Hug zieht die Produktion zusammen

MALTERS ⋅ Der Guetzli-Hersteller schliesst bis 2021 die Produktion von Wernli im solothurnischen Trimbach. Die Arbeitsplätze werden nach Malters verschoben, wo das Unternehmen 50 Millionen Franken investiert.
08. Juni 2017, 00:00

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

2021 geht in Trimbach, Kanton Solothurn, ein Stück Wirtschaftsgeschichte zu Ende. Die Guetzli-Grossbäckerei Wernli, die dieses Jahr das 90-Jahr-Jubiläum feiert, verlässt dann den Kanton Solothurn in Richtung Zentralschweiz. Der Luzerner Guetzli-Hersteller Hug, seit 2008 Besitzer von Wernli, verschiebt die Produktion und die 136 Angestellten (126 Vollzeitstellen) an den Hauptstandort Malters. «Mit diesem Schritt können wir die beiden Hauptproduktionsstandorte in der Zentralschweiz zusammenführen und dank der entstehenden Synergien unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig steigern», erklärt Hug-Präsident Werner Hug.

Hug möchte möglichst viele Mitarbeitende von Trimbach nach Malters mitnehmen. «Mit der frühzeitigen Ankündigung der Zusammenführung wollten wir es den Mitarbeitenden ermöglichen, ihre berufliche Zukunft zu planen», sagt er. Der Transfer von Trimbach nach Malters findet frühestens im Jahr 2020 statt. Dennoch ist sich Hug dessen bewusst, dass nicht alle Angestellten den längeren Arbeitsweg – mit dem Auto dauert die Fahrt von Trimbach nach Malters rund eine Stunde – in Kauf nehmen werden. Zudem dürften aufgrund von Synergien «mindestens 15 Stellen» wegfallen. Während der dreijährigen Realisierungsphase sollen anstehende Pensionierungen und berufliche Neuausrichtungen dazu genutzt werden, dass es zu keinen oder nur zu vereinzelten Kündigungen kommen wird.

Die Gebäude in Trimbach sind in die Jahre gekommen

Man habe verschiedene Optionen geprüft bei der Zusammenlegung der Produktion, vieles habe aber für Malters gesprochen. «Die Bausubstanz der Gebäude in Trimbach ist alt, eine Sanierung hätte viel gekostet», sagt Hug. Zudem befindet sich die Produktion mitten in der 6000-Einwohner-Gemeinde. «Die Ausgangslage in Malters ist viel besser. Wir können unsere Produktion problemlos erweitern», so Hug. Noch gebe es erst ein Vorprojekt, doch geplant sei ein seitlicher Anbau an die bestehenden Produktionsgebäude im Industriegebiet von Malters. «Für die Gebäude und die In­fra­struktur investieren wir rund 50 Millionen Franken», sagt Hug.

Dass Hug die Zentralisierung der Produktion aufgrund des wirtschaft­lichen Drucks vollzieht, verneint Werner Hug. «Wir hatten 2016 eines der besten Jahre unserer Firmengeschichte», sagt er. Der Umsatz ist um 3,2 Prozent auf 113,5 Millionen Franken gestiegen (siehe Grafik). «Im laufenden Jahr verzeichnen wir erneut ein Wachstum von rund 4 Prozent», so Hug. Auch die Gewinnmargen hätten sich verbessert, sagt er. Das Unternehmen, das keine Gewinnzahlen veröffentlicht, habe sich von den beiden Frankenschocks 2011 und 2015 definitiv erholt. «Wir ernten nun die Früchte für unsere strategischen Justierungen», sagt Hug. Aufgrund der Frankenstärke habe der Guetzli-Hersteller nicht rentable Umsätze abgebaut und verstärkt auf Marken- und Gastroprodukte gesetzt. «Unsere Gastro-Tarte­lettes sind ein grosser Erfolg», sagt Hug. Kein Thema sei eine Änderung der Produktion der Willisauer Ringli in Willisau. «Am Standort Willisau ändert sich nichts. Aufgrund des Markenschutzes ist die Produktion der Willisauer Ringli an Willisau gebunden», betont Hug. Aktuell beschäftigt die Hug AG an den Standorten Malters, Willisau und Trimbach rund 380 Mitarbeitende.

«Schwerer Schlag» für Trimbach

Seit der Übernahme durch Hug im Jahr 2008 ist die Zahl der Wernli-Vollzeit­angestellten in Trimbach von gut 180 auf 136 zurückgegangen. Für die Solothurner Gemeinde sei der Wegzug von Wernli dennoch «ein schwerer Schlag», sagt Gemeindepräsident Ernst Tanner. Die Wernli-Guetzli seien eng mit der Gemeinde verknüpft. «Die Produktion liegt mitten im Dorf, und auf dem Hügel erinnert die Wernli-Villa an den Firmengründer Friedrich Johann Wernli-Studer», sagt Tanner. Zudem verliert Trimbach einen der grössten Arbeitgeber. Neben Wernli stellt unter anderem die Firma Nussbaum Armaturen in Trimbach her, und auch die Dachfensterproduzentin Velux ist vor Ort präsent.

Das Areal in Trimbach wird Hug nach dem Transfer der Produktion nach Malters verkaufen. «Wir werden nicht ins Immobiliengeschäft einsteigen», sagt Werner Hug.

«Am Standort Willisau ändert sich nichts.»

Werner Hug

Verwaltungsratspräsident Hug AG


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