Suva baut finanzielles Polster aus

UNFALLVERSICHERUNG ⋅ Der Suva gelang es, ihre milliardenschweren Reserven weiter auszubauen. Für 2016 weist sie einen Gewinn von 32,2 Millionen Franken aus. Die Zahl der Unfälle an den Arbeitsplätzen und in der Freizeit nahm leicht ab.
10. Juni 2017, 00:00

Rainer Rickenbach

rainer.rickenbach@luzernerzeitung.ch

Der grösste Schweizer Unfallversicherer befindet sich in einer beneidenswerten finanziellen Verfassung. Er erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 32,2 Millionen Franken. Im Vorjahr hatte er noch einen Verlust von 20,7 Millionen Franken geschrieben. Würde die Suva nicht überflüssige Ausgleichsreserven von knapp 45 Millionen Franken auflösen und als einmalige Prämien­rabatte an einen Teil der versicherten Firmen weiterreichen, summierte sich der Gewinn gar auf mehr als 77 Millionen Franken.

Etwa 30 Prozent der versicherten Firmen und Mitarbeitenden kommen in den Genuss des Prämienrabattes. «Damit gelingt es uns ein weiteres Mal, den Werkplatz Schweiz finanziell zu entlasten», sagte der Geschäftsleitungsvorsitzende Felix Weber gestern am Medientermin in Luzern. Die Suva ist Teilmonopolistin, sie bietet die obligatorische Unfallversicherung in der Industrie und in der Landwirtschaft an. 127 900 Unternehmen mit 1,99 Millionen Beschäftigen sind bei ihr versichert. Die Suva betreibt auch die Militärversicherung.

Suva bekommt den Umbruch in der Arbeitswelt zu spüren

Der Gewinn allein sagt indes noch wenig über die finanzielle Robustheit des Unfallversicherers aus. Beeindruckender ist das Anlagevermögen von 48 Milliarden Franken. Aus dem Vermögen schaute im vergangenen Jahr eine Rendite von stolzen 4,1 Prozent heraus. Das meiste davon kam den Reserven zugute. Der Deckungsgrad kletterte dadurch im zurückliegenden Jahr auf 135,9 Prozent und lag Ende Mai sogar bei 139,5 Prozent. Das nicht gewinnorientierte Versicherungsunternehmen in Bundesbesitz hat also mehr als einen Drittel mehr Vermögen, als für seine absehbaren Verpflichtungen notwendig sind. «Die Suva braucht diese Reserven, denn die Welt ist heute wirtschaftlich, finanziell und politisch unsicher», sagte Finanzchef Ernst Mäder. Mit grossen Risiken verbunden sei in erster Linie der Ausstieg aus der historischen Tiefzinsphase.

Aber auch in ihrem Kerngeschäft sieht sich die Suva mit Unwägbarkeiten konfrontiert. Der rasante technologische Wandel lässt halbe Branchen wegbrechen, die traditionell Kunden beim Unfallversicherer stellen. Gleichzeitig entstehen neue Berufszweige wie zum Beispiel der Taxidienst Uber, dessen Versicherungsstatus unklar ist. Bei Uber werden nun die Gerichte klären müssen, ob die Fahrer als Selbstständigerwerbende gelten. Rückläufig ist die Zahl der Versicherten in erster Linie in der Landwirtschaft, in der gebeutelten Branche Pa­pier, Druckerei, Medien sowie in der Maschinen- und Metallindustrie. Mäder: «Auch wenn die Probleme dieser Wirtschaftszweige in der Arbeitslosenstatistik keinen starken Niederschlag finden: Es herrscht nicht einfach Friede, Freude, Eierkuchen in den Wirtschaftszweigen, in denen unsere Kunden tätig sind.» Für einen gewissen Ausgleich sorgen immerhin die Chemie und die Pharma; sie wachsen kontinuierlich und schaffen Arbeitsplätze.

Unfallvermeidung: Die Lehrlinge sind im Fokus

Die Zahl der Unfälle war im vergangenen Jahr sowohl an den Arbeitsplätzen als auch in der Freizeit (siehe Grafik) leicht rückläufig. Nach wie vor stellen Stolper- und Sturzunfälle das grösste ­Risiko dar, und beim Freizeitsport gehen beim Fussball die meisten Knochen in Brüche. «Wir haben die Vision entwickelt: Suva macht Arbeit und Freizeit sicher. Das geht nur über noch mehr Präventionsarbeit», sagte der Geschäftsleitungsvorsitzende Weber. Besonders im Blick haben die Vorbeugungsfachleute die Lehrlinge. Jeder achte Lernende verunfallt am Arbeitsplatz, in der Freizeit sind es doppelt so viele. Die Suva gab im zurückliegenden Jahr über 100 Millionen Franken für Präventionsarbeit aus.


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