«Informatik treibt das Wachstum an»

ENERGIE ⋅ CKW-Chef Felix Graf erklärt, warum sich der Stromproduzent eine neue Markenstrategie gibt. Der Zürcher hat klare Vorstellungen darüber, welche Rolle die CKW angesichts schrumpfender Energiepreise künftig haben werden.
22. Juni 2017, 00:00

Interview: Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Felix Graf, die CKW haben im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch erlitten. Im Bereich Energie sank der Betriebsgewinn gar um 90 Prozent. Was ist passiert?

Als Stromproduzent leiden wir darunter, dass die Energiemarktpreise seit mittlerweile acht Jahren rückläufig und für uns nicht mehr kostendeckend sind. Seit dem Frühjahr 2016 findet aber eine leichte Erholung statt. Heute verdienen wir pro Megawattstunde immerhin fast 10 Franken mehr als noch vor einem Jahr. Das Preisniveau bleibt aber sehr tief, das zeigt sich am stärksten im Bereich Energie, wo alle Kraftwerke angesiedelt sind.

Müssen Sie zur Kompensation die Preise für die Endkunden erhöhen?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die Tarife für das nächste Jahr müssen jeweils bis zum 31. August kommuniziert werden. Dafür ist es jetzt noch zu früh.

Im letzten Geschäftsjahr mussten Sie Dutzende Jobs streichen. Ist dieses Jahr wieder ein Abbau geplant?

Es ist unsere Pflicht, ständig die Effizienz zu steigern. Derzeit steht aber keine Restrukturierung an, im Gegenteil: Es gibt Bereiche, wo wir händeringend nach Personal suchen. Wir können auch gewisse Lehrstellen nicht besetzen.

In welchen Bereichen suchen Sie Personal?

Zum Beispiel im Bereich Informatik. Hier sind wir in den letzten Jahren stark gewachsen. In diesem Sektor herrscht aber ein Fachkräftemangel. Wir könnten noch stärker wachsen, wenn wir mehr Leute einstellen könnten. Der ICT-Bereich ist ein schöner Wachstumstreiber. Auf moderatem Niveau zwar, aber profitabel. Wir installieren bei Geschäftskunden Telefonielösungen, bieten IT-Sicherheitsdienstleistungen an und haben ein gut gefülltes Datenzentrum. Die Bereiche Energie, Netze und Installation ­werden starke Standbeine bleiben. Neue Geschäftsfelder, zu denen auch ICT zählt, werden aber schon bald zweistellige Millionenbeträge pro Jahr zum Betriebsgewinn beitragen.

Werden Sie im zweiten Halbjahr wie schon letztes Jahr den Wert Ihrer Anlagen nach unten korrigieren müssen?

Dank der leichten Erholung des Strompreises hat sich zumindest die Wahrscheinlichkeit etwas verringert. Eine Anlage ist heute mehr wert als vor einem Jahr. Kraftwerke haben aber eine Lebensdauer von bis zu 80 Jahren. Jetzt muss man sich natürlich die Frage stellen, wie sich der Preis weiterentwickeln wird. Hinzu kommen weitere Effekte. Wenn zum Beispiel US-Präsident Donald Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen vorantreibt, hat dies Auswirkungen auf den Strompreis. Kurzum: Ich kann nicht ausschliessen, dass es in diesem Jahr zu weiteren Wertberichtigungen kommt.

Welche Trends sehen Sie im Energiegeschäft?

Einerseits sehen wir einen Boom bei den Erneuerbaren. Solarpanels, Batterien und Windanlagen werden billiger, während Kernenergie tendenziell teurer wird. Wir gehen schon seit Jahren im Einklang mit der nun vom Volk angenommenen Energiestrategie den Weg der Erneuerbaren. Damit verbunden ist eine Dezentralisierung. Früher wollten wir bis zur Steckdose des Kunden die ganze Wertschöpfung abdecken. Das wird in Zukunft nicht mehr so sein, denn der Kunde ist als Besitzer seines Hauses der bessere Investor für seine Fotovoltaikanlage, als dies eine externe Firma je sein könnte.

Wozu braucht es denn künftig noch die CKW?

Wir sorgen dafür, dass die verschiedenen Systeme richtig vernetzt sind und bieten den Kunden Dienstleistungen rund um die Energie an. Beispielsweise mit unserem Smart-Energy-Portfolio: Von der eigenen Stromerzeugung, der Speicherung, der Elektromobilität bis hin zur kostengünstigen Wärmeerzeugung decken wir sämtliche Kundenbedürfnisse ab. Herzstück bildet eine intelligente Steuerung, die es ermöglicht, den Eigenverbrauch von selbst produziertem Solarstrom via Web oder Smartphone-App zu optimieren und zu überwachen. Es wird auch in Zukunft einen Dienstleister brauchen, der diese Vernetzung aus einer Hand orchestriert. Das ist mit ein Grund für unsere neue Markenstrategie.

Per heute vereinen Sie die drei Marken CKW, CKW Conex und CKW Fiber Services unter der Dachmarke CKW. Was bringt der Zusammenschluss der drei Gesellschaften ?

Das erläutere ich am besten mit einem Beispiel: Wenn Sie zu Hause für Ihr Elektroauto eine Ladestation einrichten wollen, ist nicht klar, ob Sie zur CKW Conex oder zur CKW gehen sollen. Wir wollen den Kunden nicht mehr unsere organisatorische Komplexität aufbürden, sondern es ihnen so einfach wie möglich machen. Wir wollen, dass Kunden möglichst einfach mit uns in Dialog treten können. Bisher haben wir uns nach Technologie ausgerichtet, aber die Technologien wachsen zunehmend zusammen. Darum richten wir uns jetzt nach dem Kundenbedürfnis.

Das haben Sie bislang nicht gemacht?

Natürlich, aber die neue Markenstrategie dient einer gewissen Vereinfachung für die Kunden. Die Energiewelt wird immer komplexer. Viele Kunden sind damit überfordert. Die rund 40 Standorte der CKW bleiben dabei übrigens erhalten. Es entfallen keine Stellen aufgrund der Neuausrichtung.

Zur Person

Felix Graf (50) ist seit 1. Februar 2014 CEO der CKW. Der Zürcher ist auch Mitglied der Konzernleitung des Mutterkonzerns Axpo.


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