Asylzentrum gibt viel zu reden

BUCHRAIN ⋅ 80 Asylsuchende finden ab März in der Zivilschutzanlage Platz. Über 600 Buchrainer stellen kritische Fragen – insbesondere zur Nähe zum Primarschulhaus.

29. Januar 2016, 00:00

Raphael Gutzwiller

Der Aufmarsch gestern Abend war gross im Schulzentrum Hinterleisibach: Rund 600 Buchrainer sind zur Orientierungsversammlung der Gemeinde in die Turnhalle gekommen. Grund dafür ist eine Notunterkunft für Asylbewerber in der Zivilschutzanlage Moosgasse. Im März werden dort bis zu 80 Asylsuchende untergebracht. Dabei wird es sich um Männer vorwiegend aus Eritrea, Afghanistan und Syrien handeln. Frauen und Kinder dürfen in Zivilschutzanlagen nicht untergebracht werden.

Sozialvorsteher Erwin Arnold (CVP) verteidigt den Entscheid zur Notunterkunft. «Wir müssen handeln, und wir müssen das anbieten, was möglich ist.» Er verweist auf die drohende Ersatzabgabe an den Kanton von bis zu 250 000 Franken, weil die Gemeinde die vorgeschriebene Anzahl Asylsuchende ohne das Zentrum nicht erreichen würde. «Der Gemeinderat hat diesen Auftrag sicher nicht gesucht.»

Ist die Primarschule sicher?

Die Anlage liegt direkt unter dem Primarschulhaus Dorf, der Eingang ist hinter der Schule. Die Asylbewerber dürfen das Schulareal aber nicht betreten. Dieses gehört zu den von der Gemeinde definierten sensiblen Zonen. Dazu gehört auch der Bereich beim Alterszentrum Tschann.

Die Buchrainer zeigten sich insbesondere gegenüber der Gestaltung der sensiblen Zonen kritisch. So sagte eine Buchrainerin: «Bei mir ist eine gewisse Angst da, ob man das Kind alleine in den Wald oder ins Dorf schicken kann. Deshalb sollten die Zonen vergrössert werden.» Konkret wurde gefordert, dass der Bahnhof Buchrain und das Schulzentrum Hinterleisibach zu diesen Zonen gezählt werden sollen. Sozialvorsteher Arnold sagte dazu: «Im Moment erachten wir dies nicht als notwendig.» Bei Bedarf könnten die Zonen aber noch erweitert werden. «Dennoch müssen wir aufpassen, dass nicht das ganze Dorf zur sensiblen Zone erklärt wird.»

Auch die Nähe zum Schulhaus sorgte für Diskussionen. So fragte ein Anwohner: «Wie kann die Sicherheit rund um das Primarschulhaus sichergestellt werden?» Der ebenfalls anwesende Leiter der kantonalen Dienststelle Soziales und Gesellschaft, Ruedi Fahrni, sagte dazu: «Jeder Asylsuchende wird bei seiner Ankunft informiert, wo er hindarf und wo nicht. Falls sich Bewohner der Notunterkunft nicht an die Vorschriften halten, drohen Sanktionen, beispielsweise Bussen.» Auch wie die Primarschüler über die neuen Nachbarn informiert werden, interessierte. «Die Schüler werden in ihren Klassen vorgängig informiert, damit sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben», so Fahrni.

Benehmen sich die Asylsuchenden?

Weiter stellten die Anwohner Fragen zu Benimmregeln. «Inwiefern werden die Flüchtlinge zu Umgangsformen mit Frauen begleitet?», fragte ein Anwohner. Ruedi Fahrni verwies dabei auf einen vom Kanton erstellten Flyer mit Benimmregeln. Fahrni erklärte in seinem Referat auch, wie die Asylsituation im Kanton Luzern aktuell ist. «Pro Tag kommen rund 15 neue Asylbewerber. Nach sechs Tagen könnten wir also bereits die neue Notunterkunft füllen. Das zeigt, wie hoch der Platzbedarf ist.»

Trotz kritischer Fragen: Im Vergleich zur Orientierungsversammlung diese Woche in Ruswil (Ausgabe vom Mittwoch) gab es weniger kritische Stimmen. Ein Votum dazu aus der Versammlung: «Ich bin froh, dass wir nun dem Kanton helfen können.»

Hinweis

Am Samstag, 16. April, findet ein Tag der offenen Tür in der Zivilschutzanlage Moosgasse in Buchrain statt.


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