«Wir werden unsere Margen verdoppeln»

MILCHMARKT ⋅ Hochdorf-CEO Thomas Eisenring erklärt, warum der Milchverarbeiter jetzt auch Schoggi in Südafrika produziert. Und warum er Übernahmeangebote aus China abgelehnt hat.

25. November 2016, 00:00

Interview: Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Thomas Eisenring, Hochdorf hat Appetit auf mehr; vor kurzem haben Sie den Kaufvertrag für die Baarer Pharmalys Laboratories unterzeichnet. Was bringt die Akquisition?

Wir sind heute bis auf wenige Ausnahmen nur im Geschäftskundenbereich tätig. Das heisst, wir beliefern Nahrungsmittelhersteller – darunter die Schokoladenindustrie – mit Halbfabrikaten wie zum Beispiel Milchpulver. Auch im Bereich Babynahrung produzieren wir fast ausschliesslich für Distributoren und deren Marken. Wir haben zwar in der Geschäftssparte Babynahrung Eigenmarken wie Alpen oder Babina und treten damit direkt mit den Konsumenten in Kontakt, die Verkäufe spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Pharmalys Laboratories ist einer unserer grössten Kunden, den wir bereits seit 2008 mit Babynahrung beliefern. Hochdorf erhält durch die Übernahme direkten Zugang zu den Endkunden.

Können Sie den Nutzen durch den Zukauf für Hochdorf in Zahlen angeben?

Wir erwarten, im Bereich Babynahrung unsere Margen etwa verdoppeln zu können. Die genauen Werte der einzelnen Geschäftssparten kommunizieren wir nicht. Im gesamten Konzern erzielten wir im ersten Halbjahr 2016 eine Betriebsgewinnmarge von etwa 4,5 Prozent.

Zur Finanzierung der Pharmalys-Übernahme beantragen Sie an der Generalversammlung vom nächsten Dienstag eine bedingte Kapitalerhöhung von rund 7,2 Millionen Franken. Warum wählt man diese Finanzierungsart?

Amir Mechria, Gründer und CEO von Pharmalys, verkauft uns 51 Prozent seines Unternehmens und beteiligt sich gleichzeitig an Hochdorf. Mechria glaubt an unseren gemeinsamen Erfolg: Statt einfach monetär entschädigt zu werden, erhält er den grössten Teil der neuen Hochdorf-Aktien. Die restlichen neuen Aktien können die bestehenden Aktionäre zeichnen. Deshalb die «bedingte Kapitalerhöhung», die besagt, dass ein Teil des neuen Aktienkapitals für den Käufer reserviert ist. Je nach Verlauf dieser Transaktion wird Amir Mechria auf maximal 20 Prozent des Aktienkapitals kommen.

Das grosse Wachstum versprechen Sie sich im Bereich Babynahrung im Ausland. Von welchen Dimensionen sprechen wir da?

Wir erzielen heute 99 Prozent des Umsatzes mit Babynahrung im Ausland. Zum Vergleich: In der Schweiz gibt es jährlich 70000 Babys, in Ägypten allein rund 2,5 Millionen. Verglichen mit anderen Anbietern wie Abbott oder Nestlé sind wir im internationalen Markt ein verhältnismässig kleiner Anbieter. Wir sind aber in einem hochdynamischen Geschäft tätig und rechnen mit starkem Wachstum. Pharmalys hat den Umsatz in den letzten drei Jahren jährlich stark gesteigert.

Wie lautet die Hochdorf-Strategie?

Wir wollen in Geschäftsfelder vorstossen, die höhere Margen ermöglichen. Wir stellen künftig auch Produkte her, für die wir zuvor nur Zulieferer waren – so zum Beispiel Schokolade. Wir sind in der Schweiz als Zulieferer für die Schokoladen­industrie die Nummer 1. Der Verkauf von Milchpulver ist jedoch ein Niedermargengeschäft. Das eigentliche Geld wird mit dem Endprodukt, der Schoggi, erzielt. Weil wir nicht mit unseren bestehenden Kunden in Konflikt treten wollen, wird un­sere Schoggi in Südafrika und ausschliesslich für den afrikanischen Markt pro­duziert.

Weshalb haben Sie sich gerade für Südafrika entschieden?

Südafrika ist zum Produzieren eines der sichersten Länder auf dem Kontinent. Zudem bietet das Land die richtigen Rahmenbedingungen und das nötige Personal. Unsere Schokolade heisst Afrikoa, hat mit afrikoa.com einen eigenen Internetauftritt und ist mit Verpackung und Werbung ganz auf Afrika ausgerichtet. Man sieht auf den ersten Blick nicht, dass Hochdorf hinter dem Produkt steht. Wir werben auch nirgends mit dem Schweizer Kreuz.

Warum verkaufen Sie den Afrikanern nicht Schweizer Schokolade?

Das machen schon andere. Allgemein gibt es in Afrika sehr wenige Produkte mit dem Vermerk «made in Africa». Dabei sind die Afrikaner sehr stolz auf ihre Herkunft. Wir sind überzeugt, dass wir eine Marktlücke füllen.

Und wie verkauft sich die Afrikoa?

Sehr gut. Unsere Nachfrage ist jetzt schon dreimal höher als unsere Produktionskapazität, wobei wir noch von einer kleinen Menge ausgehen. Soeben haben wir neue Maschinen bestellt, damit wir uns auf eine zehnmal höhere Produktionskapazität einstellen können. Das würde dann einen Jahresumsatz von rund 7 Millionen Franken bedeuten.

Haben Sie schon ein neues Projekt in dieser Art geplant?

Wir prüfen den Einstieg in den Bereich Sportlernahrung – Getränke auf Molkenproteinbasis oder Früchte- und Getreideriegel. Wir wollen die Erfahrung mit Afrikoa nutzen, um neue Produkte mit der nötigen Sorgfalt zu entwickeln. In Afrika haben wir von der Idee bis zur Produktion rund 600 000 Franken investiert. Das ist für die Neuentwicklung eines Konsumartikels ein tiefer Betrag, und die Risiken sind jederzeit überblickbar.

Sie produzieren auch in Deutschland Milchpulverprodukte. Wie lässt sich das mit der Swissness von Hochdorf vereinbaren?

Unsere Babynahrungsprodukte werden ausschliesslich in der Schweiz mit hie­siger Milch produziert – hierfür ist das Schweizer Kreuz auf der Verpackung wichtig. Unser grösstes Geschäft ist aber immer noch die Herstellung von Milchpulverprodukten für die Industrie. Hier sind wir auf einem weltweiten Markt tätig. Wollen wir da mit dabei sein, müssen wir aus der EU hinaus produzieren. Das Werk in Deutschland dient auch als Back-up zur Schweiz, weil wir nie wissen, was mit der hiesigen Milchwirtschaft passiert.

Der Milchpreise ist ein Dauerthema. Wie wird er sich entwickeln?

Der Rohstoffmarkt in der Milchwirtschaft schwankt stark. Diese Tendenz hat in den letzten Jahren sogar zuge­nommen. Aktuell gehe ich von einem wieder ansteigenden Milchpreis aus.

Wäre das ein Problem für die Marge von Hochdorf?

Nein, wir können die Milchpreisanpassungen relativ gut an unsere Industriekunden weitergeben. Auch bei der Babynahrung sind leichte Preiserhöhungen für uns verkraftbar, weil die Milch nur etwa 20 Prozent einer Rezeptur ausmacht. Klar, spüren wir das ein wenig, aber es schüttelt uns nicht durch. Grundsätzlich ist mir ein hoher Milchpreis lieber als ein tiefer, weil dann die Milch besser verfügbar ist. Für uns ist weitaus problematischer, wenn es zu wenig Milch gibt.

Chinesische Firmen haben es auf Schweizer Firmen abgesehen. Befürchten Sie nicht, dass Hochdorf ins Visier von Chinesen gerät?

Wir hatten schon Übernahmeangebote aus China, haben aber alle abgelehnt. Es lohnt sich für Chinesen nicht, uns zu kaufen, denn Hochdorf lebt von der Schweizer Identität. Konsumenten in China trauen den eigenen Babynahrungsmitteln nicht. Wir stellen heute schon fest, dass chinesische Mütter Babynahrung häufig auf europäischen Websites bestellen und nach Hause schicken lassen, um sicherzugehen, dass sie keine gefälschte Ware erhalten.

Hinweis

Thomas Eisenring (51) ist seit Juni 2013 CEO der Hochdorf-Gruppe. Der gebür­tige Zürcher absolvierte ursprünglich eine Lehre als Mechaniker, holte später die Matura nach und studierte an der Universität St. Gallen Wirtschaft. Hochdorf beschäftigt 625 Mitarbeiter. Der Milchverarbeiter ist an der Schweizer Börse kotiert.


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