Kampf gegen horrende Preise

HEPATITIS C ⋅ Die neusten Medikamente gegen Hepatitis C heilen 90 Prozent der Fälle. Nur Schwerkranke können die Kosten den Krankenversicherern verrechnen. Die Concordia hat nun einen Ausweg gefunden.
03. Mai 2017, 00:00

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

In der Schweiz gibt es rund 80000 Hepatitis-C-Kranke. Die meisten sind zwischen 30 und 65 Jahre alt. In mehr als der Hälfte aller Fälle verläuft die Erkrankung chronisch. Oft entstehen schwere Leberstörungen und Leberschädigungen. Die Folgen: Lebertransplantation, Krebs oder Tod. Doch Hepatitis C kann geheilt werden. Die bisherigen Therapien waren jedoch nur begrenzt wirksam. Patienten hatten zudem bei Einnahme der Präparate mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen. Vor drei Jahren brachte das amerikanische Pharmaunternehmen Gilead den neuartigen Wirkstoff Sofosbuvir auf den Markt. Inzwischen haben mehrere Pharmafirmen Medikamente mit demselben Wirkstoff im Angebot. Diese heilen über 90 Prozent der Patienten – mit einem einmaligen Therapie­zyklus von 8 oder 12 Wochen.

Das Problem: Gut wirksame He­pati­tis-C-Medikamente sind in der Schweiz sehr teuer. Eine dreimonatige Behandlung kostet laut Concordia im Schnitt rund 60000 Franken. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat daher den Zugang zu diesen Medikamenten auf bestimmte Patientengruppen mit einer sogenannten Limitatio eingeschränkt.

Gilead hat gegenüber der Konsumentensendung «Kassensturz» die Preise gerechtfertigt: «Mit unseren Hepatitis-C-Medikamenten werden zum ersten Mal neun von zehn Patienten in durchschnittlich zwölf Wochen ohne nennenswerte Nebenwirkungen geheilt.» Das BAG hat zwar versucht, Gilead zu günstigeren Preisen zu bewegen. Das Unternehmen blieb aber hart. Also wurde eine Limitatio gesetzt. Eine Begrenzung auf diejenigen Patienten, die unmittelbaren Bedarf haben, entspreche den Behandlungsempfehlungen internationaler Leitlinien und der Vergütungspraxis vieler europäischer Länder, schreibt das BAG.

Nur wer schwer krank ist, erhält das Medikament

So dürfen Krankenversicherer laut BAG nur die Kosten von Patienten übernehmen, bei welchen «eine moderat bis stark fortgeschrittene Lebererkrankung vorliegt oder sich Krankheitssymptome ausserhalb der Leber manifestieren». Übersetzt heisst dies: Erst wenn jemand krank genug ist, wenn die Leber bereits genügend stark angegriffen ist, darf das Medikament von der Krankenkasse bezahlt werden. Sonst muss man es selber bezahlen. «Das ist moralisch stossend», findet Nikolai Dittli, CEO von Concordia.

Die Luzerner Krankenversicherung hat deshalb Wege gesucht, ihren Ver­sicherten ausserhalb der BAG-Limitatio den Zugang zu den neuartigen Medikamenten zu ermöglichen. In Indien gibt es Pharmafirmen, die mit Lizenzen der Hersteller der Originalpräparate Gilead und Bristol-Myers Squibb die ent­sprechenden Hepatitis-C-Medikamente unter einem anderen Namen selber herstellen. «Diese Lizenzmedikamente dürfen zum Eigengebrauch für eine maximale Therapiedauer von drei Monaten in die Schweiz eingeführt werden», sagt Dittli. Dieses Vorgehen ist von Swiss­medic genehmigt. Die Kosten sind massiv tiefer. Rund 1500 Franken kostet die dreimonatige Therapie.

Dieselbe Qualität wie das Originalprodukt

Dittli betont, dass die Qualität den Originalen in nichts nachstehe. «Die Medikamente werden durch den australischen FixHepC Buyers Club, eine gemeinnützige Organisation, vermittelt und geprüft. Die medizinische Beratung für Versicherte und behandelnde Ärzte bietet der Verein Arud – Zentren für Suchtmedizin an. «Die wissenschaftlichen Studien haben gezeigt, dass die Heilungs­rate mit den Lizenzprodukten gleich hoch ist wie mit Originalpräparaten», sagt Dittli. Die Medikamente müssen Schweizer Patienten selber beziehen. Seit Februar 2017 übernimmt die Concordia zwischen 50 und 75 Prozent der Kosten. «Das ist sowohl aus medizinischer wie auch aus finanzieller Sicht sinnvoll», sagt Dittli. Allerdings müssen die Versicherten eine entsprechende Zusatzversicherung haben. «Rund 90 Prozent unserer Grundversicherten haben diesen Zusatz», sagt Dittli. Für Versicherte in schwierigen finanziellen Verhältnissen übernimmt die Concordia die Kosten ganz oder teilweise via hauseigene Stiftung.

Hinweis

www.hepatitis-schweiz.ch

www.arud.ch


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