Die Superreichen werden immer reicher

VERMÖGEN ⋅ Die «Bilanz» zählt 135 Milliardäre in der Schweiz. Darunter befinden sich viele Selfmade-Unternehmer. Deren Vermögen wachsen stetig.

02. Dezember 2016, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Die Schweiz ist kein Silicon Valley. Die Selfmade-Milliardäre, wie sie die kalifornische Hochkultur des digitalen Zeitalters in grosser Zahl hervorbringt, haben hierzulande Seltenheitswert. Das zeigt die Liste der 300 Reichsten in der Schweiz, wie sie das Magazin «Bilanz» jährlich im Dezember veröffentlicht.

Von «A» wie Josef Ackermann (100 Millionen bis 150 Millionen Franken) bis «Z» wie Hansheinrich Zweifel (200 Million bis 250 Millionen Franken) kommt in der Aufzählung dennoch erstaunlich viel selbergemachtes Geld zum Vorschein. Ackermann, der frühere Chef der Deutschen Bank, vertritt die Kaste der Manager, die offensichtlich nicht erst seit den «roaring nineties» weiss, wie man sein Vermögen mehrt. Mit dem 87-jährigen ehemaligen Chef von Roche und der Zürich-Versicherung Fritz Gerber figuriert ein Manager unter den Superreichen (500 Millionen bis 600 Millionen Franken), der sein Geld in einer Zeit verdiente, als es noch keine gesetzliche Transparenz für Cheflöhne gab. Dassel-be lässt sich auch für den ehemaligen Credit-Suisse-Chef Rainer Gut sagen (100 Millionen bis 150 Millionen Franken), der sich zusammen mit Gerber einst den Grasshoppers-Club als Hobby geleistet hatte. Im Gegensatz dazu provozierte Daniel Vasella fast schon eine politische Krise im Land, als er mit der Leitung des Pharmakonzerns Novartis ein Vermögen von 350 Millionen bis 400 Millionen Franken anhäufte.

Steuern zahlen sie in der Schweiz

Nüchtern feststellen lässt sich, dass von den 13 Superreichen aus der Manager-Kaste deren elf ihr Geld in der Schweiz verdient haben und dieses nun offenbar auch hier versteuern – zu höheren, meistens aber vermutlich doch zu tieferen Sätzen. Die Feststellung bestätigt die nicht ganz neue Erkenntnis, dass die Schweizer Grossunternehmen die weltweit mithin höchsten Löhne für ihre Spitzenkräfte zahlen.

Mit «Z» wie Zweifel steht am Ende der «Bilanz»-Liste aber auch der Name eines echten Unternehmers, der 1958 mit vier Handfritteusen den Grundstein für die Zweifel Pomy-Chips AG legte, die immer noch die unbestrittene Marktführerin im Schweizer Chips-­Geschäft ist. Die Bilanz schätzt das Vermögen der Zweifels auf 200 Millionen bis 250 Millionen Franken. Typische Selfemade-Unternehmer findet man auch ganz vorne in der Reichsten-Liste. Der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad und seine drei Söhne stehen mit ihrem Vermögen von aktuell rund 45 Milliarden Franken seit 15 Jahren zuoberst auf dem Podest. Dahinter steht mit Jorge Lemann ein Schweizer, der in Brasilien mit Bier und Fast Food über 27 Milliarden Franken sammeln konnte. Auch Hansjörg Wyss, der Gründer der Solothurner Orthophädiefirma Synthes, ist mit einem Vermögen von über 13 Milliarden Franken ein typischer Selfmade-Unternehmer.

Zuwachs dank der Börse

Wie der russische Oligarch Viktor Vekselberg zu seinem Vermögen gekommen ist (12 Milliarden bis 13 Milliarden Franken), ist weniger transparent. Der «Silberbär» ist einer der reichsten Zentralschweizer, obschon seine Beteiligungsgesellschaft Renova 2016 rund 300 Millionen Franken an Vermögen verloren hat. Doch Vekselberg zauberte in seiner Heimat ein paar neue Besitztümer – darunter zwei Flughäfen – im geschätzten Wert von 4 Milliarden Franken hervor.

Mit Schindler und Bonnard sind auch zwei alteingesessene Unternehmerfamilien aus der Region unter die zehn Reichsten der Schweiz vorgestossen (10 Milliarden bis 11 Milliarden Franken). Der Vermögenszuwachs ist fast ausschliesslich der Börse geschuldet, welche die Aktien des Liftbauers Schindler 2016 kräftig steigen liess.

Gesamthaft ist das Vermögen der 300 Reichsten 2016 um 18,6 Milliarden auf 613 Milliarden Franken gestiegen. Vor 28 Jahren, als die «Bilanz» die erste Rangliste der 300 Reichsten veröffentlicht hatte, betrug das aggregierte Vermögen der 300 Auserwählten 66 Milliarden Franken. Ihr Besitz ist damit dreimal schneller gewachsen als das Bruttoinlandprodukt der Schweiz.


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