Mit Gen-Scheren gegen Krebs

06. Mai 2017, 00:00

Geneditierung Rachel Haurwitz ist Mitgründerin, Präsidentin und Geschäftsleiterin der kalifornischen Biotechfirma Caribou Biosciences. 2014 wurde die heute 31-jährige Haurwitz vom Magazin «Forbes» auf die Liste der 30 wichtigsten unter 30-jährigen Persönlichkeiten in Wissenschaft und Gesundheitswesen gesetzt. 2016 figurierte sie in «Fortune» auf der Liste der 40 einflussreichsten Jungen unter 40 in der Geschäftswelt.

Caribou arbeitet mit molekularbiologischen Werkzeugen namens CRISPR/Cas9. Diese funktionieren, wenn sie in einen Organismus eingeschleust werden, wie Genscheren. Bestimmte Abschnitte eines Gens können herausgeschnitten, korrigiert oder durch andere Abschnitte ersetzt werden. Deshalb hat sich für dieses Verfahren die Bezeichnung Geneditierung eingebürgert. Im Vergleich zu herkömmlichen Methoden, die seit den 1970er-Jahren bekannt sind, arbeiten diese neuen Genscheren viel schneller und präziser, kosten viel weniger und können im Nachhinein nicht mehr nachgewiesen werden.

Umstrittene Technologie

Befürworter dieser Technologie hoffen, dass dank CRISPR/Cas9 dereinst Aids besiegt werden kann. Dies, indem jener Genabschnitt, der die Informationen für die Andockstelle des HI-Virus im Menschen enthält, manipuliert wird. Und zwar in einer Weise, dass der manipulierte Genabschnitt jener Variante gleicht, die bei jenen wenigen Menschen vorkommt, die von Natur aus gegen das Virus immun sind.

Auch erbliche Krebserkrankungen und andere Krankheiten mit genetischen Ursachen könnten bezwungen werden, indem die tickende Zeitbombe im Erbgut des Trägers einfach ausgeschaltet wird. Geneditierung ermöglicht es auch, Pflanzen und Tiere zu züchten, die widerstandsfähiger sind beispielsweise gegen Umwelteinflüsse oder Krankheiten. Kritiker hingegen werfen die Geneditierung in einen Topf mit der klassischen Gentechnik, bei der ein fremdes Gen in Genregionen eines Organismus eingebaut wird und das Ergebnis als gentechnisch veränderter Organismus bekannt ist. Zwar räumen auch Kritiker ein, dass sich die meisten gen­editierten Pflanzen nicht von herkömmlichen Züchtungen unterscheiden. Entscheidend sei aber nicht das Produkt, sondern der Prozess. Und dabei handle es sich um Gentechnik.

Die klassische Gentechnik können sich wegen hoher Kosten für Forschung und Entwicklung sowie Zulassung nur globale Grosskonzerne leisten. Geneditierung dagegen ist auch für kleinere Forschungsinstitutionen und Firmen wie Caribou interessant. Entdeckt wurden die CRISPR/Cas9-Werkzeuge von den beiden Wissenschaftlerinnen Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier. Gemeinsam mit Doudna hat Haurwitz 2012 Caribou Biosciences gegründet. (tg)


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