Die Zahl der Arbeitslosen sinkt

JOBMARKT ⋅ Die Arbeitslosenquote in der Schweiz ist im Mai recht deutlich gesunken. Das tut sie immer, wenn der Sommer naht. Doch auch die bessere Wirtschaftsentwicklung trug zu den positiven Zahlen bei.
09. Juni 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Die Arbeitslosenquote nähert sich dem Niveau der Zeit vor dem zweiten Frankenschock, an dessen Anfang vor zweieinhalb Jahren die Freigabe des Frankenkurses durch die Nationalbank gestanden hatte. Im Mai sank die Quote um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent (siehe Grafik). «In allen Branchen und Regionen hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Die Erholung ist breit abgestützt», kommentierte gestern Dora Makausz vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Mai-Zahlen.

Beim Seco ist man guter Dinge, dass es in diesem Stil weitergeht. Makausz: «Noch verläuft die Erholung vom Frankenschock sehr langsam. Wir rechnen aber mit einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums.» Das tun auch die Arbeitgeber, ihr Verband Economiesuisse gibt sich betont optimistisch (siehe Text unten). Nach Prognosen des Seco sinkt die durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit in diesem Jahr auf 3,2 Prozent. Im kommenden Jahr dürften es 3,1 Prozent werden (2016: 3,3 Prozent).

Saisonale Ursachen und Konjunktur helfen

Es hat freilich Tradition, dass im Mai jeweils weniger Arbeitslose bei den Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen RAV ein- und ausgehen. Aus saisonalen Gründen sinken die Arbeitslosenquoten in diesem Monat stets. Das war auch 2017 der Fall. «Das Baugewerbe und die Gastronomie stellen dann mehr Leute ein», erklärt Makausz. In diesen beiden Branchen ist die Arbeitslosigkeit gar um 8 Prozent zurückgegangen. Das kommt vor allem den Alpenregionen zugute.

Doch zum ersten Mal seit der Auf­hebung des Euro-Mindestkurses vor zweieinhalb Jahren ist der Rückgang der ­Erwerbslosenzahl auch auf ein anzie­hendes Wirtschaftswachstum zurück­zuführen. Etwa ein Sechstel der erfolgreichen Stellensuchen hat nach Einschätzung von Makausz konjunkturelle Gründe. In erster Linie in der Industrie scheint eine Wende im Gang zu sein, sie stellt wieder Personal ein. Davon pro­fitieren die Jungen unverzüglich. Makausz: «Jugendliche reagieren am schnellsten auf wirtschaftliche Trends.» Die Quote der arbeitslos gemeldeten 15- bis 24-Jährigen sank im Mai um satte 7,8 Prozent. Nimmt man den Vorjahres­monat zum Massstab, summiert sich der Rückgang sogar auf mehr als 10 Prozent. Noch immer sind knapp 15 000 Jugendliche und junge Erwachsene ohne Job. Die Quote liegt mit 2,7 Prozent aber doch unter dem Durchschnitt von 3,1 Prozent.

Ältere Arbeitnehmer profitieren noch nicht

Kaum Bewegung ist hingegen bei den älteren Arbeitslosen ab 50 Jahren auszumachen. Auch bei dieser Altersgruppe liegt die Arbeitslosenquote zwar unter dem Durchschnitt, doch die neue Dynamik des Arbeitsmarktes hinterliess bei ihr noch kaum Spuren. Bei den registrierten Arbeitslosen, die schon länger als ein Jahr auf Stellensuche sind, stieg ihr Anteil sogar leicht auf über 44 Prozent an. Allerdings nicht, weil in dieser Altersgruppe im Mai die Zahl der Langzeitarbeitslosen zugenommen hätte, sondern weil sie stagniert und gleichzeitig bei den andern Altersgruppen stärker rückläufig ist. «Die gute Wirtschaftsentwicklung wirkt sich zwar auch für die älteren Arbeitslosen aus, aber nicht im gleichen Ausmass», sagte Makausz. Bei ihnen daure es länger, bis sie von einem wirtschaftlichen Aufschwung profitieren und eine neue Stelle finden könnten. Dies sei ein bekanntes Phänomen.

Die Arbeitslosenzahlen vom Mai entsprechen gemäss Makausz den Erwartungen der Arbeitsmarktfachleute des Seco. Sie gingen bereits im März davon aus, dass die Arbeitslosenquote langsam sinken werde. Ende Mai waren in der Schweiz 139 778 Personen als arbeitslos registriert. Das sind 6549 Personen weniger als im April.


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