besonders mutig. Es ist vielmehr ein nächster Schritt in die Zukunft. Das Gebäude in Dierikon wurde vom früheren Vermieter während Jahren stark vernachlässigt. Insofern drängten sich Renovationsarbeiten auf. Gleichzeitig wollten wir die Gelegenheit nutzen, unser Geschäft an die heutigen Kaufgewohnheiten und Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Online-Shopping wird immer beliebter, auch in Ihrer Branche gewinnt der Absatzkanal an Bedeutung.

Möbel Märki ist ein Einrichtungsfachgeschäft. Das hat nicht primär mit Handel zu tun, den man übers Internet abwickeln kann. Es ist vielmehr ein Prozess. Wir sind der klassische Offliner und bieten unserer Kundschaft eine vollumfängliche Beratung – vom Verkaufsgespräch in der Filiale bis zur Lieferung und fachmännischen Montage zu Hause. Das Gesamtpaket kann Online nicht bieten.

Möbelhäuser ennet der Grenze boomen – auch dank Schweizer Käufern. Wie stark spüren Sie das?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es interessant sein kann, aus der Region Luzern im Auto eine mindestens eineinhalbstündige Reise auf sich zu nehmen, um vielleicht am Schluss 5 bis 10 Prozent günstiger einkaufen zu können. Rechnet man die Kosten für Benzin, Stau, Mehraufwand und fehlende Serviceleistung ein, lohnt sich das nicht. Solange wir hier in Dierikon ein Top-Gesamtangebot bieten, ist weder Online- noch Auslandshopping wirklich eine Konkurrenz für uns.

Trotzdem kämpfen viele in Ihrer Branche mit rückläufigen Umsätzen. Spürt Möbel Märki dies nicht auch?

Wenn Sie die Branche insgesamt unter dem Überbegriff Möbelverkauf betrachten, dann nehmen wir darin eine eigene Rolle ein. Wir sind kein Discounter, der sich auf den günstigsten Preis reduzieren lässt. Wir sind klar Einrichter und erbringen eine hohe Serviceleistung, während andere Anbieter reine Händler sind.

Sie liefern Ihre Möbel ins Haus, inklusive Montage. Will man heute nicht vielmehr gleich mitnehmen und nutzen, was man kauft?

Wir bieten auch Abholmöglichkeiten an und offerieren darauf Rabatt. Das Angebot fördern wir aber nicht, denn wir verkaufen qualitativ hochwertige Möbel. Wenn Sie diese nicht richtig befördern, riskieren Sie einen Transportschaden. Vielen fehlt das geeignete Fahrzeug, das richtige Werkzeug ist auch nicht vorhanden. Und dann kann es Ihnen auch noch in den Rücken schlagen beim Tragen (lacht). Am Schluss steht das Möbel in der Wohnung und hat vielleicht bereits einen Schaden. Das wollen wir verhindern. Der Preisunterschied zwischen selber abholen und Lieferung liegt zwischen 5 und 10 Prozent vom Gesamtpreis. Über 90 Prozent aller Möbel liefern wir mit unserem Vollservice nach Hause.

Das Wohncenter in Emmen, der MParc in Ebikon, Ikea in Rothenburg: In der Region wimmelt es von Einrichtungshäusern. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Durchwegs positiv. Nehmen wir mal nur Ikea; sie ist für uns ein Glücksfall. Wir haben in der Branche keine Lobby, so wie dies die Auto- oder die Tourismusindustrie kennen. Ikea hält das Thema Wohnen populär. Die Schweden tun das zwar in einem anderen Segment als wir, Ikea wirbt jedoch so bewusst und mit grossen Kampagnen, dass es der ganzen Branche hilft. Ich bin also froh, dass wir in Rothenburg eine Ikea haben. Die Filiale könnte von mir aus sogar noch näher bei uns sein. Am liebsten hätte ich neben jedem Ikea auch eine Filiale von uns.

Wirkt sich die Dichte nicht negativ auf den Umsatz aus?

Nein, wir behaupten uns im Wettbewerb immer sehr gut. Der grösste Wettbewerb herrscht an Publikumsmessen – zum Beispiel an der Luga oder der Zuger Messe. An diesen Messen sind die Möbelhäuser jeweils allesamt vertreten, Stand an Stand. Trotzdem verzeichnen wir überdurchschnittlichen Erfolg. Ich schliesse also daraus, dass wir überdurchschnittlich gut ankommen.

Bald kriegen Sie in Dierikon einen neuen Nachbar: 2017 öffnet die Mall of Switzerland ihre Tore. Was versprechen Sie sich dadurch?

Wir warten schon sehnsüchtig auf die Mall of Switzerland, denn sie bringt den Vorteil, dass sie ein vergrössertes Einzugsgebiet anspricht. Mall-Besucher können die Fahrt hierhin auch mit einem Abstecher bei uns verbinden. Möbel Märki wird mehr von der Mall profitieren als umgekehrt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass in einem Jahr unsere Kundenfrequenz steigen wird.

Ihre Branche hat eine grosse Konsolidierung hinter sich. Viele kleine Anbieter auf dem Lande sind verschwunden, grössere Einrichtungshäuser wurden durch Pfister aufgekauft. Wie steht es um Möbel Märki?

Wir behaupten uns weiterhin gut als eigenständiges Unternehmen. Die Konsolidierung führt bei den aufgekauften Möbelhäusern zu einer zunehmenden Vereinheitlichung des Angebots; das Sortiment wird immer ähnlicher. Diese Strategie hilft uns, weil wir uns hier abheben und unterscheiden können.

Wie wichtig ist Swissness für Sie?

Wir setzen, wo immer möglich, auf Materialen aus der Schweiz und hiesige Produktion. Die Schweizer Hersteller sind in der Lage, knapp die Hälfte der Versorgung im Land zu gewährleisten. Unsere Branche ist also mehrheitlich auf den Import angewiesen. Bei Möbel Märki ist der Schweizer Anteil unter den verkauften Möbeln überdurchschnittlich hoch. Weil wir innerhalb der Branche ein kleiner Anbieter sind, können wir stärker auf Swissness setzen. Wir pflegen sehr intensive Geschäftsbeziehungen mit unseren Schweizer Beschaffungspartnern und entwickeln zusammen unser Sortiment.

Was sind das für Firmen?

Zu unseren wichtigsten Partnern gehö­ren die MAB Möbel von Peter Föhn in Muotathal, die Tisch- und Stuhlfabrik Willisau, die Horst Möbel in Steinen oder Marken wie Bico und Riposa aus der Ostschweiz. Der zweitwichtigste Beschaffungsbereich für uns ist Deutschland und Österreich. 90 Prozent unserer Produkte kommen aus diesen drei Ländern.

Wie hat sich der Eurozerfall auf Ihre Geschäfte ausgewirkt?

Unsere Einkaufspreise wurden günstiger, wir mussten aber auch die Verkaufspreise senken. Das ist für uns ein Nachteil, weil zwar die Kalkulation prozentual gleich bleibt, aber der Umsatz sinkt. Gleichzeitig bleiben die Ausgaben für Miete und die Löhne gleich. Für uns ergibt sich so ein tieferer Deckungsbeitrag pro verkauftes Produkt für die fixen Kosten. Neben der Tatsache, dass seit dem 15. Januar 2015 mehr Leute ins Ausland einkaufen gehen. Der Eurozerfall schadet uns somit doppelt.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Wir haben vermehrt Aktionen durchgeführt und Rabatte gewährt, mussten uns aber auch anpassen. In den letzten zwei Jahren haben wir den Personalbestand um 15 Prozent reduziert. Wir konnten dies glücklicherweise bis auf ein paar wenige Stellen mit natürlichen Abgängen lösen. Mitte 2016 haben wir die Filiale in Rheinfelden geschlossen. Nächstes Jahr schliessen wir die Filiale Rapperswil-Jona. Diese Massnahmen führe ich jedoch weniger auf das Europroblem zurück, sondern auf strukturelle Gründe. Beide Filialen sind zu klein, um effizient betrieben zu werden. In Rheinfelden kam das Problem hinzu, dass 50 Prozent des Einzugsgebietes in Deutschland liegt.


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