Maxon Motor wächst zum Weltkonzern

SACHSELN MIT MINIMOTOREN FÜR MARSROBOTER SORGTE DER GRÖSSTE ARBEITGEBER OBWALDENS FÜR SCHLAGZEILEN. DOCH DAS FAMILIENUNTERNEHMEN DRINGT IN IMMER NEUE BRANCHEN UND ABSATZMÄRKTE EIN. AUCH AUF DEM BIKE ODER BEIM ZAHNARZT TRIFFT MAN AUF HIGHTECH VON MAXON MOTOR. ⋅
29. Juni 2017, 00:00

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Als Meilenstein bezeichnet Karl-Walter Braun das Geschäftsjahr 2016. Den Ausdruck wählt der Eigentümer von Maxon Motor aber nicht, weil das Technologieunternehmen mit Sitz im beschaulichen Sachseln umsatzmässig zulegen konnte (siehe Kasten). «Zum ersten Mal in der Geschichte von Maxon beschäftigen wir mehr Personen im Ausland als bei uns in der Schweiz», erklärte Karl-Walter Braun an der gestrigen Medienkonferenz in Sachseln. 2016 wuchs der Personalbestand um knapp 10 Prozent auf rund 2500 Personen. Während hierzulande nur wenige Mitarbeiter hinzukamen, erhöhte sich die Belegschaft im Ausland um einen Viertel. 1200 Mitarbeiter zählt Maxon in Sachseln, 1300 an den Standorten in Ländern wie Deutschland, Holland, Ungarn, Südkorea und den USA.

«Wir sind kein klassischer Schweizer Industriebetrieb mehr, der vom Werkplatz Schweiz aus in die ganze Welt exportiert», sagte Karl-Walter Braun. Vielmehr entwickle sich Maxon hin zu einem weltweit tätigen Konzern, der mehr und mehr international geprägt sei, «dessen Herz aber nach wie vor in Obwalden schlägt». Das Oberhaupt des Familienunternehmens erläuterte, dass man sich zwar vom Frankenschock 2015 erholt habe, die «zu starke Währung – speziell gegenüber dem Euro – ist aber Grund, verstärkt im Ausland zu wachsen». Würde man für die Produktion nicht vermehrt aufs Ausland setzen, wäre man dem Untergang geweiht, sagte der Firmenpatron. «Mit einer dezentralen Produktions- sowie Forschungs- und Entwicklungsstruktur können wir rechtzeitig Lösungen für unsere Kunden in den jeweiligen Ländern anbieten.»

30 Millionen Franken werden in Sachseln investiert

Das Auslandengagement von Maxon führe nicht zu einem Stellenabbau in Sachseln, wie es heisst. Vielmehr bedinge es ein Umdenken und Anpassen, präzisierte Karl-Heinz Braun: «Hier verschiebt sich der Personalbestand verstärkt von den direkt-produktiv tätigen Mitarbeitern hin zum indirekt-produktiven Bereich, also zu Tätigkeiten wie Forschung und Entwicklung, Verkauf, Marketing usw.» 2016 wurden in Sachseln 10 Millionen Franken investiert, und Anfang Jahr fand der Spatenstich zum Erweiterungsbau statt, wie CEO Eugen Elmiger sagte. Total werden beim Bau des neuen Innovationscenters für die Medizintechnik 30 Millionen Franken investiert. Sechs Etagen umfasst das Gebäude, das 350 Personen Platz bieten wird.

Bei Maxon Motor sind alle Weichen auf Wachstum gestellt, denn das Unternehmen dringt mit seinen Produkten in immer neue Geschäftsbereiche vor. Neben Minimotoren für die Raum- und Luftfahrt (u.a. Mars-Fahrzeug, Autopiloten) sowie die Medizinaltechnik (Prothesen, Pumpen) produziert Maxon auch für den Schiffbau, die Logistikbranche, die Unterhaltungsindustrie, die E-Mobilität oder den Roboterbau. So werden beispielsweise in Theatern Maxon-Motoren bei der Bühnenbeleuchtung eingesetzt. 20 neue Produkte entwickelt das Unternehmen jedes Jahr, «über 100 innovative Kundenlösungen sind zurzeit in der Planung», verriet Eugen Elmiger.

Hohe Verarbeitungsqualität, Präzision, Zuverlässigkeit und Spezialmaterialien seien die Merkmale der Maxon-Produkte, sagte CEO Elmiger: «Der Massenmarkt für Konsumgüter – Motoren für elektrische Zahnbürsten beispielsweise – ist für uns kein Thema.»

Längst sind es aber nicht nur Motoren, die Maxon herstellt. Maxon liefert etwa auch Keramikteile an die Uhrenindustrie. «Diesen Bereich bauen wir aus», verriet Eugen Elmiger. Anfang Jahr habe man mit dem Dentaltechnikunternehmen Straumann ein Joint-Venture abgeschlossen. Elmiger: «Wir produzieren künftig gemeinsam Keramikimplantate für Zahnärzte.» Ein vielversprechender Wachstumsmarkt, freut sich der CEO. Als solchen sieht er auch die E-Mobilität. Seit etwas mehr als zwei Jahren entwickelt Maxon ein Antriebssystem, das auf ein gewöhnliches Mountainbike montiert werden kann «und dieses zum E-Bike macht», so Elmiger. Dafür arbeitet Maxon mit bekannten Veloherstellern zusammen. Die E-Bikes mit Maxon-Motoren werden bereits von Obwalden Tourismus eingesetzt.


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