Vorsorge für die Zukunft oder finanzpolitisches Instrument

13. Juni 2017, 00:00

Staatsfonds Als am 28. April die Kleinaktionäre an der Generalversammlung der Credit Suisse in Zürich ihrer Wut über die schlechten Geschäftszahlen und die hohen Managerlöhne freien Lauf liessen, hatte dies die Bankchefs nicht wirklich zu beunruhigen. Über die Zukunft ihrer Karrieren entscheidet nämlich nicht das «Fussvolk», sondern die Grossinvestoren. Darunter sind im Fall der CS die beiden mächtigen Staatsfonds aus Norwegen und Katar, die zusammen über 10 Prozent des Aktienkapitals der Grossbank halten.

So diskret sich die Staatsfonds gegenüber der Öffentlichkeit verhalten, so mächtig und politisch einflussreich sind sie mittlerweile. Kraft ihrer finanziellen Investments bestimmen sie über Cheflöhne, Kapitalerhöhungen, Firmenzukäufe oder Fusionen. Dabei ist es grundsätzlich nicht der politische Einfluss, der bei diesen Staatsfonds im Vordergrund steht.

Der Staatsfonds Norwegens ist mit verwalteten Vermögen von fast 900 Milliarden Dollar der grösste seiner Art. In der Schweiz sind die Norweger an rund 30 Börsenfirmen beteiligt – unter den fünf grössten Positionen der Norweger befinden sich mit Nestlé, Roche und Novartis drei Schweizer Firmen. Gegründet wurde der Staatsfonds Norwegens 1990, offiziell heisst er Pensionsfonds des Königreichs Norwegen. Mit ihm will das Land die Einnahmen aus dem Erdöl­geschäft investieren, um für die Zeit vorzusorgen, in der die Rohstoffreserven zu Ende gehen. Mit der gleichen Absicht unterhalten Staaten wie Katar, Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (V.A.E.) einen Fonds und investieren das Geld in ausländische Firmen, Anleihen, Währungen, aber auch Immobilien.

Anders sehen die Ziele und Absichten aus, die Länder wie Singapur und China mit ihren Staatsfonds verfolgen. Singapur gründete 1981 die Government Investment Corporation (GIC). Ziel ist es, die Devisenreserven des Finanzplatzes rentabler anzulegen. Der Staatsfonds ist direkt dem Finanzministerium unterstellt. Beobachter gehen davon aus, dass der GIC auch die Staatsüberschüsse und Teile der staatlichen Pensionskassen­gelder verwaltet. Damit wird der GIC als Instrument für Industriepolitik und zur Steuerung des Wechselkurses gebraucht – mit dem GIC betreibt die Regierung Staatskapitalismus.

Was bisher zum Wohlstand Singapurs beitrug, ist nicht ohne Risiko. Der Einstieg bei der UBS während der Finanzkrise verursachte bisher Verluste.

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch


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