Vom Nähmaschinenproduzenten zum Sanierungsfall

07. März 2017, 00:00

Deutschland In den 1960er- und den 1970er-Jahren war der Ende des 19. Jahrhunderts gegründete, zunächst als Produzent von Nähmaschinen und Zweirädern bekannt gewordene Opel-Konzern neben VW der zweitgrösste deutsche Automobilhersteller. Mit erfolgreichen Modellen wie Kadett oder Record sowie den grösser motorisierten Senator, Diplomat und später mit dem Omega schafften es die Opel-Werke in Rüsselsheim und Bochum, Volkswagen und sogar Mercedes Paroli zu bieten. Der elegante Diplomat mit seinem benzinfressenden V8-Motor brachte ein Stück «American Way of Life» nach Deutschland, es war das letzte erfolgreiche Opel-Luxusmodell. Doch mit Beginn der 1980er-Jahre begann der Abstieg der bislang erfolgreichen Marke Opel, die seit Ende der 1920er-Jahre im Besitz des amerikanischen Automobilkonzerns General Motors (GM) war. Opel wurde durch die Ölkrise schwer getroffen, rigorose Sparmassnahmen und damit verbundene Qualitätseinbussen kratzten massiv am Image des Autobauers. Diese strategischen Fehler kosteten Opel Kundschaft, es kam zu Milliardenverlusten und dem Abbau Tausender von Arbeitsstellen.

Seit 18 Jahren schreibt Opel Verluste, dabei begann das letzte Jahr für das Unternehmen mit guten Verkaufszahlen verheissungsvoll. Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise und das Votum der Briten, die Europäische Union zu verlassen, vermiesten Opel das Geschäft. Durch den Brexit wurde das britische Pfund abgewertet, die schwächelnde Währung hat für ein schlechtes Europageschäft von GM gesorgt, da Opel in Grossbritannien zwei Produktionsstandorte betreibt und Grossbritannien der grösste Einzelmarkt für Opel und Vauxhall in Europa ist. GM bezifferte die Sonderkosten für den ­Brexit wegen gestiegener Herstellungskosten auf 400 Millionen Dollar.

Laut dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer steht Opel vor einem harten Sanierungskurs. «Auf die Opel-Belegschaft kommt keine einfache Zeit zu», sagt Dudenhöffer. Der Opel-Betriebsrat machte gestern seine Zustimmung zum Verkauf der GM-Tochter von einem Zukunftsplan abhängig. (crb)


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