Totgesagte Banknoten leben länger

NATIONALBANK ⋅ Die Lancierung der neuen Serie an Frankennoten fällt in eine Zeit, in der die Nachfrage nach Bargeld einen ungeahnten Aufschwung erlebt.
11. Mai 2017, 00:00

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Nur wenige Produkte können sich schon vor ihrer Markteinführung einer steigenden Nachfrage sicher sein. Bei den Schweizer Banknoten ist dies nachweislich der Fall. Die 50er-Note, der erste Wurf der neunten Notenserie, ist seit April 2016 im Umlauf. Damals zirkulierten rund 50 Millionen Stück des grünen Scheins, inzwischen sind es mehr als 55 Millionen Stück. Bei der neuen 20er-Note, welche die Nationalbank (SNB) gestern in Bern den Medien präsentierte, wird die Nachfrage ähnlich verlaufen.

Zwar sind auch heute noch etwa ein Drittel alte 50er-Noten im Umlauf. Aber diese trifft man im täglichen Geld­verkehr kaum mehr an. Viele dürften ­irgendwo im Ausland liegen, wo sie in Schatullen und Schubladen zusammen mit anderen Devisen und Wertgegenständen für einen späteren Gebrauch aufbewahrt werden. In manchen Fällen könnte es lange dauern, bis die Noten zurück in die Schweiz und schliesslich wieder in den Besitz der Nationalbank gelangen, mutmasste Fritz Zurbrügg an der Medienkonferenz.

Begünstigt wird die «reibungslose Emission» der neuen Notenserie, wie sich der Nationalbank-Vizepräsident ausdrückte, nicht zuletzt durch die rege und seit Jahren zunehmende Bargeldnachfrage. Die Nationalbankstatistik zeigt: Im Lauf der letzten zehn Jahre hat der Notenumlauf um 80 Prozent auf 78 Milliarden Franken zugenommen. Gestiegen ist dabei nicht nur die Nachfrage nach 1000er-Noten (siehe Grafik).

Bekannterweise hat die grösste Frankennote im Zug der Finanz- und Bankenkrise und mit der Einführung von Negativzinsen als Wertaufbewahrungsmittel stark an Beliebtheit gewonnen. Doch auch die kleinen Stückelungen halten sich wacker gegen die Konkurrenz der neuen elektronischen Bezahlmethoden. Während sich Kreditkarten und jüngst auch Smartphone-basierte Zahlungsmethoden seit Jahren gegenseitig die Gunst der Nutzer abjagen, nimmt die Nachfrage nach Bargeld stetig zu. «Wir waren in der Vergangenheit immer von einem stetigen Rückgang der Bargeldnachfrage ausgegangen», sagte Zurbrügg. Eingetreten ist das exakte Gegenteil. Diese Feststellung gilt bemerkenswerterweise nicht nur für die Schweiz. Ähnliche Entwicklungen werden auch in der Eurozone und sogar in Amerika und in Grossbritannien beobachtet. Eine mehrjährige Studienreihe der Bundesbank über das Zahlverhalten der deutschen Bevölkerung zeigt deutlich, dass sich das Konsumverhalten nur langsam verändert.

Ältere zahlen lieber bar

Anlässlich der letzten Untersuchung vor zwei Jahren gaben 33 Prozent der Befragten Personen an, dass sie ihre Ausgaben prinzipiell nur in bar bezahlen. 17 Prozent der Befragten sagten das Gegenteil. ­Feste Verhaltensmuster bremsen den Siegeszug der Innovation. Obwohl die Verbreitung von Bezahlkarten in Deutschland nahe bei 100 Prozent liegt und eine hohe Durchdringung von Smartphones besteht, hat sich in Deutschland die Verwendung von Bargeld an den Verkaufspunkten in den vergangenen Jahren bei 53 Prozent stabilisiert. Klar ist indessen, dass die ältere Generation Bargeld lieber mag als die jüngere. Über 65-Jährige zahlen im Durchschnitt 61 Prozent ihrer Ausgaben bar, 18- bis 24-Jährige nur 48 Prozent. Für die Bargeldfans steht die bessere Ausgabenkontrolle als Hauptmotiv im Vordergrund, virtuelles Geld wird von seinen Nutzern primär für dessen einfache Handhabung geschätzt.

Demgegenüber ist Schweden bereits eine weitgehend bargeldlose Gesellschaft. Nur noch rund 2 Prozent der Transaktionen werden in bar abgewickelt, erfährt man auf der Website der Schwedischen Reichsbank. Wie sich die Bargeldnachfrage hierzulande in der Zukunft darstellen wird, mag Zurbrügg nicht voraussagen.


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