Die Grossbaustelle bereitet dem Gewerbe Sorgen

KRIENS ⋅ Wegen der Arbeiten im Krienser Zentrum verlieren die Geschäfte Kunden. Besonders die fehlenden Parkplätze sorgen für Diskussionen.

29. November 2016, 00:00

Das Krienser Zentrum ist momentan eine riesige Baustelle: Gesperrte Durchgangswege, Umleitungen und eine verschärfte Parkplatzsituation – das sind die Folgen der Arbeiten am Grossprojekt «Zukunft Kriens – Leben im Zentrum», die bis 2018 abgeschlossen sein sollen (wir berichteten).

Bis dahin dauert es also noch eine Weile – und die aktuelle Situation sorgt für Diskussionen. Einige Geschäftsinhaber bemängeln die Planung der Gemeinde rund um die Baustelle. So auch Marlies Keller, die zusammen mit Ehemann Fritz und Sohn Fritz junior die Metzgerei Keller als Familienbetrieb führt: «Man hätte da eine andere Planung machen sollen. Die Situation mit den Trottoirs und der Umgehung der Luzernerstrasse ist untragbar.»

Grösseres Gebiet für Fussgänger gesperrt

Keller spricht das Gebiet zwischen dem Bellpark und der Gemeindehausstrasse an, welches weiträumig selbst für Fussgänger gesperrt ist. «Die Verbesserung dieser Umstände ist ein grosses Anliegen im Dorf, aber es ist noch nichts gemacht worden. Von Kriens dürfte man mehr erwarten.» Auch Fritz Keller junior bemängelt das Vorgehen des Krienser Gemeinderats: «Viele Krienser Geschäftsinhaber sind wie wir mit Herz und Freude bei der Sache, und dem sollte man Sorge tragen. Schliesslich zahlen auch wir der Gemeinde Kriens Steuern, umgekehrt fehlt aber zurzeit die Infrastruktur komplett.»

Mit Infrastruktur ist dabei vor allem die Parkplatzsituation gemeint, die für grossen Unmut sorgt. «Wir haben auch Kunden aus Zürich oder Ob- und Nidwalden, die zu uns kommen. Diese Kunden fehlen nun immer häufiger, weil es einfach zu wenig Parkmöglichkeiten gibt», so Keller junior weiter. Auch Zeno Fassbind, Inhaber der Drogerie Fassbind, kritisiert die Situation: «Es hat immer weniger Parkplätze. Es ist grundsätzlich gut, wenn man auf die öffentlichen Verkehrsmittel setzt, aber Kunden, die von weiter her kommen, haben damit ein Problem.»

Gemeinderat Matthias Senn (FDP) zeigt dafür Verständnis, relativiert aber auch: «Parkplätze sind natürlich ein Attraktivitätspunkt für die Geschäfte. Wir haben bis jetzt aber nicht viele Parkplätze verloren. Heikel wird es erst ab Mai des nächsten Jahres, wenn der Gemeindehausplatz überbaut wird und ein Grossteil der dortigen Plätze wegfallen.» Eine kurzfristige Lösung sei aber bereits gefunden worden: «Die Gemeinde hat entschieden, dass auf der Waldheimstrasse mehr Parkplätze angeboten werden.» Bis dahin müsse man halt auch einmal auf die Einstellhalle Hofmatt zurückgreifen und ein paar Schritte zu Fuss gehen, betont Senn.

Ein weiteres Problem ist die linke Seite der Luzernerstrasse Richtung Obernau. Auch dieser Abschnitt ist für die Fussgänger nicht passierbar. «Es wurde versprochen, dass der Abschnitt bis zum Ende der Bauarbeiten offen bleibt, doch jetzt ist er gesperrt. Das geht natürlich gar nicht», sagt Zeno Fassbind. Nun müsse man die Luzernerstrasse auf beiden Seiten grossräumig umgehen, um ins Zentrum zu gelangen. Dies habe auch Konsequenzen für sein Geschäft: «Die Stammkunden kommen immer noch, aber die Tageskunden werden weniger, denn das Geschäft liegt nicht mehr auf ihrem Weg.»

Diese Sperrung des Trottoirs auf der linken Strassenseite sollte aber bald aufgehoben werden, so Senn: «Uns ist versichert worden, dass die Arbeiten dort bis Mitte Dezember fertig sind und dann das Trottoir wieder verfügbar ist.»

Bereits drei Postulate eingereicht

Dass die Situation im Zentrum Kriens momentan nicht optimal ist, finden auch viele Politiker. So sind in diesem Monat bereits drei Postulate beim Krienser Gemeinderat eingereicht worden, die allesamt eine Verbesserung der Situation rund um die Baustelle fordern – zwei von der SVP-, eines von der CVP/JCVP-Fraktion. Die SVP möchte einen provisorischen Fussgängerstreifen beim Geschäft Mode Straumann sowie eine Verbesserung der Parkplatzsituation erreichen. Die CVP fordert eine sichere Fuss- und Radwegverbindung auf der Gemeindehausstrasse (wir berichteten).

Aber nicht alle Geschäfte trifft die momentane Situation gleichermassen. So spüre man unter anderem beim Blumenladen Lotus keine Auswirkungen. Auch bei der Bäckerei Hänggi gäbe es keine grossen Unterschiede zu früher. Sogar leicht gestiegen sei der Umsatz beim «Betty’s Bistro», wie Inhaberin Bettine Kolmanz erzählt. «Einzig der Schmutz, der von der Baustelle erzeugt wird, ist ein Problem. Aber ansonsten gibt es keine Einbussen im Geschäft.»

Auch wenn die Umstände der Bauarbeiten nicht alle Geschäfte betrifft, bleibt besonders die momentane Parkplatzsituation im Zentrum von Kriens weiterhin angespannt.

Roger Amberg

roger.amberg@luzernerzeitung.ch

«Wir zahlen der Gemeinde Kriens Steuern, umgekehrt fehlt aber zurzeit die Infrastruktur komplett.»

Fritz Keller junior

Mitinhaber Metzgerei Keller


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: