Der lange Weg zur Baubewilligung

LUZERN ⋅ Zu langsam und kompliziert sei die Stadt, finden die Besitzer des Hotel Schiffs. Schneller seien andere Städte auch nicht, ist sich derweil der Luzerner Stadtarchitekt sicher.

18. Oktober 2016, 00:00

Seit Januar 2015 besitzen die Zürcher Brüder Roland und Peter Neufeld das Restaurant Schiff an der Reuss. Sie wollten die Alt­stadtbeiz möglichst «zügig» wiedereröffnen – «sanft saniert» und «urgemütlich», sagten sie damals. Doch getan hat sich lange wenig bei der Altstadtbeiz – auch wegen des Stadtluzerner Bauamts. «Wir wurden mit unserem Zürcher Tempo immer wieder gebremst. Die Entscheidungswege in Zürich sind kürzer», übten die Besitzer des Restaurants in unserer Zeitung Kritik an der Stadtverwaltung (Ausgabe vom 11. Oktober).

Der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner ist da anderer Meinung. «In Zürich geht es bestimmt nicht schneller und sicher nicht einfacher als in Luzern», sagt er. Er war selber als Leiter der architektonischen Beratung im Zürcher Amt für Städtebau tätig, bevor er nach Luzern wechselte. Hier mangle es eher am Fachwissen oder der Bereitschaft vieler Bauherrschaften, sich beraten zu lassen, findet Rehsteiner. «Das führt dann zu Schwierigkeiten und Verzögerungen im Vorfeld und beim Vollzug der Baubewilligungen.» Es mache es für sie schwierig, wenn Bauherren ohne sachkundigen Architekten etwa in einer Schutzzone bauen würden. So komme es vor, dass Bauherren oder auch Grundeigentümer ohne Planer schlicht überfordert seien.

Wichtig ist die Wahl des richtigen Planers

Dies treffe jedoch nicht auf die Zürcher Bauherren beim Restaurant Schiff zu. «Die Brüder Neufeld wussten wohl ziemlich genau, auf was sie sich da einlassen. Problematisch war aber, dass sie nach dem Erhalt der Baubewilligung ohne Architekten weitergemacht haben. Hier wurde wohl eher ausgelotet, ob und wie weit man gehen kann», beurteilt Rehsteiner ihr Vorgehen.

Oft würden die Verzögerungen schon vor oder während des Baubewilligungsverfahrens entstehen, so Rehsteiner und fügt an: «Für jemanden, der zum Beispiel in der Luzerner Altstadt bauen will, ist es unerlässlich, einen versierten Architekten an seiner Seite zu haben.» Dieser sollte vom Vorprojekt über die Baueingabe bis zur Fertigstellung des Baus dabei sein. «Ideal wäre es, so früh wie möglich mit uns in Kontakt zu treten, damit das Planungs- und Bauvorhaben gut begleitet werden kann», sagt Jürg Rehsteiner.

Die internen Abläufe seien nicht zu langsam, sagt der Stadtarchitekt. «Zudem haben wir als erste Stadt der Schweiz intern den vollständig elektronischen Baugesuchsprozess eingeführt. Musste früher eine Eingabe in acht- bis zehnfacher Papierausführung eingereicht werden, so sind es heute nur noch deren zwei, und die interne Bearbeitung erfolgt papierlos.»

Zudem liege seit Anfang 2015 die Kompetenz, eine Baubewilligung zu erteilen, bei der Baudirektion und nicht mehr beim Gesamtstadtrat. Damit konnte ebenfalls Zeit eingespart werden. Denn mit der Fertigstellung des Baubeschlusses durch das Ressort Baugesuch und dem Versand der Baubewilligung – unterzeichnet von Baudirektorin Manuela Jost (GLP) – vergehen nun nur noch zwei bis drei Arbeitstage. Eine Erleichterung für Bauherren wie auch Baubehörden werde auch die zukünftige Möglichkeit der elektronischen Baueingabe, an der aktuell gearbeitet werde.

Rehsteiner gibt zu bedenken, dass im Jahr 2000 ein Bauvolumen von etwa 200 Millionen Franken bewilligt wurde. 2015 waren es über 690 Millionen Franken. «Wir haben aber trotz der massiv gesteigerten Bauvolumen und den steigenden Anforderungen nicht dementsprechend mehr Ressourcen zur Verfügung.» Die Stadt nimmt mit den Gebühren für Baubewilligungen jährlich rund 2,4 Millionen Franken ein.

Eigene Vorgaben werden nicht erfüllt

Trotz der Arbeitsbelastung sei es aber nicht zu einer grösseren Fluktuation gekommen. «Wir sind da im ganz normalen Bereich und stabil», so Rehsteiner.

Jedoch selbstkritisch meint der Stadtarchitekt: «Die Steigerung der Effizienz mit der elektronischen Verarbeitung reicht bei uns nicht aus, um die Vorgaben zu erfüllen. Und so gesehen sind wir wohl immer zu langsam.» Gemäss Vorgaben der Planungs- und Bauverordnung des Kantons sollten 80 Prozent der Baueingaben innert 40 Arbeitstagen erledigt werden. «Wir schaffen aktuell gut 50 Prozent der Baueingaben in dieser Zeit», so Rehsteiner. Ebenso gebe es oft Einsprachen von Nachbarn, was wiederum zu langen Verzögerungen führen könne. Und in solch einem Fall könne die Stadt das Verfahren nicht beschleunigen, so der Stadtarchitekt. Doch nicht nur das Tempo ist massgebend, auch die Regelungsdichte und die Komplexität im Baubewilligungsverfahren. So müssten etwa Umweltschutz, Feuerpolizei oder die kantonale Denkmalpflege sowie andere Fachstellen bis zum Beschluss miteinbezogen werden. «Die Stellungsnahmen der Fachstellen sind nicht immer widerspruchsfrei. Dann gilt es eine gemeinsame Lösung zu finden, die rechtlich korrekt ist. Und das braucht Zeit», so Jürg Rehsteiner.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

«Es ist unerlässlich, einen Architekten an seiner Seite zu haben.»

Jürg Rehsteiner

Luzerner Stadtarchitekt


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: