Oswald beschreitet neue Wege

KONSUM ⋅ Neu gibt es die Gewürzmischungen und Bouillons von Oswald auch beim Detailhändler Manor. Dem alten Geschäftsmodell will die Zuger Firma weiterhin treu bleiben. Das hat gute Gründe.

19. Oktober 2016, 00:00

Bernard Marks

bernard.marks@zugerzeitung.ch

Der Duft der weiten Welt liegt in der Luft, wenn sich die Türen bei der Firma Oswald in Steinhausen im Kanton Zug öffnen. In der schlichten Halle des Industriegebäudes liegen in aufeinandergestapelten Kisten säckeweise edle Gewürze aus aller Herren Ländern. Pfeffer, Koriander, Kurkuma, Knoblauch, Paprika, Meersalz sowie die verschiedensten Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Oregano oder Basilikum. «Diese Zutaten brauchen wir, um unsere Gewürzmischungen herzustellen», erklärt Beat Welti. Der 47-Jährige ist seit 2013 CEO der Oswald Nahrungsmittel GmbH. «Wir verwenden nur ausgewählte Rohstoffe, die ausschliesslich in Steinhausen verarbeitet werden», führt Welti beim Rundgang durch die Produktion weiter aus. Dabei macht der Manager keinen Hehl daraus, dass sein Unternehmen beim Einkauf der Rohstoffe nicht unerhebliche Vorteile durch den Verbund mit dem Mutterkonzern Unilever geniesst. Seit dem Jahr 2000 ist Oswald eine Tochter des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns.

Rund 300 Produkte werden in Steinhausen hergestellt. An jedem Werktag verarbeiten die Oswald-Mitarbeiter rund 2500 Bestellungen. Pro Monat verlassen das Oswald-Werk bis zu 40 000 Pakete. Neben Bouillons, Saucen, Suppen und Gewürzmischungen bietet das Zuger Unternehmen auch Desserts und traditionell Kaffee an. Heute verkauft Oswald rund 7 Millionen Kaffeekapseln pro Jahr für die eigenen Kaffeemaschinen.

Bisher suchte man Oswalds Produkte aber vergeblich in den Regalen der Schweizer Detailhändler. Diese waren bisher nur im Direktvertrieb und im Online-Shop erhältlich. Seit kurzem sind die Gewürzmischungen oder Bouillons auch im Feinkostsortiment von Manor zu finden. «Wir belegen auf diese Weise alle drei Vertriebswege», erklärt Welti – ein Plus gegenüber der Konkurrenz. Vor allem der kritisch beäugte Direktvertrieb wird heute salonfähig und rückt wider Erwarten ins Interesse von Wirtschaftsvertretern.

Der Geist des Firmengründers ist noch spürbar

Mit rund 320 Angestellten, davon 200 Aussendienstmitarbeitern, gehört Oswald heute zu den grössten Arbeitgebern im Kanton Zug. Die Firma, die im letzten Jahr 65 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftete, sei innerhalb des Grosskonzerns eine geschätzte Geschäftseinheit. «Obwohl wir zu Unilever gehören, können wir relativ unabhängig arbeiten», berichtet Welti. So kommt es wohl auch, dass der Geist des Firmengründers im Betrieb noch immer spürbar ist.

Im Jahr 1951 gründete Meinrad Oswald die Firma. Er erwarb damals als erst 20-Jähriger eine Kaffeerösterei in Zürich. Als Einmannbetrieb verkaufte er in der blühenden Nachkriegszeit geröstete Kaffeebohnen ohne Zwischenhandel an seine Kundschaft, darunter vor allem an Gastrobetriebe. Diese fragten schnell nach weiteren Produkten.

So nahm er auch Bouillon ins Sortiment auf. Da er aber mit der Qualität nicht zufrieden war, stellte er diese schon bald nach eigenem Rezept her. 1958 verlegte Oswald den Firmensitz nach Steinhausen. Teile des Vertriebssystems der Firma Oswald zeigen noch heute deutlich die Handschrift des Firmengründers. Zwar bekam Oswald in den Folgejahren immer wieder Anfragen aus dem Detailhandel für die Lieferung seiner Produkte, doch er war stets überzeugt: Der Direktvertrieb sei das Beste für Oswald. Viele Schweizer Hobby- und Profiköche kennen und schätzen die Produkte von Oswald. 500 000 Kunden hat die Firma nach eigenen Angaben.

«Und genau um diese Kundenkontakte wird Oswald heute von vielen Mitbewerbern, aber auch von branchenfremden Unternehmen, regelrecht beneidet», berichtet Welti. Denn der Direktvertrieb erweist sich als krisenresistent. Das belegen die Zahlen. In Zeiten des starken Frankens und hart umkämpften Marktes im Schweizer Detailhandel erwirtschaftete Oswald in den vergangenen Jahren ein konstantes Umsatzwachstum. Für die steigenden Mehreinnahmen Sorge getragen haben neben dem E-Commerce, Telefonverkauf und dem Export hauptsächlich die 200 Aussendienstmitarbeiter. Diese werden neben einem Mindestlohn auf Provisionsbasis bezahlt.

Daten für spezifische Marktforschung

Aber nicht allein der Verkauf von Produkten beim Kunden macht sich für Oswald bezahlt. Während der regelmässigen Besuche beim Kunden nehmen die Aussendienstmitarbeiter Feedbacks auf. Diese aus der Kundenbefragung entstehenden Daten sind nutzbar. So wertet zum Beispiel der Grosskonzern Unilever die Oswald-Daten bereits in seiner spezifischen Marktforschung aus. «Der Direktvertrieb bekommt auf diese Weise gewissermassen ein modernes Gesicht», sagt Welti.

Während andere Firmen rein auf das Internet und Soziale Medien setzen, fährt Oswald mit dem alten Prinzip besser denn je. Dies ist sicher auch im Sinne des Firmengründers Meinrad Oswald, der vor einigen Jahren einmal einem Journalisten dieser Zeitung über sein Erfolgsrezept sagte: «Man muss nicht zuerst an die Produkte, sondern an die Kunden denken.»

«Wir können relativ unabhängig arbeiten.»

Beat Welti

CEO Oswald GmbH


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