Hochdorf-Rendite nimmt Fahrt auf

GESCHÄFTSJAHR 2016 ⋅ Der Milchverarbeiter kommt mit den organisatorischen und strategischen Anpassungen gut voran. Im letzten Jahr ging zwar die Verkaufsmenge bei Hochdorf zurück, der Umsatz blieb jedoch stabil, und der Reingewinn stieg deutlich an.
14. März 2017, 00:00

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Hochdorf-CEO Thomas Eisenring zeigte sich an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in Zürich zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr. Sein Unternehmen hat 2016 deutlich mehr verdient als im Vorjahr (siehe Zweittext rechts). «Ich bin aber der Meinung, dass wir noch wesentlich besser hätten abschliessen können», sagte Eisenring. Verhindert worden sei ein besseres Resultat durch die schwierigen Marktbedingungen in der EU. Der tiefe Milchpreis und der hohe Mengenüberschuss forderten das Unternehmen mit seinen Werken in Litauen und Deutschland im Geschäftsbereich Dairy Ingredients (Pulverprodukte aus Milch und Molke) heraus. «Wir haben das Produktionsvolumen deshalb zurückgefahren, um Schlimmeres zu vermeiden», erklärte Eisenring.

Dass unter dem Strich die Ertragszahlen trotzdem erfreulich herauskamen, verdankt man vor allem den Geschäftsbereichen Baby Care (Mama-, Baby- und Kindernahrung) und Cereals & Ingredients (Weizenkeimprodukte und Desserts), die beide deutlich zulegen konnten. In diesen beiden Sparten tut sich derzeit auch einiges.

In der Schweiz ist Hochdorf mit dem Verkauf seiner Produkte vermehrt an Wachstumsgrenzen gestossen. Dazu kommt, dass das Geschäft mit der Produktion von Zulieferfabrikaten für die Lebensmittelindustrie – zum Beispiel Milchpulver für Schoggihersteller – dem Unternehmen nicht die erstrebenswerte Gewinnmarge einbringt. Entsprechend leitete Hochdorf 2014 organisatorische und strukturelle Veränderungen ein – unter anderem mit der Konzentration auf drei Geschäftsbereiche sowie Anpassung von Logistik und Produktsortiment. Dazu verabschiedete der Verwaltungsrat vor einem Jahr eine Vorwärtsstrategie, die neues Wachstum und höhere Gewinne ermöglichen soll. Die Devise dabei lautet: näher an den Endkonsumenten. Konkret will der Milchverarbeiter verstärkt eigene Fertigfabrikate produzieren und so höhermargige Produkte verkaufen. Gleichzeitig will man in der Geschäftssparte Baby Care die aus Schweizer Milch hergestellten Markenartikel selber vertreiben.

Pharmalys-Übernahme bietet neue Absatzchancen

Ein erster Schritt in dieser Vorwärtsstrategie ist die Übernahme der Mehrheitsbeteiligung an Pharmalys. Das Baarer Unternehmen zählt seit Jahren zu den wichtigsten Kunden von Hochdorf. Pharmalys vermarktet und vertreibt Babynahrung und Cerealien in über 40 Ländern in Europa, Asien, Afrika sowie im Mittleren Osten – darunter auch Hochdorf-Produkte.

Das Seetaler Unternehmen finanziert die 51-Prozent-Beteiligung an Pharmalys durch eine Pflichtwandelanleihe, die mehrheitlich von Pharmalys-Gründer Amir Mechria gezeichnet wird. Mechria wird dadurch im Jahr 2020 mit einem Kapitalanteil von gegen 20 Prozent zu einem der grössten Hochdorf-Aktionäre. Auch die weiteren Haupt­aktionäre – die Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP (12,4 Prozent) und die Innovent Holding (5,4 Prozent) – werden ihren Aktienanteil aufstocken, verriet gestern Thomas Eisenring.

Der Hochdorf-CEO tönte weiter das Potenzial an, das er sich durch den Pharmalys-Deal ausrechnet. «Wir haben auch im Bereich Cereals & Ingredients einige Produkte, die wir künftig durch Pharmalys vertreiben können – zum Beispiel unsere Gesundheitscrisps und Nahrungsergänzungsmittel», sagte er und kündete an: «Im April werden wir in Südafrika eine Diabetikerschokolade marktreif haben.» Hochdorf stellt seit letztem Jahr in Südafrika eine eigene Schokoladentafel her: «Afrikoa» wurde extra für den afrikanischen Markt in drei Variationen entwickelt. Zum Erfolg des neuen Produkts gab es gestern keine Zahlen. Laut Eisenring sei man sehr zufrieden mit der Lancierung und wachse auf tiefem Niveau erfreulich.

Für 2017 zeigt man sich bei Hochdorf aufgrund der aufgegleisten Wachstumsschritte optimistisch. Dank der Pharmalys-Beteiligung rechne er mit einem Gewinnsprung auf Stufe Betriebsgewinn (Ebit), sagte Eisenring. Er geht 2017 von «einer etwa gleichbleibenden Milchmenge bei leicht höheren Preisen» aus.

Bei den Aktionären kommt die neue Hochdorf-Strategie gut an. Der Titel verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 77 Prozent. Die Aktionäre können sich auch auf eine um 10 Rappen auf 3.80 Franken erhöhte Dividende freuen. Die Ausschüttung erfolgt aus den Kapitaleinlagereserven und ist folglich von der Verrechnungssteuer befreit.


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