Einzahlungen in 3a-Vorsorge rentieren gut

ALTERSVORSORGE ⋅ Je höher die Steuern, desto leichter lässt sich mit dem Fiskus ein Schnippchen schlagen. Die Steuereinsparungen sind vor allem für Singles und Doppelverdiener gross.

11. Oktober 2016, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Und sie rentiert doch. Zwar dümpeln die Zinsen bei der freiwilligen Altersvorsorge 3a bei den meisten Banken irgendwo zwischen 0,4 und 0,6 Prozent vor sich hin (Ausgabe vom 14. September). Doch die Zinsen sind bloss der kleinere Teil, der den Reiz der dritten Säule ausmacht. Wesentlich stärker ins Gewicht fallen die Steuerersparnisse, die sich mit dem maximalen Jahresbeitrag von zurzeit 6768 Franken herausholen lassen.

«Die Einsparung bei den Steuern fällt allerdings je nach Wohnort und Zivilstand beeindruckend unterschiedlich aus», sagt Albert Steck von der Migros-Bank. Er ist Verantwortlicher für die Markt- und Produktanalyse und hat ausgerechnet, dass bei der dritten Säule in erster Linie dank den tieferen Steuerrechnungen eine durchschnittliche Jahresrendite von 3,8 Prozent herausschaut. Im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld stellt das einen stolzen Wert dar.

Je höher die Steuern, desto grösser die Ersparnisse

Ein Alleinstehender im Kanton Genf mit einem Netto-Jahreseinkommen von 80000 Franken liefert im Jahr 2280 Franken weniger an das Steueramt ab, wenn er den vollen Dritte-Säule-Beitrag abziehen kann. Am anderen Ende der Skala findet sich die ledige Zugerin, die bei gleichem Einkommen nur 1110 Franken Steuern spart, wenn sie den Maximalbetrag in die freiwillige Vorsorge einzahlt. Der Grund: Dort, wo wie in Zug die Steuern ohnehin tief sind, fällt die Einsparung beim Fiskus geringer aus als zum Beispiel in Genf, wo die Steuerpflichtigen ungleich härter an die Kasse kommen. Ein weiteres Beispiel mit einer Familie, zwei Kindern und ebenfalls 80000 Franken jährlichem Netto-Einkommen: Die Familie im Tiefsteuerkanton Zug spart nur 321 Franken Steuern mit der dritten Säule. Eine Familie im für durchschnittliche Lohnempfänger mittelmässig attraktiven Luzern überweist dank der freiwilligen Vorsorge immerhin 1130 Franken weniger an das Steueramt – ihre Steuerersparnis ist also mehr als dreimal höher als in Zug (siehe Grafik).

Familien mit durchschnittlichem Einkommen schneiden bei der Steuereinsparung ohnehin schlecht ab. Der Grund: Dank Abzügen für Kinder, Ausbildung und weiteren Aufwendungen für den Nachwuchs ist ihr steuerbares Einkommen – also nach allen steuerlichen Abzügen – in der Regel zu tief, um mit der dritten Säule dem Fiskus noch ein veritables Schnippchen zu schlagen.

«Das ist die Kehrseite der steuerlichen Entlastung für Familien. Gerade Familien mit Kindern kommen bei der dritten Säule doppelt schlecht weg, weil sie nebst dem geringeren Steuerabzug oft auch noch zu wenig Erspartes auf die Seite legen können, um den maximalen Betrag für die dritte Säule einzuzahlen», sagt Steck.

In dritte Säule einzahlen oder in Pensionskasse einkaufen?

Wenn eine Familie sich nur 3000 Franken für die freiwillige Vorsorge leisten kann, lohnt sich für sie dann die dritte Säule überhaupt? Wäre ein Pensionskasse-Einkauf nicht besser? Steck: «Auch wenn der Steuervorteil für Familien eher tief ist, macht eine Einzahlung in die Säule 3a oft trotzdem Sinn. Der Grund liegt darin, dass man eine verpasste Einzahlung später nicht mehr nachholen kann. Bei der Pensionskasse ist das aber möglich.» Einzahlungen in die Pensionskasse empfiehlt er bei Familien darum erst ab dem Alter von 50 Jahren. «Wenn der Steuerabzug für die Kinder entfällt, kommt der steuerliche Vorteil bei einem Einkauf in die Pensionskasse deutlich stärker zum Tragen», so Steck. Wie viel Versicherte freiwillig und steuerfrei in die Pensionskassen einzahlen können, steht auf dem Jahresblatt, das nach Jahresende per Post verschickt wird.

Beträchtliche Renditen fahren Singles und erst recht kinderlose Doppelverdiener ein, die sich zwei volle 3a-Sparbeiträge leisten können. Steck rechnet vor: Wenn ein Single in den zurückliegenden zehn Jahren jeweils 6000 Franken bei der dritten Säule beiseite gelegt hat, betrug allein der Vermögenszuwachs durch Zinsen, Dividenden und Aktienwertsteigerung 12500 Franken. Das ergibt auch ohne Steuereinsparung einen Gewinn von beeindruckenden 20,8 Prozent. Zählt man Letztere hinzu, wäre der Gewinn je nach Steuerhöhe am Wohnort schnell einmal doppelt so hoch.

Allerdings profitierte der Sparer bei diesem Beispiel ein paar Jahre lang von Renditen auf den Obligationen, die heute im Reich der Utopie angesiedelt sind. Im Moment deutet auch nichts darauf hin, dass sich daran so schnell etwas ändert. Anders als bei den Pensionskassen tragen 3a-Sparer auch die Aktienkursrisiken nämlich selber.


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