Swiss Market Index kommt unters Messer

BÖRSE ⋅ Der SMI ist als Referenzindex für ein diversifiziertes Aktienportefeuille unmöglich geworden. Nun hat der Börsenbetreiber reagiert. Davon werden die Kleineren profitieren.
09. Mai 2017, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

An der Börse werden die Karten neu gemischt: Der Swiss Market Index (SMI) soll ausgeglichener werden. Eine am 18. September in Kraft tretende Reglementsänderung sieht eine Begrenzung des maximalen Indexanteils (Gewicht) pro Titel bei 18 Prozent vor, kündigt die Index-Promotorin und Börsenbetreiberin Six Swiss Exchange in einer Pressemitteilung an.

Der SMI droht immer häufiger mit den Diversifizierungsgrenzen zu kollidieren, wie sie in den europäischen Vorschriften für Fondsanlagen, den sogenannten Esma-Ucits-Richtlinien, stipuliert sind. Nach diesen Richtlinien darf ein Index nicht als Referenz für die Zusammensetzung eines Aktienfonds für das breite Publikum genommen werden, wenn sein grösster Einzelwert 35 Prozent oder mehr und sein zweitgrösster Wert mindestens 20 Prozent des Indexes repräsentieren. Die Richtlinie lässt auch nicht zu, dass zwei Titel je 20 Prozent oder mehr des Indexes abbilden.

Der SMI schrammt schon seit Jahren um diese kritischen Marken herum. Mehrmals hat er sie in den vergangenen drei Jahren bereits gerissen. Mit dem Resultat, dass immer mehr Banken den Index nicht mehr als Grundlage für ihre Investmentprodukte verwenden wollen. Das ist schlecht für die Six Swiss Exchange, da sie Lizenzeinnahmen kassiert, je grösser die Verbreitung ihrer Indizes ist. Es ist aber auch schlecht für die Anleger, weil es das Angebot begrenzt. In der Schweiz ist die Angebotsvielfalt an sogenannten passiven, beziehungsweise indexorientierten, Investmentprodukten deutlich geringer als in anderen Märkten mit einer weniger ausgeprägten Index-Konzentration.

Drei Konzerne dominieren den Index

«Die Gewichtsbegrenzung im SMI ist nötig», sagt Alex Hinder von Hinder ­Asset Management. «Ein Investor, der einen Index kaufen möchte, um seine Risiken zu streuen, erreicht sein Ziel mit dem Swiss Market Index nicht mehr», erklärt der Spezialist für Passivanlagen seinen Standpunkt.

Aktuell wird der SMI von drei Titeln dominiert: Nestlé, Novartis und Roche. Das Trio bringt zusammen 59,3 Prozent des Indexes auf die Waage und prägt damit seit Jahren das Bild des Schweizer Aktienmarktes (siehe Grafik).

Und die Konzentration nimmt weiter zu. Eben erst wurde die Basler Pharmafirma Actelion von Johnson & Johnson übernommen und ist deshalb aus dem SMI ausgeschieden. Sie wird ersetzt durch das Chemieunternehmen Lonza, das mit einem Börsenwert von 14 Milliarden Franken nicht einmal die Hälfte von Actelion wiegt. Am kommenden Montag steigen die Inhaberaktien des Baarer Bauchemiekonzerns Sika in den Leitindex auf. Die Titel bringen rund 14 Milliarden Franken auf die Waage. Der Agrochemiekonzern Syngenta geht in chinesisches Eigentum über und lässt eine Lücke von über 40 Milliarden Franken im SMI zurück.

«Die geplante Kappung des SMI ist positiv für die kleineren Aktien im Index. Sie sind nach dem bisherigen Reglement immer bedeutungsloser geworden», sagt Alex Hinder. Die Investoren scheinen die unmittelbar bevorstehende Indexaufnahme bereits vorwegzunehmen. Gestern legten die Sika-Valoren in einem schwächeren Gesamtmarkt um 0,9 Prozent auf 6550 Franken zu. Für Hinder ist das keine Überraschung: «Der Kurs einer Aktie profitiert davon, wenn ein Titel in einen wichtigen Index aufgenommen wird. Das ist eine empirisch längst erwiesene Tatsache», sagt er. Im Fall von Sika könnte sich die Aufnahme in den Swiss Market Index besonders positiv auswirken. Die Inhaberpapiere von Sika sind heute schon auf dem Niveau des Angebots des französischen Unternehmens Saint-Gobain für die Namenaktien der Sika-Erben. Das heisst, dass der grösste Teil der Prämie für die Familie weggeschmolzen ist.

Der geringer werdende Bewertungsunterschied lässt die Erben und die Geschäftsführung von Sika in ihrem epischen Streit wenigstens finanziell einander näherkommen.

Sollte es am Ende doch nicht zum Verkauf von Sika kommen, stünde der Einführung einer Einheitsaktie bei Sika nichts mehr im Weg. In diesem Fall würde das Gewicht von Sika im SMI weiter zunehmen, sodass sich die Titel weit oben in der unteren Hälfte des SMI etablieren könnten.


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