Die Mall of Switzerland nimmt Formen an

EBIKON ⋅ Vor kurzem wurde der Rohbau der Mall of Switzerland fertiggestellt. Die Bauarbeiten sind dem Zeit­-plan voraus. Derweil macht man sich in der Stadt Sorgen.

20. Januar 2016, 00:00

Robert Knobel

Jetzt ist die künftige Mall of Switzerland in ihrem ganzen Ausmass sichtbar. Kurz vor Weihnachten wurde der Rohbau fertiggestellt. Damit liegen die Bauarbeiten für das Einkaufszentrum im Zeitplan leicht voraus. «Auch mit dem Freizeitteil sind wir etwas voraus, und den Bau des Parkhauses können wir ebenfalls vorzeitig abschliessen, sofern das Wetter mitspielt», sagt Werner Schaeppi, der im Auftrag der Investoren für die Kommunikation zur Mall of Switzerland zuständig ist. Bei den Investoren handelt es sich um eine Tochtergesellschaft der Tamweelview European Holding, welche wiederum im Besitz der Abu Dhabi Investment Authority (Adia) ist.

Auch bei der Wohnüberbauung (140 Wohnungen), die im Zuge der Mall of Switzerland realisiert wird, ist man dem Zeitplan etwas voraus. Dem avisierten Eröffnungstermin von Herbst 2017 sollte daher nichts entgegenstehen. Bis dann sollen insgesamt 46 000 Quad­ratmeter Ladenfläche und 5000 Quadratmeter Gastronomie belebt sein. Etwa die Hälfte der Fläche sei schon vermietet, sagt Schaeppi. Hauptmieterin wird die Migros sein, aber auch lokale Verkaufsgeschäfte wie die Confiserie Bachmann oder Blumen Widler werden eine Filiale eröffnen. «Wir bekommen fast täglich Anfragen von Interessenten aus der Region und sind daran, die geeigneten Geschäfte unserem Konzept entsprechend auszuwählen», sagt Schaeppi.

Visualisierungen und Baufortschritt des Einkaufszentrums Mall of Switzerland in Ebikon.

Verschachtelte Läden

Ein Novum in Schweizer Einkaufszentren sind gemäss Schaeppi die sogenannten Jumping Facades: Die Ladenfronten sind nicht linear entlang einer Hauptachse angeordnet. Die Ladenbetreiber können ihre Eingangsfassaden vielmehr individuell nach vorne oder hinten verrücken. Diese verschachtelte Anordnung soll den Besuchern das Gefühl eines Marktes geben. «Das Einkaufserlebnis erinnert mehr an den gemütlichen Bummel durch eine organisch gewachsene Stadt», so Schaeppi.

Apropos Stadt: In der benachbarten Stadt Luzern gibt es Befürchtungen, dass die Mall of Switzerland die Läden in der Innenstadt konkurrenzieren wird. Dazu gabs im Stadtparlament auch bereits Vorstösse. So etwa von Albert Schwarzenbach (CVP). Er befürchtet, dass sich die Mall negativ auf die Innenstadt auswirkt. Schwarzenbach: «Die Mall wird zu einem Verdrängungskampf unter den Einkaufszentren führen. Um sich von den anderen abzuheben, will sie mit denselben Vorteilen punkten, die auch die Innenstadt bietet: einem bunten Mix von Läden, Beizen und belebten Treffpunkten.» Entsteht also eine Art zweites Stadtzentrum in der Agglo – mit dem weiteren Vorteil, dass man dort immer einen freien Parkplatz findet?

Ein Stadtzentrum in der Agglo

Tatsächlich betonen die Mall-Betreiber stets, dass sie nicht einfach ein weiteres Shoppingcenter bauen wollen, sondern einen eigenen Mikrokosmos – ein kleines Stadtzentrum eben. So soll der Vorplatz zu einer Piazza werden, auf der Konzerte, Shows, Märkte, Festivals und im Winter ein Eisfeld geboten werden. Ausserdem stehen zwölf Kinosäle zur Auswahl, es gibt ein Fitnesscenter und sogar eine stehende Surfwelle. In sogenannten Pop-up-Stores sollen neue Produkte auf ihren Anklang getestet werden, bevor sie definitiv in den Verkauf gelangen. Und wie jede Innenstadt hat auch die Mall ihre Luxusmeile. Unter dem Namen La Strada sollen sich im zweiten Stock Läden aus dem Luxussegment aneinanderreihen. Werner Schaeppi betont, dass es sich um «erschwinglichen Luxus» handle.

«Konstruktive Ergänzung»

Werner Schaeppi glaubt dennoch nicht, dass die Mall of Switzerland die Läden in der Stadt bedroht. «Die Mall wird eine ganz andere Attraktivität bieten als die Innenstadt, daher sehen wir uns weniger als Konkurrenz, sondern eher als konstruktive Ergänzung zum bestehenden Angebot.» Die Betreiber der Mall of Switzerland rechnen mit jährlich über 4 Millionen Besuchern. Die Zahl der täglichen Autofahrten soll dabei auf durchschnittlich 8280 begrenzt werden. So soll verhindert werden, dass es auf den Strassen zum Kollaps kommt. Zudem ist geplant, die VBL-Linie 1 vom Maihof nach Ebikon und weiter bis zur Mall of Switzerland zu verlängern. Dabei geht es auch um einen finanziellen Beitrag der Mall-Betreiber. «Wir sind auf gutem Weg für eine Einigung», sagt Schaeppi.

Zeitraffer-Video der Baustelle «Mall of Switzerland» vom 4. September 2014 bis zum 1. Januar 2016, aufgezeichnet von einer Webcam. (zvg, 08.01.2016)

Das Video zeigt den Bau des Freizeitgebäudes der «Mall of Switzerland» vom 5. August 2015 bis zum 1. Januar 2016. (zvg, 08.01.2016)

Zeitraffer-Video der Baustelle «Mall of Switzerland» vom 4. September 2014 bis zum 1. Januar 2016, aufgezeichnet von einer Webcam. (zvg, 08.01.2016)

Das Video zeigt den Bau des Freizeitgebäudes der «Mall of Switzerland» vom 5. August 2015 bis zum 1. Januar 2016. (zvg, 08.01.2016)




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