«Es braucht einen langen Schnauf»

PERLEN-PAPIER ⋅ Der starke Franken setzt der CPH-Gruppe in Perlen über zwei Jahre nach dem Frankenschock noch immer stark zu. Als Folge davon entstehen die neuen Arbeitsplätze nicht mehr in der Schweiz, sondern im Ausland.
16. März 2017, 00:00

Interview: Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Peter Schildknecht, die Konjunkturforscher sagen, die Wirtschaft habe den Frankenschock überwunden. Sie sagen, das sei Quatsch. Warum?

Weil kaum ein Exportunternehmen einen Erlöseinbruch von fast 15 Prozent einfach so wegstecken kann. Es wäre naiv zu glauben, dass wir für Produkte, die hier in der Schweiz hergestellt werden, bei unseren Kunden im europäischen Ausland jetzt einfach 15 Prozent höhere Preise verlangen können, um dies zu kompensieren. Wir stehen überall im knallharten Wettbewerb.

Wie bewältigen Sie den Währungsnachteil? Über tiefere Kosten?

Die Kosten in diesem Ausmass zu senken, braucht Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Die Folgen für den Werkplatz Schweiz werden sich erst in ein paar Jahren zeigen, da viele exportorientierte Unternehmen als Folge der Frankenstärke ihren Wertschöpfungsanteil in der Schweiz verringern. Die Folgen davon schlagen sich bereits in der Statistik nieder: Im vierten Quartal 2016 sind die Warenexporte der Schweiz um 2,5 Prozent gesunken. Das ist kein gutes Zeichen.

Die CPH-Gruppe hat es immerhin geschafft, die Abhängigkeit vom Franken zu verringern. Wie machen Sie das?

Wir bauen auf der einen Seite zusätzliche Kapazitäten im Ausland auf. Die Bereiche Chemie und Verpackung haben seit dem vergangenen Jahr je ein Produktionswerk in China. Zusätzlich sind wir daran, in Bosnien-Herzegowina ein neues Produktionswerk aufzubauen, das Ende dieses Jahres seinen Betrieb aufnehmen soll.

In der Schweiz entstehen also keine neuen Arbeitsplätze mehr.

Sie entstehen im Ausland. Auf der anderen Seite beziehen wir Energie und andere Betriebsmittel, wenn möglich, in Euro. Fielen in unserer Unternehmensgruppe vor wenigen Jahren noch 70 Prozent der Kosten in Franken an, sind es heute dank diesen Massnahmen noch 40 Prozent.

Die Schweizer Unternehmen stellen sich besser auf einen Franken ein, der noch lange hoch bewertet bleibt. Welche Folgen bringt das mittel­fristig für die CPH-Gruppe mit sich?

Der Anteil der Geschäfte ausserhalb des Papiers wird weiter zunehmen, wir werden mehr Umsätze in den Wachstumsmärkten wie Asien oder auch Lateinamerika erzielen und auch vermehrt in diesen Ländern produzieren.

Die CPH schloss das vergangene Jahr zum zweiten Mal in Folge mit roten Zahlen ab. Wann schreibt sie wieder Gewinn?

Operativ haben wir bereits 2016 wieder schwarze Zahlen erreicht.

Wann beginnt die Strategie zu ­greifen, mit den Sparten Verpackung und Chemie genügend Gewinne einzufahren, damit auch das Konzernergebnis wieder positiv ist?

Der Bereich Verpackung hat im vergangenen Jahr mit einem Betriebsgewinn von 9 Millionen Franken ein Rekordergebnis erzielt. Als Hersteller von ­Folien für Pharmablister ist er weltweit die Nummer drei und sehr profitabel. Den Bereich Chemie richten wir strategisch neu aus, und letztes Jahr hat er seit längerer Zeit wieder schwarze Zahlen geschrieben. Bis Ende Jahr ist der ­Umbau abgeschlossen, und der Bereich Chemie wird ebenfalls wieder substanzielle Gewinne beitragen. Das Ziel ist es natürlich, dass alle Bereiche positive Beiträge liefern.

Sie setzen auf den Aufbau verschiedener Geschäftsfelder, in Ihrem Falle sind das drei. Andere Indus­trieunternehmen wie zum Beispiel Komax trennten sich von Geschäftsbereichen, die nicht zum Kern­geschäft gehören.

Wir betrachten alle drei Bereiche als Kerngeschäfte. Das Chemiegeschäft betreiben wir seit 200 Jahren, Papier seit bald 150 Jahren und Verpackung seit über 50 Jahren. Wir sind in Märkten mit sehr langen Investitionszyklen tätig. Da braucht es einen langen Schnauf, um auch mal eine Durststrecke zu über­stehen. Gegenwärtig ist dies im Papierbereich der Fall. Deshalb bauen wir auch die anderen Bereiche weiter aus. Eine verstärkte Konzentration auf das Kerngeschäft findet aber auch bei uns statt. In der Verpackung fokussieren wir uns auf die Pharmaindustrie und in der Chemie auf Molekularsiebe. Wir haben vor einigen Jahren die organische Chemie verkauft, und Mitte des aktuellen Jahres werden wir die Düngerproduktion, die wir bis anhin in Uetikon betrieben haben, einstellen.

Das umsatzmässig wichtigste ­Geschäft der CPH-Gruppe ist die Papierherstellung. Wie sieht

der Markt zurzeit aus?

Papier macht noch etwas mehr als die Hälfte des Gruppen-Umsatzes aus. Die Nachfrage für Zeitungsdruck- und ­Magazinpapiere geht aus strukturellen Gründen weiter zurück. In diesem Jahr rechnen wir mit einem Rückgang von rund 6 Prozent. Wir befinden uns in einem Verdrängungsmarkt. Der Anbieter, der die Kosten am besten im Griff hat, macht das Rennen. Mit der modernsten Papiermaschine Europas sind wir hier strategisch gut aufgestellt und haben sehr gute Karten.

Wie wollen Sie die Papiersparte wieder in die Gewinnzone führen?

Indem wir laufend noch effizienter werden und unsere Herstellkosten stetig reduzieren. Wir haben bereits vieles unternommen. Ohne unsere Fixkosten zu erhöhen, produzieren und verkaufen wir heute rund 80 Prozent oder 230000 Tonnen mehr Papier als noch vor wenigen Jahren. Wir sind heute also viel produktiver, und dieser Prozess muss auch künftig weitergehen.


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