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200 Kubikmeter Holz für 120000 Franken

09. Februar 2018, 00:00

Holz, so weit das Auge reicht. Und nicht irgendein Holz: fast 200 Kubikmeter edelstes Wertholz aus der Zentralschweiz, das in den letzten zwei Wochen für teils mehrere tausend Franken an die Meistbietenden verkauft wurde. Auf dem Gelände der Ziegelei in Horw fand bis vor wenigen Tagen eine Submission statt – eine Art Versteigerung, bei der die Angebote jedoch nicht öffentlich abgegeben werden, sondern schriftlich. Die edlen Stücke zogen eine breite Käuferschaft aus dem Inland und Ausland an – welche alles in allem etwa 120000 Franken für die über hundert Stämme hingeblättert hat.

Bald schon dürften daraus schicke Nussbaumschränke oder massive Eichenesstische werden, die dann irgendwo auf dem Kontinent noble Wohnzimmer zieren. Doch bevor die bis zu 11 Meter langen Stämme abtransportiert werden, hatten gestern noch alle Interessierten die Gelegenheit, einen Blick auf die «besonders schönen und imposanten Stämme» zu werfen – so die Worte des Verbands der Waldeigentümer «Wald Luzern», der die Submission seit einigen Jahren veranstaltet.

Wer aber könnte sich für tonnenschwere Holzstämme interessieren, die überdies gar nicht mehr zum Verkauf stehen? Nun ... überraschend viele! Zur Besichtigung kamen nämlich vor allem Waldeigentümer und Holzlieferanten, die wissen wollten, was auf dem Wertholz-markt denn gerade so gefragt ist. Welche Holzarten sind im Moment besonders begehrt, und für welche Eigenheiten erhält man gar noch ein paar Scheine mehr? Und welches nur scheinbar wertlose Exemplar hätte man unbedingt vom Brennholzstapel retten sollen?

Auf fast alle diese Fragen hatte Forstfachmann Lukas Gerig, der die Gruppe von Objekt zu Objekt führte, eine Antwort parat. «Beliebt sind zum Beispiel Stämme mit Ringschäle, da dies der Oberfläche bei der Verarbeitung einen besonderen Glanz gibt.» Ein Tipp, der selbst einigen Holzkennern neu sein könnte: Denn Ringschäle sind Risse in den Jahresringen, die den Wert des Holzes eigentlich vermindern. Der Wachstumsfehler bedingt nämlich, dass die Verwendbarkeit eingeschränkt wird.

Allgemein gefragt sind darüber hinaus Eichen, Nussbäume und auch Bergahorne, weniger dafür Kirschbäume. «Dann machen wir halt Kirsch-Schnaps daraus», scherzte ein Besucher zur allgemeinen Belustigung der Gruppe. Tatsächlich fanden sich gleich für mehrere Kirschbäume keine Käufer. Liegen geblieben ist laut Lukas Gerig zudem die einzige Birke im Sortiment. Viele der Stämme stammen aus der Region Entlebuch, weitere beispielsweise aus Horw.

Während des Rundgangs wurde einem anwesenden Lieferanten dann noch spontan gratuliert – und zwar Josef Zimmermann aus Eschenbach, der für sein Nussbaum-Exemplar die schöne Summe von 4444 Franken pro Kubikmeter erhielt. Total verdiente er mit dem über 3 Meter langen Stamm etwa 7500 Franken. «Es hat mir weh getan, den umzutun», gestand Zimmermann, der sein Lachen dann aber schnell wieder fand.

Wer genau die Käufer sind, die dieser Tage in Horw fündig geworden sind, bleibt derweil unbekannt. Damit für die nächste Submission wieder viel Holz geliefert wird, wird diese Information auch nicht an die grosse Glocke gehängt. Das Risiko, dass man es nicht los wird, besteht dabei leider auch: Denn was den Händlern genau gefällt, weiss man laut Gerig häufig doch nicht so genau.

Letztlich ist eben alles eine Sache des Geschmacks. Das fand auch ein Forstarbeiter, der gestern bei der Ziegelei zu Werke war. Danach gefragt, wo es denn genau zu den schönsten Bäumen gehe, meinte er: «Junge Frau, das ist immer relativ. Ich sage, die schönsten stehen noch im Wald.»

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch


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