«Es entsteht ein kribbliges Gefühl»

VERKEHRSHAUS ⋅ Das Museum hat seine Raumfahrt-Ausstellung komplett erneuert. Darin erfährt man, dass die Schweiz viel zur Erforschung des Weltraums beiträgt – und wie sich die Schwerelosigkeit anfühlt.

24. November 2016, 00:00

Interview Stefan Dähler stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Der Weltraum rückt im Verkehrshaus stärker in den Fokus. Heute eröffnet das Luzerner Museum im obersten Stock der Luftfahrthalle seine umgestaltete Raumfahrtausstellung – im Beisein bekannter Persönlichkeiten wie dem ehemaligen Schweizer Astronauten Claude Nicollier oder US-Botschafterin Suzan G. LeVine. Am 1. und 2. Dezember hält die europäische Weltraumbehörde ESA ihr Ministertreffen in Luzern ab, unter anderem im Verkehrshaus.

Wir haben mit Direktor Martin Bütikofer über die Schwerpunkte der neuen Ausstellung, den Stellenwert der Raumfahrt für das Museum und die Auswirkungen der kantonalen Sparmassnahmen gesprochen.

Martin Bütikofer, wieso setzt das Verkehrshaus auf das Thema Raumfahrt?

Der Weltraum fasziniert die Leute seit je. Ich bin früher nachts aufgestanden, um Raketenstarts im Fernsehen mitzuverfolgen. Heute ist eher die Forschung ins Zentrum gerückt. Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass auch Schweizer Firmen, Hochschulen und Universitäten sich stark mit dem Thema beschäftigen. Beispielsweise Ruag, Maxon oder Schurter liefern Teile für die Raumfahrt. Kommt dazu, dass unsere Mobilität auf die Kommunikationsmittel im All angewiesen ist, etwa Satelliten- oder GPS-Systeme.

Welches ist die wichtigste Neuerung der Ausstellung?

Höhepunkt wird der 10 Meter hohe Raumwandler sein. Dieser ist weltweit einmalig. Darin wollen wir das Leben in einer Raumstation und das Gefühl des Schwebens simulieren. Der Raumwandler dreht sich langsam, man muss mitlaufen. So entsteht ein ganz kribbliges Gefühl. Zur Sicherheit wird man vom Personal begleitet.

Wo liegen die weiteren Schwerpunkte?

Es wird eine Mars-Landschaft geben. Hier kommen die Roboter zum Einsatz, die von Lernenden der Firma Maxon Motor aus Sachseln gebaut worden sind (Ausgabe vom 12. Oktober, Anmerkung der Redaktion). Weiter zeigen wir kleine Experimente der Universitäten Bern und Genf und der Technischen Hochschulen, unter anderem auch der Hochschule Luzern. Ein Beispiel sind Pflanzen, die in der Schwerelosigkeit wachsen. Ausserdem inszenieren wir die Raumanzüge, das Columbus-Modul und den Eureca-Satelliten neu.

Welchen Stellenwert hat die Raumfahrt generell im Verkehrshaus?

Die bisherige Ausstellung stammte aus den 1990er-Jahren. Sie war stark auf das Apollo-Programm ausgerichtet, zuletzt machte sie einen etwas veralteten Eindruck. Künftig kann man nicht nur Dinge anschauen, sondern auch ausprobieren. Wir wollen die Ausstellung zudem laufend aktualisieren.

Es gibt eine Projektgruppe, die in der Schweiz ein «Space Museum» eröffnen will. Arbeiten sie mit dieser zusammen?

Ja, Guido Schwarz, der Initiant der Gruppe, hat uns bei der Ausstellung geholfen. Unser Ziel ist, das «Space Museum» mittelfristig in das Verkehrshaus zu integrieren. Ein möglicher Standort wäre das Untergeschoss der Halle Luftfahrt, wo zurzeit die Jubiläumsausstellung des Schweizerischen Roten Kreuzes gezeigt wird.

Wie viel haben Sie in die neue Ausstellung investiert?

Rund 300 000 Franken. Hinzu kommen namhafte Beträge von Partnern aus der Raumfahrtindustrie. Der Wert der Ausstellung beträgt über 2 Millionen Franken. Wir haben zudem einen Spendenaufruf gemacht und so einige zehntausend Franken eingenommen. Einen grossen Effort haben zudem unsere Mitarbeiter geleistet, sonst hätten wir uns das nicht leisten können. Vor diesem Hintergrund tut es weh, dass der Kanton bei uns sparen will.

Welche Auswirkungen hätten die Sparpläne auf sie?

Der Beitrag des Kantons Luzern würde um 120000 Franken gekürzt. Zudem drohen uns weitere Ausfälle von der Stadt, dem Bund oder anderen Kantonen. Allenfalls müssten wir den Unterhalt des Aussenlagers in Rain reduzieren. Umso wichtiger ist es, Partnerschaften zur Privatwirtschaft und zur Forschung zu pflegen. Zahlreiche Ausstellungsobjekte sind Schenkungen oder Ausleihen von Firmen, Unis und Hochschulen.

Rechnen Sie mit einem Besucheransturm dank der neuen Ausstellung?

Konkrete Zahlen haben wir nicht kalkuliert, aber ich bin überzeugt, dass die Ausstellung sich positiv auf die Eintrittszahlen auswirken wird und die Leute zu Mehrfachbesuchen angeregt werden.

«Die bisherige Ausstellung machte einen veralteten Eindruck.»

Martin Bütikofer

Direktor Verkehrshaus


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