Opel soll eine deutsche Marke bleiben

AUTOINDUSTRIE ⋅ Der französische Autohersteller Peugeot-Citroën (PSA) übernimmt den deutschen Konkurrenten Opel für insgesamt 2,2 Milliarden Euro. Ob mittelfristig Arbeitsplätze abgebaut und Standorte aufgegeben werden, bleibt offen.
07. März 2017, 00:00

Stefan Brändle, Paris

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Man nennt sich beim Vornamen, schüttelt sich herzhaft die Hand und ist rundum «optimistisch». Das sagt jedenfalls Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, der auch zur Pressekonferenz von Peugeot-Citroën (PSA) und dem Verkäufer General Motors (GM) in Paris geladen ist. Auf der Bühne darf er zwar nur am Rand sitzen. Aber er ist ebenso zuversichtlich, dass nach 88 Jahren unter amerikanischer Führung nun dank der französischen Leitung «die Chance besteht, einen wirklichen europäischen Champion zu schaffen». Wobei Opel eine «deutsche Marke» und Vauxhall eine «britische Marke» bleibe, so Neumann.

PSA zahlt den Amerikanern 1,3 Milliarden Euro für das Unternehmen Opel und 0,9 Milliarden Euro für die «Opel-Bank» namens GM Financial. Von «Übernahme» ist im Communiqué allerdings nirgends die Rede. Opel werde in PSA «eingegliedert», formulieren die Franzosen elegant. Sie betonen lieber, ihr Konzern werde mit der «Aufnahme» des Opel- und Vauxhall-Geschäftes in Europa mit einem Marktanteil von 17 Prozent Nummer zwei (hinter Volkswagen).

«Wir können nicht mit allen reden»

Auch die GM-Vorsitzende Mary Barra wünscht der «Partnerschaft» viel Glück. Dies umso mehr, als GM einen Teil des Verkaufserlöses in Optionsscheinen erhält, die eine Beteiligung an Opels Zukunft ermöglichen.

Und von der Zukunft ist an der Pressekonferenz viel die Rede. Opel soll 2020 wieder Gewinn abwerfen. Schon jetzt rechnet PSA mit Synergien und Skaleneffekten von 1,7 Milliarden Euro in den Bereichen Einkauf, Fertigung, Forschung und Entwicklung. Betriebsbedingte Entlassungen sind aber nicht vorgesehen. PSA-Chef Carlos Tavares bekräftigt, dass er die bis 2020 laufenden Abkommen mit den Gewerkschaften einhalten will: «Wir halten Wort, und das allein schon aus ethischen Gründen.» Und nach 2020? «Wir setzen auf einen konstruktiven Geist und einen reifen Dialog, um gemeinsam die Zukunft zu bauen», meint Tavares nicht eben verbindlich. Seit seinem Amtsantritt bei PSA vor drei Jahren habe er kein einziges Werk geschlossen, sagt er – ohne anzufügen, dass sein Vorgänger bei PSA die Peugeot-Fabrik Paris-Aulnay dichtgemacht hatte und dass trotzdem auch unter seinem Management Tausende von Stellen gestrichen wurden und noch werden. Zu den einzelnen Opel-Standorten in Deutschland, England und Spanien (siehe Grafik) erklärt Tavares, dass er nicht einzelne Fabriken im Visier habe. Vielmehr wolle er einen «europäischen Massstab» anlegen, der von jeder Opel-Einheit zu erfüllen sei. Mit diesem Vorgehen hatte er die Fast-Pleite von PSA im Jahr 2013 binnen zwei Jahren in schwarze Zahlen verwandelt. Das Geheimnis sind sogenannte «Wettbewerbs-Abkommen» mit den Gewerkschaften. Das spart massiv Kosten ein und baut Überkapazitäten ab, ohne ganze Werke zu schliessen.

Eine spanische Journalistin fragte gestern skeptisch, warum Tavares nur mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der britischen Ministerpräsidentin Theresa May telefoniert habe, nicht aber mit der Regierung in Madrid. «Wir können nicht mit allen reden», erwiderte der Portugiese Tavares, um nicht nur an die spanische Adresse anzufügen: «Tranquilo» – ganz ruhig!

Offene Fragen zu den Lizenzen

Auch Opel-Chef Neumann sieht nur Vorteile in der neuen Partnerschaft: «Die Ingenieure von Opel und Peugeot arbeiten bei drei Modellen bereits sehr gut zusammen. Das zeigt, dass es möglich ist, Opel- und Vauxhall-Modelle auf einer PSA-Plattform zu bauen.» Eine Frage, ob der Deutsche an der Spitze von Opel bleiben werde, überlässt Tavares dem Angesprochenen. Der erklärt höflich, er würde seinen Job gerne weiterführen.

PSA-Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon sagte, dass GM für die Rentenansprüche der Opel-Mitarbeiter in der ganzen Welt im Umfang von 7 Milliarden Euro geradestehe. Weniger klar äussert sich der Franzose zur Frage der Opel-­Lizenzen, die GM zum Teil behält. Dahinter steckt die Frage, ob sich Opel in Zukunft neue Absatzmärkte erschliessen kann; denn die Amerikaner wollen in Ländern, wo ihre Modelle stark sind, natürlich keine Opel-Konkurrenz. De Chatillon erklärt zwar, dass alle Opel-Modelle wie bisher in jenen Ländern verkauft werden könnten, in denen sie jetzt schon vertreten sind. Wo genau und bis wann diese Lizenzen Opel behindern könnten, will der PSA-Finanzmann aber nicht sagen. Sicher sei nur, dass Opel vorerst nicht plane, den US-Markt zu erobern.


Leserkommentare

Anzeige: