Enge Verflechtungen mit den Katarern

KATAR ⋅ Der Golfstaat unterhält enge wirtschaftliche Verbindungen zur Schweiz. Diese führen vom Bankensektor bis hin zur Hotellerie. Durch die Nähe wollen sich die Scheichs vor einem Sanktionsregime schützen.
07. Juni 2017, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Die arabische Koalition der Golfstaaten versucht, ihr Mitglied Katar politisch und wirtschaftlich zu isolieren. Der Vorwurf, das Land finanziere den Terrorismus und leiste mit seiner Unterstützung für den Iran der Verbreitung von «Chaos» Vorschub, wiegt schwer. Ob er über die regionalen Sanktionen im Nahen Osten hinaus Folgen haben wird, muss sich noch weisen. Ein ehemaliger Schweizer Spitzendiplomat zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung skeptisch. Für ihn ist es «unwahrscheinlich», dass sich die Völkergemeinschaft im UNO-Sicherheitsrat einstimmig auf ein Sanktionsregime gegen Katar einigen werde.

Das Land ist wirtschaftlich extrem global vernetzt und erfüllt auch militärisch und politisch eine wichtige regionale Brückenfunktion für die westliche Welt. Sollten die Vereinten Nationen wider Erwarten doch Sanktionen gegen Katar beschliessen, wäre die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, diese umzusetzen. Zudem prüfe der Bundesrat die Übernahme von Sanktionen der EU im Einzelfall im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung, hiess es auf Anfrage beim Staatssekretariat für Wirtschaft.

Katarer besitzen 5 Prozent der Credit-Suisse-Aktien

Sanktionen könnten unter anderem die Eigentumsrechte der Katarer an der Credit Suisse tangieren. Der Golfstaat ist mit 5 Prozent einer der grössten Aktionäre bei der Grossbank (siehe Tabelle). Zudem haben die Scheichs dem Institut 1,7Milliarden Dollar und 2,5 Milliarden Franken in Form sogenannter Pflichtwandelanleihen (Coco) ausgeliehen. Diese Anleihen sind so ausgestaltet, dass sie sich im Krisenfall in Aktien verwandeln. Für die Inkaufnahme dieses Risikos werden die Gläubiger reichlich entschädigt.

Die Anleihen werden zu 9,5 Prozent beziehungsweise zu 9 Prozent im Jahr verzinst. Die Bank überweist somit jährlich umgerechnet 388 Millionen Dollar nach Katar, wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage erklärte. Dazu kommen die Dividenden, die nochmals mehr als 50 Millionen Franken erreichen können. Über die Anleihen besitzen die Investoren aus dem Nahen Osten auch zusätzliche Erwerbsrechte am Aktienkapital von bis zu 12,96 Prozent. Im grossen Stil waren die Scheichs im Herbst 2008 bei der Credit Suisse eingestiegen. Damals war es für die Credit Suisse darum gegangen, die Bank vor einer staatlichen Rettungsaktion zu bewahren.

Die Verbindungen zwischen der Credit Suisse und dem kleinen, aber reichen Golfstaat gehen bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrzehnts zurück. Inzwischen wird indessen gemunkelt, dass die Leitung zwischen Doha und Zürich stockt. So ist im Frühjahr mit Jassim Al Thani der Vertreter der katarischen Herrscherfamilie aus dem Credit-Suisse-Verwaltungsrat zurückgetreten. Eine offizielle Begründung dazu gab es nicht. Der Scheich ist erst 35 Jahre alt. Die Banksprecherin betonte auf Anfrage, die Beziehung zu den Grossaktionären aus Katar seien gut und nicht abhängig von einer Vertretung im Verwaltungsrat.

Die Schweiz mit ihren zahlreichen internationalen Unternehmen bietet für die Investoren aus dem Golfstaat aber auch über den Bankensektor hinaus ein naheliegendes Betätigungsfeld. So sind die Katarer mit einem Aktienanteil von 8,5 Prozent die grössten Aktionäre beim Rohstoffhändler Glencore. Die Scheichs hatten diese Beteiligung 2012 gegen ihren Anteil am Bergbauunternehmen Xstrata eingetauscht. Glencore-Chef und Grossaktionär Ivan Glasenberg wollte durch die Fusion mit Xstrata um jeden Preis in die Liga der grössten Rohstoffproduzenten und -händler aufsteigen. Die Katarer entlarvten die Absicht des Südafrikaners und pochten auf eine Nachbesserung der Umtauschbedingungen. In der Folge geriet die hoch verschuldete Glencore in Schwierigkeiten.

Doch die Katarer wirken in der Schweiz auch andernorts als stille Grossinvestoren mit. Beim Duty-Free-Händler Dufry gehören sie mit einem Aktienanteil von 6,9 Prozent zu den grössten Eigentümern. Und in der Schweizer Luxushotellerie spielen die Scheichs gleich an mehreren Orten die erste Geige. Allen voran in der Zentralschweiz. Das Bürgenstock-Resort hoch über dem Vierwaldstättersee soll nach Abschluss des gigantischen Neubaus mit Kosten von über 500 Millionen Franken in diesem Sommer eröffnet werden. In Bern haben die Katarer schon vor einiger Zeit das traditionsreiche Hotel Schweizerhof übernommen und für 45 Millionen Franken restauriert. Auch am Genfersee (Lausanne) wird man im «Royal Savoy» Gast der Hoteliers aus dem Nahen Osten.


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