Bauer setzt auf tropische Fischfilets statt Hühner

FISCHMAST ⋅ Die Poulet-Produktion hat sich für Kurt Bigler aus Malters nicht mehr gerechnet. Also stellte er auf Fisch um. Morgen Karfreitag wird das erste Filet verkauft. Die tropische Fischart Barramundi hat für den Bauern einen wichtigen Vorteil.
13. April 2017, 00:00

Auf dem Malterser Bauernhof Neulimbach ist man auf den Fisch gekommen. Die letzten 25 Jahre wurde dort nebst der Schweinezucht auch eine Pouletmast für die Migros betrieben. Doch die immer grössere Nachfrage des Orangen Riesen nach Hühnern konnte nicht mehr erfüllt werden. Der Vertrag wurde aufgelöst, und Bauer Kurt Bigler rüstete die ehemalige Hühnerhalle auf Fischmast um.

Inspiriert und unterstützt wurde er dabei von Eugen Schmid, der selber in der Fischmast tätig ist und sich überdies mit seiner Firma auf Stalleinrichtungen spezialisiert hat. «Für mich hat er eine Pilotanlage konzipiert, eine Kreislaufanlage mit Biofilter», erzählt Bigler. So konnten die sonst teuren Start­investitionen in Grenzen gehalten werden.

Bigler, der den Hof von Vater Werner im Jahr 2012 übernahm, setzt nun beim Nebenerwerb voll auf Fisch, und zwar auf den Barramundi. Das ist ein Raubfisch, kommt ursprünglich in tropischen Gewässern vor und gehört zur Unterfamilie der Riesenbarsche. Auch wenn das Tier hierzulande noch nicht sehr bekannt ist, wird es schon da und dort herangezogen: Bigler weiss noch von drei weiteren Bauern, die auf die tropische Fischart setzen.

Fische müssen zuerst in die Quarantäne

Während beim Zander der Frischwasseraustausch zwischen 10 bis 15 Prozent beträgt, sind es beim Barramundi nur 2 Prozent. Das sei ein gewichtiger Vorteil, da so weniger Wasser verbraucht werde. Die Setzlinge – so werden die kleinen, 5 Gramm schweren Fische genannt – hat Eugen Schmid mit seiner Firma aus Thailand importiert. In der Schweiz angekommen, mussten sie zuerst in Quarantäne, bevor sie nach Malters weiterverfrachtet wurden.

Bigler hat acht Becken mit 25 000 Liter Wasser Gesamtfassungsvermögen. Pro Becken werden an die 200 Fische ausgesetzt. Darin werden sie die nächsten neun bis zehn Monate gemästet. «Schlachtreif sind die Fische mit einem Gewicht zwischen 800 und 900 Gramm, das ergibt dann die idealen Filets», erklärt Bigler. Gefüttert werden die Fische von Hand mit einem speziellen Trockenfutter, das unter anderem aus Fischabfällen und Hühnerblut besteht und aus Italien importiert wird.

Er will «nicht von Bern fremdbestimmt werden»

Wer sich für die Fischmast entscheidet, muss 24 Stunden abrufbereit sein. Der Arbeitsaufwand sei zu Beginn sehr intensiv, spiele sich aber mit der Zeit ein. Subventioniert wird der Bigler-Betrieb nicht. «Schon mein Vater wollte nicht von Bern fremdbestimmt werden.» Auf dem Hof werden die Tiere mit einem Kopfschlag und Kiemenschnitt «fachgerecht» und in Zukunft auch in einer Elektrobox getötet, wie Bigler weiter ausführt. Für die Fischmast hat Bigler einen Kurs plus ein Praktikum absolviert. Das ist Vorschrift für Fischmast und -zucht. Die Fische verkauft Bigler an Private, Gastrobetriebe und einen Metzger im Nachbardorf. Seinen ersten Fisch-ab-Hof-Verkauf startet Bigler morgen Karfreitag.

Laut Bundesamt für Statistik betrug 2013 der Fischkonsum in der Schweiz 9,2 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Zum Vergleich: Der Fleischkonsum lag bei 50,5 Kilogramm.

Fische brauchen eine Baubewilligung

Für die Fischzucht setzte sich auch SVP-Nationalrat Andreas Aebi auf nationaler Ebene ein und reichte dazu im Dezember 2015 eine Motion ein. Er verlangte, dass Fische in Aquakultur als landwirtschaftliche Nutztiere gelten, um so die Fischzucht auf bäuerlichen Betrieben zu erleichtern. Der Fisch zählt jedoch nach wie vor zu den Wildtieren. Damit ist seine Haltung auf Landwirtschaftsbetrieben nicht zonenkonform, und es braucht für die Umnutzung eine Baubewilligung. Speziell für die Zanderzucht und jene von japanischem Kirschlachs setzt sich die Genossenschaft Regiofisch Zentralschweiz ein. «Wir wollen als Erzeuger­gemeinschaft Nahrungsmittel herstellen, deren Nachfrage in der Schweiz in den letzten Jahren stark gestiegen ist», sagt Präsident Markus Fischer.

Nicht jeder Bauer eignet sich für Fischzucht

Bereits im Jahr 2015 auf Fisch umgestellt hat Fritz M. Hostettler aus Egolzwil. Er war einer der Ersten, die sich in Luzern in der Zanderzucht versuchten. Der gelernte Kaufmann hatte in einer stillgelegten Bäckerei den Zander gemästet. Ende 2016 gab er die Fischmast wieder auf, weil es sich für ihn nicht rechnete. Rückblickend meint Hostettler: «Das Risiko und die Fixkosten mit Strom, Frischwasser und Fischfutter sind hoch.» Seine Infrastruktur mit Becken, Trommeln und Anlage hat er verkauft. Dafür interessiert hätten sich auch 23 Bauern. Doch Hostettler warnt: «Fische züchten, mästen und verarbeiten und diese zum Verkauf anbieten sollen ausgebildete Fischzüchter. Sie wurden dafür jahrelang richtig ausgebildet und kennen sich mit dem Fisch aus.»

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch


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