Orascom schreibt hohe Verluste

ALTDORF ⋅ Die Krise im ägyptischen Tourismus wirkt sich deutlich auf die Neunmonatszahlen von Orascom aus. Das Unternehmen von Samih Sawiris verzeichnet einen Verlust von 71,7 Millionen Franken.

16. November 2016, 00:00

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Der Tourismuskonzern Orascom kommt nicht zur Ruhe. Der Umsatz in den Monaten Januar bis September 2016 beläuft sich auf 169,9 Millionen Franken. Das ist ein Minus von fast einem Drittel oder 76,1 Millionen Franken gegenüber der Vorjahresperiode. Der Bruttogewinn fiel in den drei Quartalen von 71,7 auf 9,2 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein Konzernverlust von 71,7 Millionen Franken. Vor einem Jahr gab es noch einen Gewinn von 4,2 Millionen Franken. Die aktuellen Geschäftszahlen wurden zusätzlich durch Währungsverluste von 13,2 Millionen Franken geschmälert.

Die Firma von Andermatt-Investor Samih Sawiris trifft die Krise im ägyptischen Tourismus mit voller Wucht: 83 Prozent der Hotelkapazitäten von Orascom befinden sich trotz laufender Diversifikationsbemühungen (Oman, Montenegro, Andermatt) nach wie vor in Ägypten. Der Tourismus im Nil-Land will seit dem Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011 nicht zur Normalität zurückkehren. Kaum hatte man das Gefühl, das Gröbste sei vorüber, passierte vor einem Jahr das Bombenattentat auf ein russisches Flugzeug über dem Sinai. Ein weiteres mageres Jahr für Ägypten war somit vorprogrammiert. Im Rekordjahr 2010 reisten 15 Millionen Menschen in das nordafrikanische Land, heuer werden es noch rund 5 Millionen sein. An dem für den Tourismus am Roten Meer wichtigen Flughafen von Hurghada landeten zu den besten Zeiten täglich bis zu 100 Flieger, die Zahl fiel zeitweise unter 20.

Bei Orascom begründet man die schlechten Geschäftszahlen denn auch in erster Linie mit den politischen und ökonomischen Unsicherheiten in Ägypten. «In den Hotels in Ägypten ging im September die Anzahl Touristen im Jahresvergleich um 41 Prozent zurück», so Orascom. Total nahmen die Tourismuseinkünfte in Ägypten um 48 Prozent ab.

Neue Destinationen sind auf Kurs

Erfreut zeigt man sich mit der Entwicklung der Ferienresorts in Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Montenegro. In Oman stiegen die Belegungsraten in den Hotels zum Beispiel von 44 auf 61 Prozent, die Destination erzielte in den ersten neun Monaten mit 22,6 Millionen Franken 56 Prozent mehr Umsatz. Das sind gute Zeichen – nur ist der Beitrag der neuen Resorts zu klein, um im Konzern die Krise in Ägypten auszugleichen. Beim im Aufbau befindlichen Andermatt-Resort betragen die heurigen Verluste 21 Millionen Franken. Das Projekt gehört zur Andermatt Swiss Alps AG (ASA). An dieser hält die Orascom 49 Prozent. 51 Prozent sind im Privatbesitz von Samih Sawiris. Nächste Woche lädt die ASA zum Richtfest des zweiten Hotels und den dazugehörenden Service-Apartements «Gotthard Residences».

Luft verschaffen Orascom die Banken: In den nächsten drei Jahren muss das Unternehmen keine Kreditrückzahlungen leisten, und die Zinszahlungen für 2016 und 2017 können aufgeschoben werden. Zur Freigabe des ägyptischen Pfunds heisst es bei Orascom, dass dies «den Wert von Guthaben und Schulden des Unternehmens künftig ändern und die Erfolgsrechnung beeinflussen könnte». Der konkrete Einfluss werde momentan evaluiert. An der Schweizer Börse fiel die Aktie gestern um 5,9 Prozent auf ein neues Tief von 5.60 Franken.


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