Fensterbauer streben an die Spitze

HOCHDORF ⋅ Der Fenster- und Fassadenspezialist 4B hat 13 Millionen Franken in seine Produktionsstätte in Hochdorf investiert. Jetzt fasst das Unternehmen in der Westschweiz und in St. Gallen Fuss. Ziel von 4B ist es, die Nummer eins im Fenstergeschäft zu werden.
27. Juni 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Es ist etwas los in den Werkhallen von 4B. Hunderte von Fensterrahmen stehen in verschiedenen Farben bereit, um mit Glas versehen zu werden. Die Mitarbeiter wirken in den riesigen Hallen in Hochdorf fast etwas verloren, doch jeder scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Die Arbeitsschritte greifen präzis ineinander, es herrscht eine Atmosphäre der Konzentriertheit. Auf den Bildschirmen der Maschinen tauchen für Laien rätselhafte Zahlenreihen und Abkürzungen auf und verschwinden wieder.

«Wir haben mit unseren Investitionen einen grossen Schritt in Richtung industrialisierte Produktion getan», sagt Geschäftsführer Bernhard Merki. Der 55-Jährige leitet seit Anfang 2014 das Tagesgeschäft des Familienunternehmens mit mehr als 600 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 170 Millionen Franken. Er kam aus der Maschinenindustrie und ist der erste CEO in der 121-jährigen Firmengeschichte, der nicht der Besitzerfamilie Bachmann angehört. Sein Vorgänger Mark Bachmann sowie dessen Brüder Otto und Ivo Bachmann gehören aber nach wie vor dem Verwaltungsrat an.

Einfachere Führungsstruktur

Der personelle Wechsel an der Firmenspitze bot den Anlass, die Strategie neu zu formulieren. Das neue Ziel der Firma ist ambitiös: Bis in drei Jahren will 4B Marktführer in der schweizerischen Fenster- und Fassadenbranche sein. Heute gilt EgoKiefer von der Arbonia-Gruppe als Branchenleader im Land. Um mit den schrumpfenden Margen besser zurechtzukommen, verlegen die Ostschweizer einen Teil ihrer Produktion ins Ausland. Nach 4B als Nummer zwei folgen mit einigem Abstand Baumgartner Fenster in Hagendorn und Swiss Windows der Swisspor-Gruppe von Bernhard und Georges Alpstaeg auf den Plätzen drei und vier. Hinzu gesellen sich mehrere hundert regional und lokal tätige Betriebe. 4B ist heute bereits führend in der wichtigen Region Zürich und in der Zentralschweiz.

Für den Weg an die Spitze haben sich die Hochdorfer strukturell, innerbetrieblich und geografisch neu aufgestellt. Strukturell hat die Firmenführung die Gesellschaften 4B Fenster, 4B Fassaden und Kronenberger zu einer einzigen Aktiengesellschaft mit der Markenbezeichnung 4B zusammengeschlossen. Merki: «Die Führungsstruktur ist nun einfacher, Entscheide lassen sich schneller umsetzen.» Innerbetrieblich wurden unter Merkis Regie die Arbeitsabläufe des aus einer Schreinerei hervorgegangenen Fenster- und Türenherstellers gestrafft. Um Abläufe hinzubekommen, bei denen die Arbeitsgänge möglichst nahtlos ineinandergreifen, investierte 4B in den zurückliegenden beiden Jahren 13 Millionen Franken in die Produktionsanlagen. Eine neue Werkhalle für Fenster mit Metallrahmen wurde vor einem halben Jahr bezogen, die Farbbesprühung der Produkte auf den neusten Stand gebracht und eine klimaneutrale Holzschnitzelheizung eingerichtet. Geschäftsführer Bernhard Merki erklärt: «Wir bekennen uns zum Standort Schweiz. Doch um hier Erfolg zu haben, muss der Herstellungsprozess äusserst effizient sein.»

Fensterpreis sackte in drei Jahren um einen Fünftel ab

Das ist erst recht mit Blick auf die schmelzenden Margen in der Branche notwendig. Obwohl im Wohnungsbau der Konjunkturmotor wegen des Anlagenotstands nach wie vor brummt, gerieten die Fensterpreise allein in den zurückliegenden drei Jahren um 20 Prozent ins Rutschen. Die Einbusse machte 4B mit mehr verkauften Produkten wett. «Während der langen Boomphase bauten die Baufirmen und ihre Zulieferer aus. Nun haben wir Überkapazitäten», sagt Merki. Immerhin: Für dieses Jahr sind die Hochdorfer Fensterbauer mit Arbeit eingedeckt, und auch für das kommende Jahr zeichnet sich eine gute Auftragslage ab. Geografisch dringt 4B in Regionen vor, die auf der Karte des Unternehmens bislang weisse Flecken bildeten. Da ist zum einen die Westschweiz: In Crissier im Kanton Waadt sowie in Genf sind die Aussenstellen Nummer zehn und elf entstanden. «Das Geschäft entwickelt sich in der Romandie erfreulich», so Merki. Als Nächstes hat er St. Gallen im Visier, das Stammland von Branchenprimus EgoKiefer.

Entscheidend im Wettbewerb sind indes die Produkte. Wer in einem Markt mit sinkenden Preisen zulegen will, muss Ware herstellen, die mehr bietet als diejenige der Mitbewerber. Nur so lassen sich anständige Preise rechtfertigen. Etwa 3 Prozent des Umsatzes – also mehr als 5 Millionen Franken – steckt 4B dieses Jahr in die Entwicklung. Acht Tüftler gehen neuen Ideen nach und verbessern die Produkte. Aus ihrer Ideenküche stammt die Hebe-Schiebetüre, die sich schnell nach der Lancierung vor mehr als zwei Jahren zum Verkaufsschlager entwickelt hat. Merki: «Wir verzeichnen bei den Schiebetüren eine Zuwachsrate von 40 Prozent.» Sie sind auch mit einem elektrischen Antrieb zu haben und eignen sich wegen der niveaulosen Schwellen besonders für Alters- und Pflegeheime oder Spitäler.

Innovatives kommt auch oft bei der Suche nach Lösungen zu Stande, wenn Kunden und Architekten spezielle Produkte oder Dienstleistungen brauchen. Um erfolgreich zu entwickeln und gleichzeitig auszubauen, sind erstens Geld und zweitens ein langer Atem notwendig. «Ein Familienunternehmen ist dabei sehr hilfreich. Es hat in der Vergangenheit äusserst gut gewirtschaftet. Davon profitieren wir heute», sagt Merki.


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