«Mit Wasserkraft verlieren wir in der Schweiz jährlich 1 Milliarde Franken»

CKW ⋅ Die Atomausstiegsinitiative der Grünen würde laut Felix Graf die CKW Millionen kosten. Damit die Energiewende gelingt, sieht CEO Felix Graf aber nicht nur die Stromproduzenten in der Pflicht.

13. November 2016, 00:00

Interview: Dominik Buholzer

Felix Graf, welche Folgen hätte die Annahme der Atomausstiegsinitiative der Grünen für die CKW?

Wir halten Unterbeteiligungen an den Kernkraftwerken in Gösgen und Leibstadt. Wir müssten den ökonomischen Schaden, der durch die Annahme der Initiative entsteht, mittragen.

Von welchem Betrag sprechen wir da?

Von einem hohen dreistelligen Millionen-Betrag.

Also sind es mehr als 500 Millionen Franken?

Den genauen Betrag darf beziehungsweise will ich nicht sagen. Das ist nicht entscheidend.

Was dann?

Der Atomausstieg kostet die Schweiz insgesamt 8 Milliarden Franken. Da die Werke zu 85 Prozent den Kantonen gehören, entfällt auf die öffentliche Hand ein Betrag von 7 Milliarden oder rund 2000 Franken pro Haushalt. Die Frage ist also, für was wir Geld ausgeben wollen. Für einen geordneten Übergang hin zu einem höheren Anteil an erneuerbaren Energien oder für Kohlestrom aus Deutschland. Es geht nur um diese Frage und nicht den Atomausstieg. Denn diesen sieht die Energiestrategie des Bundes eh vor.

Gegen die Energiestrategie ergreift die SVP aber das Referendum.

Ich halte dies zwar nicht für nötig. Das Referendum bietet uns aber die Chance, dass die Energiestrategie breiter abgestützt ist.

Die Energiestrategie kommt erst im Jahr 2050 zum Tragen. Mit der Annahme der Initiative der Grünen ginge alles viel schneller, würde der Ausstieg aus der Kernenergie bereits nächstes Jahr beginnen, weil dann die Werke nicht länger als 45 Jahre laufen dürften.

Die Laufzeit als Kriterium heranzuziehen ist schlecht. Sie hören ja auch nicht auf mit ihrem Auto herum zu fahren, nur weil es 10 Jahre alt ist. Ein solches Vorgehen ist unseriös.

Die CKW halten Unterbeteiligungen an den AKWs in Leibstadt und Gösgen. Haben Sie sich schon überlegt, diese abzustossen?

Es ist heute sehr schwierig, einen Käufer zu finden, und der Verkauf steht auch nicht in unserem Fokus.

Weshalb ist denn die Energiestrategie der richtige Weg?

Ein solcher Wandel braucht Zeit. Wir mussten diese Woche das Windparkprojekt in Kirchleerau/Kulmerau an der Grenze zum Aargau stoppen. Der Standort war ideal, doch der öffentliche Widerstand war zu gross.

Das Aus schmerzt?

Das tut er. Mir tun vor allem alle Mitwirkenden leid, die in den vergangenen Jahren sehr viel Energie in das Projekt steckten. Es gibt nicht viele gute Standorte für einen Windpark in der Zentralschweiz. Kirchleerau/Kulmerau war es. Deshalb haben wir auch zugewartet mit dem Übungsabbruch. Solche Rückschläge gibt es leider.

Woran liegt das?

Das Umdenken in der Bevölkerung hat noch nicht vollständig stattgefunden. Man will zwar keinen Atomstrom, aber auch keine Wind- oder Solarparks in seiner Nähe. Da steht uns noch ein schönes Stück Arbeit bevor. Bis ins Jahr 2050 sollen laut der Energiestrategie des Bundes 1000 Windräder in der Schweiz stehen. Heute zählen wir 37, im letzten Jahr kamen nur gerade 3 dazu.

Wie wollen die CKW den Wandel meistern?

Wir setzen auf erneuerbare Energien, die Stromnetzinfrastruktur und unsere Kunden. Wir verstehen uns künftig nicht mehr primär als Energieproduzenten.

Sie wollen die Kunden dazu motivieren, dass sie anstelle der CKW Strom produzieren?

So viel Überzeugungsarbeit braucht das gar nicht. Es sind immer mehr Leute dazu bereit. Schauen Sie doch mal, wie viele Häuser heute Solarzellen haben. Wir bieten bei unseren drei Solarwerken Privaten die Möglichkeit, sich bei uns zu beteiligen. Die entsprechenden Kontingente war im Nu weg.

Fotovoltaik alleine genügt nicht.

Das ist richtig. Wir wollen unseren Kunden helfen, dass sie ihren Stromverbrauch optimieren können. Über Boiler und Batterie können wir einen Nutzungsgrad von 60 bis 70 Prozent erreichen. Heute liegt dieser im Durchschnitt bei 30 Prozent. Und selbstverständlich setzen wir weiterhin auf Wasserkraft.

Damit verdienen Sie derzeit aber auch nicht mehr viel Geld?

Derzeit ist die Wasserkraft gar ein Verlustgeschäft. Mit Wasserkraft verlieren wir in der Schweiz jährlich 1 Milliarde.

Die Kantone hätten es in der Hand, mit dem Verzicht auf den Wasserzins dies zu ändern.

Dies würde nicht genügen. Selbst dann wäre das Geschäft noch defizitär.

Welche Lösung schwebt Ihnen vor?

Es bräuchte ein neues Marktdesign, das den politisch gewollten Eigenversorgungsgrad miteinbezieht. Es muss wieder möglich sein, einheimischen Strom profitabel zu produzieren.


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