Firmenareal zum Schnäppchenpreis

KRIENS ⋅ Die Andritz Hydro AG möchte das frei werdende Areal möglichst schnell verkaufen – obwohl es nach der Umzonung mehr wert wäre.

12. Oktober 2016, 00:00

Die Andritz Hydro AG verlagert die Wasserturbinen-Laufradfertigung von Kriens nach Ravensburg, was rund 30 Prozent ihrer heutigen Produktionskapazität entspricht. Mit den verbleibenden 70 Prozent konzentriert sich das Unternehmen auf Service und Revisionen von Wasserkraftwerken. Das dadurch frei werdende Areal steht nun zum Verkauf. Hier soll dereinst ein Quartier mit einer gemischten Nutzung als Wohn- und Arbeitsort entstehen. Da das grosse Gebiet mitten im Krienser Zentrum liegt, hat Einwohnerrat Enrico Ercolani (FDP) vorgeschlagen, die Gemeinde solle das Areal kaufen. Im Gegenzug soll sie Land am Sonnenberg zum Bau eines Villenquartiers veräussern (Ausgabe vom 7. Oktober).

Die Firma will das Areal nicht selbst entwickeln, wie Heinz Duner, Standortleiter von Andritz Hydro in Kriens, bestätigt. «Die Arealentwicklung entspricht nicht unseren Kernkompetenzen und benötigt grosse zeitliche und finanzielle Ressourcen. Deswegen können wir uns vorstellen, das Areal möglichst bald an einen Investor zu verkaufen, damit wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren können.» Und der politische Prozess mit Umzonungen und Bebauungsplänen könne einige Jahre dauern, so Duner.

Trotzdem stellt sich die Frage, warum Andritz Hydro mit der Veräusserung nicht wartet, bis das heutige Industrieareal umgezont ist. Schliesslich beinhaltet die Umzonung auch eine Wertsteigerung. «Natürlich wäre es ­finanziell lukrativ, das Gelände vor dem Verkauf in eine Mischzone umzuzonen, weil es als Industriezone weniger wert ist. Aber unser Anliegen ist nicht zwingend die Gewinnmaximierung, sondern unser Kerngeschäft.» Deshalb sei man bereits auf der Suche nach Investoren. Kaufinteressenten gebe es, ein Entscheid über den Verkauf werde aber nicht vor Ende Jahr fallen.

Wie Heinz Duner weiter ausführt, geschieht alles in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde. «Beim Prozess der Arealentwicklung sind die verschiedenen Behörden und der Gemeinderat involviert», sagt Duner. «Wenn die Gemeinde als Investor auftreten kann, können wir uns auch vorstellen, das Areal an sie zu verkaufen, sofern sie ein marktfähiges Angebot macht.»

Eine Machbarkeitsstudie zum Areal wurde vom Gemeinderat in Auftrag gegeben und besagt unter anderem, dass eines der Gebäude auf dem Areal als Handwerkerzentrum umgenutzt werden könnte. Zwar sollen auch Neubauten entstehen, doch der industrielle Charakter des Geländes soll nicht vollständig verloren gehen.

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: