Die Leitungen im Boden, die Masten in der Luft

EMMEN ⋅ Die Hochspannungsleitung von Rathausen nach Emmen verläuft neu unterirdisch. Deshalb werden die Leitungsmasten nicht mehr gebraucht. Gestern wurden sie abtransportiert – auf einem unüblichen Weg.

25. November 2016, 00:00
  • Neue Luzerner Zeitung AG
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Das Stromkabel ist längst im Boden, nun müssen die Masten weg: In Emmen flogen die alten Gittermasten der ehemaligen Freileitung durch die Luft.

Entlang der Reuss in Emmen hat die CKW sieben Strommasten demontiert: Sie wurden stehend abgetrennt und per Helikopter weggeflogen.Der Strom fliesst seit diesem Sommer nicht mehr durch die alte Freileitung, sondern durch erdverlegte Kabel. (Luzernerzeitung.ch/cv, 24. November 2016)

Um 9 Uhr morgens dröhnte Fluglärm über Emmen hinweg, der für einmal nicht von der Schweizer Luftwaffe stammte. Stattdessen verursachte ihn ein Super Puma der Heliswiss International AG. Dieser war in besonderer Mission unterwegs: Die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) haben jüngst die Hochspannungsleitung von Rathausen nach Emmen in den Boden verlegt. Nun montierten die CKW die überflüssigen Masten ab. Der Super Puma übernahm den Transport.

Dass für einen solchen Auftrag ein Helikopter aufgeboten wird, ist laut CKW-Mediensprecher Marcel Schmid selten – «sehr selten» sogar. Normalerweise würden die Masten Schritt für Schritt zurückgebaut. «In diesem Fall hätten wir mit schweren Maschinen zum Teil bis in Gärten von Anwohnern vordringen müssen. Dadurch wären erhebliche Landschäden entstanden.» Die Variante Helikopter sei kostengünstiger gewesen. Und effizienter: Keine vierzig Minuten dauerte es, dann waren sämtliche sieben Masten vom Boden gelöst und abtransportiert. Der Super Puma brachte sie zur Loacker Swiss Recycling AG in Emmen. Diese übernimmt die Entsorgung – und dürfte damit einiges zu tun haben: Die Masten sind zwischen 15 und 20 Meter hoch und bis zu 3,3 Tonnen schwer.

Leitung ist weniger anfällig für Störungen

Die neue Leitung von Rathausen nach Emmen ist seit Oktober in Betrieb. Die Bauarbeiten für das zwei Kilometer lange Trassee starteten im April, im Juli waren sie zu Ende. Das ganze Projekt kostet die CKW rund 1,4 Millionen Franken. Dass man Hochspannungsleitungen in die Erde verlegt, ist nicht alltäglich. Das Verfahren ist laut Schmid komplex: «Der Strom, der durch die Leitung fliesst, gibt viel Wärme ab.» Weil diese kaum entweichen kann, vergrössert sich der Widerstand. «Die Leitungen müssen daher stark isoliert werden.» Anders die Situation bei Nieder- und Mittelspannungsleitungen: Bis zu 90 Prozent befinden sich unter der Erde. Denn dort sind sie weniger anfällig für Störungen oder Ausfälle – zum Beispiel bei Gewittern. Die Leitung in Emmen verläuft neu unterirdisch, weil die betroffene Parzelle verkauft worden war und sich die Parteien auf eine Verlegung geeinigt hatten.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

www. Bilder und Video auf: luzernerzeitung.ch/bonus

Entlang der Reuss in Emmen hat die CKW sieben Strommasten demontiert: Sie wurden stehend abgetrennt und per Helikopter weggeflogen.Der Strom fliesst seit diesem Sommer nicht mehr durch die alte Freileitung, sondern durch erdverlegte Kabel. (Luzernerzeitung.ch/cv, 24. November 2016)




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