Banken gehen wieder mehr Risiken ein

16. Juni 2017, 00:00

Hypotheken Die Sorgen der Nationalbank um die Stabilität des Schweizer Finanzsystems kreisen immer weniger um die Grossbanken. Stattdessen rücken die ausschliesslich im Inland tätigen Kreditinstitute in den Fokus. Der gestern in Bern vorgestellte jährliche Bericht zur Finanzstabilität verweist auf das anhaltend kräftige Wachstum der Hypothekarkredite dieses Bankensegments um über 4 Prozent im vergangenen Jahr. Die Kreditexpansion verläuft mehr als doppelt so schnell wie das Wirtschaftswachstum. Fritz Zurbrügg, der für das Stabilitätsthema zuständige Nationalbank-Direktor, sprach wie schon 2016 von «grossen Ungleichgewichten am Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt».

Gemäss dem Stabilitätsbericht gibt es Indizien, dass die Banken den Risikoappetit langsam aber stetig steigern. Der Anteil an neu vergebenen Krediten mit ausgereizter Tragbarkeit habe einen Höchststand erreicht. Raiffeisen, die grösste Hypothekenbank der Schweiz, hatte 2016 für Aufsehen gesorgt, als sie ein neues Kreditmodell auf den Markt bringen wollte. Das Modell sah einen kleineren Puffer für das Risiko eines starken Zinsanstieges vor. Dadurch wäre die Tragbarkeit für den Kreditnehmer gestiegen und Hypothekarkredite wären auch für Geringverdiener erschwinglicher geworden.

Mehr Ausnahmen bei Kreditvergabe

Vieles deutet darauf hin, dass das Raiffeisen-Modell Schule macht. Raiffeisen-Chef Patrick Gisel hatte im Februar erklärt, seine Bank werde bei Hypotheken künftig mehr Ausnahmen von den Tragbarkeitsregeln gewähren. Der steigende Risikoappetit der Banken ist eine Folge der schrumpfenden Zinsmargen. Die Institute versuchen, Ertragsausfälle durch Volumensteigerungen auszugleichen. Damit steigt das Verlustrisiko und der Bedarf an Kapitalreserven. Die Widerstandskraft der Banken ist laut Zurbrügg derzeit aber noch «angemessen». (dz)


Leserkommentare

Anzeige: