Kommentar

Passiv, aber wachsam

09. Mai 2017, 00:00

Ein Profi-Investor und ein Affe messen sich beim Geldanlegen. Der Investor sucht die besten Aktien nach fachmännischen Kriterien, und der Affe wählt seine Titel, indem er mit Dartpfeilen auf den Kursteil der Zeitung wirft. Es gewinnt der Affe beziehungsweise der Zufall. Die Finanzmärkte sind so effizient, dass sie auch einem ausgefuchsten Profi keinen Informationsvorteil in der Titelauswahl zugestehen. So will es die Theorie, die derzeit auch in den Märkten einen Siegeszug feiert. Fast 30 Prozent der weltweiten Anlagegelder sind bereits passiv investiert. Statt selber aktiv Titel auszuwählen, kaufen Fondsmanager einfach ganze Märkte oder Indizes. Es heisst, diese Strategie koste weniger und sei erfolgreicher. Doch das ist nicht die ganze Weisheit. Gerade der Schweizer Aktienmarkt­index zeigt, dass ein Investor beträcht­liche Risiken eingeht, wenn er im Schlafwagen mitfährt. Wer den Swiss Market Index kauft, investiert zwar in 20 verschiedene Titel. De facto aber konzentrieren sich 60 Prozent der Investition auf Nestlé, Novartis und Roche. Zwei davon sind Pharma-Aktien mit ähnlichem Risikoprofil. Wer in den goldenen Zeiten von Nokia alle Eier in den finnischen Aktienmarkt legte, erlebte nach dem Einbruch des Handy-Herstellers sein blaues Wunder. Passives Anlegen mag sinnvoll sein, aber es entbindet nicht vor der eigenen Verantwortung, Klumpenrisiken zu erkennen und zu vermeiden oder eben auch bewusst einzugehen.

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@ luzernerzeitung.ch


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